Zurück in die emotionale Region

Aus dem Nordwestradio wird „Bremen Zwei“

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Das Leitungsteam von „Bremen Zwei“ – lässig von links gesehen: Stephan Cartier (Kultur), Nicole Nelhiebel (Musik) und Karsten Binder (Programmleitung).

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Lässiger“ wollen sie werden, betonen die Beteiligten. Und so gibt es erst einmal einen neuen Namen, der eigentlich ein alter ist, ein Rückgriff auf Traditionen des Hauses. Stehen soll er nun für etwas Neues. Auch ganz und gar neue Namen waren im Gespräch gewesen, „Bremen Smart“ zum Beispiel und „Bremen Zwo“. Jetzt aber wird aus dem Nordwestradio am Sonnabend, 12. August, ganz einfach „Bremen Zwei“. Wie früher – vor der Zusammenarbeit mit dem NDR.

Die NDR-Kooperation endete allerdings schon Anfang 2016 – im Zusammenhang mit der Neuregelung des ARD-Finanzausgleichs. Jetzt also bekommt die Welle für den anspruchsvollen, wenn nicht gar intellektuellen Gebührenzahler einen neuen Namen und eine neue Struktur, die das fortführt, was mit einem Nordwestradio-Relaunch vor drei Jahren begonnen wurde.

Live-Anteil steigt „von sieben auf 21 Stunden“

Ein kurzer Blick noch etwas weiter zurück: Vor „14, 15 Jahren eingeführt“, habe sich „der Name ,Nordwestradio‘ nie so richtig durchgesetzt“, sagt Radio-Bremen-Programmdirektor Jan Weyrauch. Er blieb sogar „ziemlich unbekannt“. Weyrauchs Erklärung: „Der Nordwesten ist eine geografische Beschreibung, keine emotionale Region. Wir wollen, dass der Absender bekannt ist – und dass zu erkennen ist, dass es sich um ein öffentlich-rechtliches Angebot handelt.“ Ein Angebot, das mit einem Jahresetat von sieben Millionen Euro produziert wird. 40 Festangestellte arbeiten für „Bremen Zwei“, 90 Journalisten bilden das Kernteam. Der neue Name soll nun auch für den Neustart stehen.

In den Mediaanalysen dümpelte das Nordwestradio bei 25.000 bis 29.000 Hörern. Jetzt sollen es mit „Bremen Zwei“ schon ein paar mehr werden, grasen will man unter anderem bei NDR Info und dem Deutschlandfunk. Gleichwohl: „Bremen Zwei“ sei „ein Info- und Kulturprogramm, keine Massenwelle“.

„Wir bauen das journalistische Programm aus“, sagt Programmleiter Karsten Binder. Es werde „viel mehr“ live produziert und gesendet – auch am Wochenende. Sonnabends wird jetzt in der Zeit von 7 bis 18 Uhr, sonntags von 8 bis 18 Uhr live gesendet. Bisher waren die Sendungen am Wochenende weitgehend aufgezeichnet. Der Live-Anteil steigt „von sieben auf 21 Stunden“, sagt Kulturchef Stephan Cartier. Im Fokus stehen beispielsweise Premieren in Bremen, Oldenburg, Hannover. Ansonsten reicht das Spektrum vom Buchtipp über Kolumnen (etwa von Sigrid Löffler) bis zu Philosophie, Politik und Sport - „aus kultureller Sicht“. Peter Zudeick liefert exklusiv eine Medien-Kolumne.

Hörspiele als Podcast

Die Hörspielredaktion produziert erstmals serielle Hörspiele, die vorab als Podcasts angeboten werden – ein Versuch, das Smartphone-Publikum zu erreichen. Auch in den sozialen Netzwerken will „Bremen Zwei“ verstärkt aktiv werden, hieß es.

Bei der Musik setzt man weiter auf eine eigenständige, wiedererkennbare „Musikfarbe“, wie die Hörfunkleute das nennen. Die „Farbe“ wird komponiert aus Singer-Songwriter-Pop, Soul, Jazz und Klassik. Populärere Songs sollen die Tagesmischung abrunden, sagt Musikchefin Nicole Nelhiebel. Die Rotation ist nicht so heftig wie bei anderen Sendern – man hört nicht alle drei Stunden den gleichen Hit wieder.

Am späteren Abend gibt es spezielle Sendungen für Liebhaber – montags Soul, dienstags „Jazz Grooves“, mittwochs Klassik, donnerstags „Herzstücke“: „Unsere romantische Seite“, so Nelhiebel. Freitags kommen die „Bremen Zwei Sounds“, alle vier Wochen (19 bis 22 Uhr) werden sie moderiert von Dirk Darmstaedter, der als Sänger der „Jeremy Days“ („Brand New Toy“) auch Popstar-Erfahrung hat.

Weniger Übertragungen von Gottesdiensten

Der „lässige“ neue Ansatz zeigt sich unterdessen auch im Verzicht auf manche Tradition. Der Sender verzichtet zum Beispiel fortan auf die regelmäßige Übertragung eines Gottesdienstes am Sonntagmorgen. An gleicher Stelle (10 bis 11 Uhr) gibt es stattdessen eine mit der evangelischen und katholischen Kirche gemeinsam entwickelte Programmstrecke zu Glaubens- und Kirchenthemen.

Live übertragene Gottesdienste gibt es auf „Bremen Zwei“ nur noch an neun Terminen im Jahr – vor allem Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Im Nordwestradio gab es jährlich 25 Gottesdienst-Übertragungen, die aber schlechte Einschaltquoten hatten. Im neuen Magazin sei „an kurze Beiträge gedacht, die man gut hören kann“, sagte jüngst Jeannette Querfurth, die Rundfunkbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK).

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