Zukunftsfähiges Bremen

Grüne Dächer und Öko-Förderung: So stemmt sich Bremen gegen die Klimakrise

In der Koalitionsvereinbarung bekennt sich die Bremer Regierung zum Klimaschutzabkommen von Paris und formuliert ein klares Klimaziel. Um die Stadt möglichst klimaneutral zu gestalten, gibt es verschiedene Ansätze und Projekte.

  • Klimaneutralität ist ein wichtiger Punkt in der Bremer Koalititonsvereinbarung.
  • Grüne Dächer, Solarenergie und der Kohleausstieg stehen auf dem Programm.
  • Neue Quartiere in Bremen werden unter Berücksichtigung von Klimaneutralität geplant.

Bremen - Klimaneutral bedeutet, dass keine Treibhausgasemissionen erzeugt werden. Dies ist entscheidend, um möglichst wenig zur Klimaerwärmung beizutragen, die unter anderem auch schon Auswirkungen auf den Bürgerpark zeigt. Dieses Ziel haben nicht nur ganze Länder, sondern auch Städte wie Bremen bekennen sich dazu, wollen ihren Beitrag leisten. Ebenso gibt es Unternehmen die versuchen, ihren ökologischen Fußabdruck gering zu halten.

Freie Hansestadt Bremen:Bremen und Bremerhaven
Landeshauptstadt:Bremen
Einwohnerzahl:681.202 (31. Dezember 2019)
Fläche:419,38 km²
Regierende Parteien:SPD, Grüne und Die Linke

Bremen hat sich mehr Nachhaltigkeit und Einsatz für das Klima auf die Fahne, genauer in die Koalitionsvereinbarung geschrieben: „Das Klimaschutzabkommen von Paris und dessen Ziel, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, ist Grundlage des Handelns dieser Koalition in allen Politikbereichen.“ Neben umfassenden Plänen wie dem Kohleausstieg fördert Bremen auch den Einsatz für die Umwelt.

Effiziente Nutzung der Flächen in Bremen: Es geht auf die Dächer

Nachhaltiger soll es auch beim Bauen zugehen. Für Quartiere, die erst noch gebaut werden, soll ein Bremer Standard berücksichtigt werden, an dem eine Orientierung möglich ist. Dieser soll nicht nur die effiziente und sparsame Nutzung freier Flächen beinhalten, sondern auch „öffentliches und privates Grün auf Dächern und zwischen den Häusern“, wie in der Koalitionsvereinbarung angekündigt.

Weiterhin steht der Bremer Standard für eine Mischung der Funktionen von Flächen und ein Mobilitätsmanagement zur Reduzierung der Autos sowie die Verwendung von Baustoffen und Bauweisen, die die CO2-Last der Neubauten reduzieren. Vorgesehen ist weiterhin, Wärme aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen und auf hohe energetische Standards bei allen Gebäuden zu achten.

Mehr Grün soll es also in Bremen geben - und das auch auf den Dächern. Wer selbst nachprüfen möchte, ob das eigene Dach dafür geeignet ist, kann dies im Bremer Gründachkataster überprüfen. Dort lässt sich auch herausfinden, was die Dachbegrünung kosten würde. Ein grünes Dach hat mehrere Vorteile. Im Sommer sorgt es dafür, dass die Räume unter dem Dach abkühlen, im Winter hingegen kann die Schicht als Dämmung funktionieren. Abgesehen davon, dass ein grünes Dach auch optisch etwas hermacht, bieten die Pflanzen Insekten oder Vögeln einen Lebensraum. Nachteil hingegen sind die zum Teil hohen Anschaffungskosten und, dass das Dach gepflegt werden muss.

In Utrecht wachsen auf den Wartehäuschen dickblättrige, kleine, zähe Stauden wie Mauerpfeffer. „Mauerpfeffer erfreut sich bei Wildbienen einschließlich Hummeln einer hohen Beliebtheit“, sagt J. Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle. Begrünte Bushäuschen bilden seinen Angaben zufolge in Kombination mit anderen Gründächern ein Mosaik von Nektar- und zum Teil auch Bruthabitaten für Insekten.

Mit Grün auf dem Dach hat sich auch die BSAG bereits beschäftigt. Im Jahr 2019 hat die Bremer-Straßenbahn-AG auf dem eigenen Betriebsgelände einen Test begonnen: Bienenfreundliche Sedan-Pflanzen sind auf dem Dach eines Wartehäuschens aufgebracht worden. Es sollte geprüft werden, ob sie den Winter überstehen. Vorbild ist dabei die niederländische Stadt Utrecht. Dort wurden mehr als 300 Haltestellen bienenfreundlich eingerichtet. Die Bremer Grünen hatten sich im vergangenen Jahr für die sogenannten „Bee-Stops" ausgesprochen, woraufhin die BSAG begonnen hat, sich mit Vorschlägen auseinanderzusetzen.

Wer darüber nachdenkt, das eigene Dach zu begrünen, kann sich dabei von der Stadt unterstützen lassen. Es besteht die Möglichkeit Fördergelder sowohl für Neubauten als auch für vorhandene Dächer zu beantragen. Gefördert werden bis zu 25 Prozent der Kosten, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, unter anderem muss die Gesamtfinanzierung bei Antragstellung bereits sichergestellt ein.

