Zwei Bremer entwickeln App 

„Drivo“: Ein smarter Beifahrer

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Die Bremer Okan Gürsel (l.) und Sven Gunkel haben eine Smartphone-App entwickelt, die Autofahrern das Leben leichter machen soll – ohne dabei zu nörgeln.

Bremen - Von Elena Zelle. „Gib nicht so viel Gas“, „Brems doch!“ oder „Lenk nicht immer so ruckartig“ – ein Beifahrer im Auto kann ziemlich nervig sein. Aber er hat auch sein Gutes: Schließlich fährt man mit solchen Ansagen im besten Fall sicherer und spart Sprit. Okan Gürsel und Sven Gunkel, zwei junge Bremer Gründer, haben eine Smartphone-App entwickelt, die den nörgelnden Beifahrer überflüssig machen und den Fahrstil trotzdem positiv beeinflussen soll.

Wie einen Nörgler wollen die beiden ihre App „Drivo“ aber nicht verstanden wissen. „Sie ist eher wie ein Helfer“, sagt Gürsel. Die App analysiert das Fahrverhalten: Wie stark tritt der Fahrer aufs Gas? Wie heftig bremst er? Wie schnell geht es in die Kurve? „Zu jedem Manöver gibt es direktes Feedback“, sagt der 28-Jährige Gunkel. Die Rückmeldung stammt aber eben nicht vom nörgelnden Beifahrer, sondern erscheint als optisches Signal auf dem Smartphone-Display. Rote Balken sind als negatives Feedback, grüne als Lob zu verstehen. „Wer sein Smartphone wie ein Navi an der Scheibe platziert, nimmt die Rückmeldung aus dem Augenwinkel wahr, ohne abgelenkt zu werden“, sagen die Macher. „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie man mit seinem Fahrzeug umgeht“, so Gunkel. Sein Kollege Gürsel, ebenfalls 28 Jahre alt, ergänzt: „Das Fahren wird ökologischer, effizienter und sicherer.“ Die App ist für die private Nutzung kostenlos.

Idee kam während einer Vorlesung

Die Idee kam Gunkel, der in Frankfurt einen Master-Abschluss in Logistik gemacht hat, während einer Telematik-Vorlesung im Frühsommer 2015. Er fotografierte die Folie, die die Vorteile der Verknüpfung von Informatik und Telekommunikation für die Logistikbranche auflistete, und schickte sie per WhatsApp an Gürsel – die beiden kennen sich seit der siebten Klasse. Gürsel hat an der Hochschule für Künste Digitale Medien studiert und für eine Hamburger Agentur gearbeitet, die sich auf Apps spezialisiert hat. Die Idee der beiden: „Wir machen Telematik für alle.“

Sie erarbeiteten im Herbst 2015 einen Businessplan und stellten ihre Idee dem Geschäftsführer des Unternehmensverbundes Team Neusta, Carsten Meyer-Heder, vor. Die Maßgabe: Die beiden sollten einen Prototyp bauen. Wenn der funktioniert, wolle er investieren. Er funktionierte. Neusta investierte „eine sechsstellige Summe“ und hält nun 25 Prozent der Anteile, sagt Gunkel. Seit vier Wochen ist die App am Markt – etwa 120 mal wurde sie bislang runtergeladen.

Idee: Fahrverhalten von Pflegediensten und Paketdiensten verbessern

Das Duo will seine App auch an Unternehmen wie etwa ambulante Pflegedienste oder Paketdienste verkaufen. Die Idee: Das Fahrverhalten verbessern – das spart Sprit und schont den Fuhrpark. Außerdem lässt sich mit der App ein digitales Fahrtenbuch führen. Laut Gunkel soll es nicht darum gehen, nicht so gute Fahrer mit dem erhobenen Zeigefinger zu erziehen. „Wir wollen eher gute Fahrer auszeichnen.“ Drei Betriebe testen „Drivo“ derzeit. Auch Autovermietungen könnten die App nutzen und den Fahrern, die den Mietwagen schonend nutzen, einen Preisnachlass gewähren.

Einen ersten Testlauf hat „Drivo“ hinter sich: Etwa 60   Neusta-Mitarbeiter fuhren rund vier Wochen mit der App. „Es kamen fast 50 000 Kilometer zusammen“, sagt Gunkel. Gürsel ergänzt: „Neusta hat in dem Zeitraum ungefähr 15 Prozent Sprit gespart.“ Und das ganz ohne nörgelnden Beifahrer.

Feedback auf dem Display

Die App „Drivo“ wird auf dem Smartphone installiert und analysiert per GPS, Beschleunigungs- und Lagesensor das Fahrverhalten. Der Fahrer bekommt das Feedback in Form von farbigen Balken direkt auf das Display. Es ist auch möglich, die Strecken im Nachhinein anzuschauen – auch dort ist dann gutes und schlechtes Fahrverhalten farblich gekennzeichnet.

Es ist möglich, mit anderen Nutzern in einen Wettbewerb um die beste Fahrweise zu treten. Wer die App nutzen will, muss zunächst den allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie der Ortung zustimmen. Die App muss außerdem für jede Fahrt gestartet und gestoppt werden.

elz

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