Mit zusätzlichen Sprachlernklassen tragen Bremens Schulen zur Integration von Flüchtlingen bei

80 weitere Vorkurse bis Jahresende

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Bildungssenatorin Claudia Bogedan.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Für die meisten der 22000 Kindergartenkinder in der Stadt Bremen hat sie schon begonnen, für die 71500 Schüler beginnt sie heute – die neue Saison. Es wird ein Schuljahr mit besonderen Herausforderungen. Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen wird Bremen die Zahl der Sprachlernklassen deutlich aufstocken.

Bis Ende des Jahres soll es bis zu 80 weitere Vorkurse geben – Sprachlernangebote für Kinder von Flüchtlingen und für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Dafür sollen 75 Lehrer eingestellt werden. Das hat Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) gestern angekündigt.

Es gehe darum, Flüchtlinge „schnellstmöglich ins Bildungssystem“ aufzunehmen – und das „möglichst dezentral und wohnortnah“. Mit der Integration von Kindern und Jugendlichen leisteten die Schulen eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, Stichwort: Integration durch Bildung.

Im abgelaufenen Schuljahr besuchten in Bremen fast 1200 Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse die Vorkurse. In diesem Schuljahr rechnet das Bildungsressort mit weiter steigenden Zahlen. Die Schüler ohne Deutschkenntnisse stammen aus mehr als 60 Staaten, hieß es gestern weiter.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ressortarbeit ist die Reduzierung des vielfach kritisierten Unterrichtsausfalls. Gleich nach ihrem Amtsantritt habe sie alle Daten zum Thema Unterrichtsausfall auswerten lassen, berichtete Bogedan.

Das Ergebnis: Durchschnittlich 3,2 Prozent der vorgesehenen Unterrichtsstunden sind in den Monaten Februar bis Juni ausgefallen (heißt: nicht ersetzt, keine Vertretung). Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es nur 2,8 Prozent. „Für uns ist jede Stunde, die nicht bei den Schülern ankommt, eine verlorene Stunde“, sagte Bogedan.

Die Daten belegen, so hieß es gestern, dass der Anstieg vor allem auf mehr Krankheitstage zurückzuführen ist – „insbesondere bedingt durch die intensive Grippewelle Anfang des Jahres“. Aber auch der Anteil von Fehltagen aus anderen Gründen (Klassenfahrten, Fortbildung, Prüfungsaufsicht) ist gestiegen.

Bogedans genauer Blick auf die Statistik ergab aber auch noch etwas anderes: An Schulen, die eine größere Budgethoheit haben, gibt es weniger Totalausfall. Sie können offenbar besser reagieren und – etwa über den Vertretungspool oder über die Stadtteilschule – für Ersatz genau dann sorgen, wenn er auch gebraucht wird. Bogedan: „Wir brauchen mehr Spielraum im System, mehr Eigenverantwortlichkeit der Schulen.“ Genau das wolle sie jetzt mit den Schulleitungen besprechen, so die Senatorin weiter. Es gelte, den Schulen mehr Flexibilität zu ermöglichen.

Schulen, an denen in der Stadt Bremen mit Beginn des neuen Schuljahres 194 neue Lehrer arbeiten. Die in den rot-grünen Koalitionsverhandlungen so öffentlichkeitswirksam beschworenen zusätzlichen „200 Lehrer an der Tafel“ sollen da noch hinzukommen – 120 zum 1. Januar 2016 (und damit faktisch zum zweiten Halbjahr der neuen Saison), 40 zum Schuljahresbeginn 2016/17, 40 zum Schuljahresbeginn 2017/18.

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