Solarenergie direkt von Bremens Dächern

Nicht alle Dächer sind geeignet, um dort Pflanzen unterzubringen. Dächer können aber auch Fläche für eine andere Idee sein, die die Klimaneutralität der Stadt unterstützt: Solaranlagen. Neben dem Gründachkataster gibt es auch einen Solardachkataster. Dächer, insbesondere auch in Neubaugebieten, sollen mit Solaranlagen ausgestattet werden. Bremen will laut Koalitionsvereinbarung bis 2023 den Kohleausstieg für die Stromproduktion erreichen. Dies sei eine „maßgebliche Säule der Energiewende“. Für die Energiegewinnung will Bremen hingegen auf Wind und Wasserstoff setzen. Zur Gewinnung von Energie aus Wind sollen daher neue Standorte in Gewerbegebieten prüfen.

Wenn es mit Pflanzen auf dem Dach nicht klappt, lassen sich dort auch Solarzellen anbringen.

Im Rahmen eines Landesprogramms sollen zudem die Ausbauzahlen für Photovoltaik festgelegt und vorhandene Förderprogramme sowie Solarberatungsstrukturen ausgebaut werden. Bremer, die ihren Energiebedarf über Solarenergie abdecken wollen, können eine Solarberatung in Anspruch nehmen. Dort erhalten sie grundlegende Informationen, unter anderem auch zu Fördermöglichkeiten. Beraten lassen können sich sowohl Privatpersonen, als auch Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen.

Klimafonds und Förderung: Unternehmen kompensieren ihre CO2-Emissionen

Förderungen, die der Klimaneutralität zugutekommen gibt es auch in Form des „Klimafonds“. Unternehmen können ihre CO2-Emissionen vielleicht nicht neutralisieren, aber sie versuchen zu kompensieren. Diese Möglichkeit nutzte die Abat AG und erhielt daraufhin von Klimaschutz- und Umweltsenatorin Maike Schaefer das Klimaneutral-Zertifikat.

Das Prinzip ist einfach: Das Unternehmen zahlt eine bestimmte Summe in den Klimafonds ein, um seinen Kohlenstoffdioxidausstoß, wie beispielsweise durch Dienstreisen verursacht, zu kompensieren. Das in den vom Bremer Netzwerk „Partnerschaft Umwelt Unternehmen“ gegründeten Fonds eingezahlte Geld wird schließlich zu rund 80 Prozent verwendet, um Klimasschutz in Bremen zu unterstützen. Der restliche Anteil fließt in weltweit angesidelte Klimaschutzprojekte.

Für Klimaschutz- und Umweltsenatorin Maike Schaefer ist „Der Klimafonds“ eine Herzensangelegenheit. Sie überreichte das Klimaneutral-Zertifikat selbst an die Abat-Vorstände Gyde Wortmann und Hinrich Meisterknecht.

In Bremen und Bremerhaven profitieren soziale und kulturelle Einrichtungen vom Klimafonds. Sie erhalten mit dem Geld Hilfe, um Energieeffizienz-Maßnahmen umzusetzen. Vereine und Initiativen können eine solche Förderung beantragen, um die eigene CO2-Bilanz zu verbessern, oder Energiekosten zu senken. Der deutsch-chinesische Kindergarten Drachenkinder hat zum Beispiel im vergangenen Jahr eine Förderung durch den Klimafonds beantragt. Mithilfe eines Zuschusses konnte er seine Beleuchtung dadurch auf umweltfreundliche LEDs umstellen. Melanie Tang aus der Verwaltung berichtet: „Wir können unsere CO2-Bilanz dadurch um knapp drei Tonnen pro Jahr senken und sparen jetzt rund 700 Euro Energiekosten ein. Das Geld steht uns nun an anderer Stelle zur Verfügung und kommt letztlich vor allem den Kindern zugute.“

Das Ziel bis 2030: Die autofreie Bremer Innenstadt

Die autofreie Innenstadt steht auf der Agenda der Stadt Bremen ganz oben. Bis zum Jahr 2030 soll sie umgesetzt werden und damit verbunden wird es einige Veränderungen geben. Voraussetzung ist auch, dass die Bremer motiviert werden, auf ihr Auto zu verzichten und eine alternative Fortbewegungsmethode wie Busse oder Bahnen zu nutzen. Dazu gehört auch, den ÖPNV attraktiver zu gestalten. Unabhängig von einer engeren Taktung und weiteren Linien sowie Haltestellen gehört dazu auch ein Kostenkonzept. Die Möglichkeiten, die die Stadt diskutieren will, sind zum einen der kostenlose ÖPNV, das 365-Euro-Ticket und der Ticket-lose ÖPNV.

Der Ausbau des Radverkehrs ist auch für Bremen gewünscht.

Aber nicht nur die Innenstadt soll autofrei werden, auch die Zahl der Autos allgemein in der Stadt soll reduziert werden. Das soll durch Mobilitätsmanagement, wie die Attraktivitätssteigerung des ÖPNV erreicht werden. Mittelfristig sei zudem geplant, Bremen und Bremerhaven mit einer emissionsfreien Flotte zu befahren. Das soll unter anderem durch den Einsatz von Elektromobilität erreicht werden. Dort wo die Belastung besonders hoch ist, wolle Bremen vorrangig auf emissionsarme Busse - elektrisch oder wasserstoffbetrieben - setzen, heißt es in der Bremer Koalitionsvereinbarung.

Rubriklistenbild: © Gemeente Utrecht / picture alliance / dpa

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