Digitaler Zwillingsladen

Bremer Projekt bringt Künstliche Intelligenz in den Einzelhandel

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Labor mit einem nachgebauten Supermarkt: Roboter„Donbot“ scannt die Hinweisschilder am Regal. Prof. Michael Beetz schaut zu.

Wie sieht die Zukunft des Einzelhandels aus? Das Projekt „Knowledge4Retail“ entwickelt hierzu Ideen und hat einige spannende Ansätze präsentiert.

Bremen - Der Roboter „Donbot“ fährt durch ein Labor. Überall Regale mit Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und auch Waschmitteln. Hier wird im Rahmen des Projekts „Knowledge4Retail“ dazu geforscht, wie Künstliche Intelligenz (KI) im Einzelhandel helfen kann. Das Projektvolumen beträgt 13 Millionen Euro, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert einen Teil davon – wie viel, ist noch offen. Die nicht geförderten Kosten tragen den Angaben zufolge die anderen Projektpartner.

Der auf Rädern fahrende „Donbot“ hat eine Kamera, mit deren Hilfe er die Regale erkennt und auch die Fächer und deren seitliche Einteilung. Auf den Bildschirmen der Programmierer erscheint die von dem Roboter erfasste Wirklichkeit. Er scannt die Etikette an den Regalen des nachgebauten Auszugs eines DM-Supermarktes im Uni-Institut. Auf dem Bildschirm erscheinen Flaschen mit den verschiedenen Reinigungsmitteln, die dort stehen. Wie tief der Roboter in ein Fach gucken kann, hängt davon ab, wie viel Platz sich oberhalb der aufgestellten Artikel befindet.

Roboter soll zum Helfer im Supermarkt werden

Der Roboter soll ein digitales Abbild des Supermarktes schaffen. „Ziel ist es, ein Modell zu errechnen, das selbstständig Fragen beantworten kann“, sagt Prof. Michael Beetz (59), Direktor des Instituts für Künstliche Intelligenz an der Uni Bremen.

Das Modell kann dann zum Beispiel Blinde zu einem gewünschten Produkt führen. Genauso kann ein Kunde, der eine Diät einhält, auf die Produkte verwiesen werden, die zu dieser passen. Kontrollen sind möglich, damit keine gesundheitsgefährdenden Produkte in Griffweite von Kindern stehen. Weitere Ziele: Nachts könnten Roboter prüfen, ob alles da steht, wo es hingehört. Roboter füllen Ware nach oder bringen sie an den richtigen Platz.

Die digitalen Zwillinge der Supermärkte könnten auch im Internet zugänglich gemacht werden. Manager wandern virtuell durch die Läden und finden möglicherweise heraus, warum sich ein Produkt in einem Supermarkt besser verkauft als in einem anderen Geschäft. Nicht nur Roboter könnten Daten zu aufgestellten Produkten liefern, sondern auch intelligente Regale, sagt Andreas Wulfes vom Team Neusta, einem von 13 Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft, die unter Federführung des Instituts für Künstliche Intelligenz der Uni Bremen bei dem Projekt zusammenarbeiten.

Der digitale Zwilling: Während „Donbot“ durch den Supermarkt fährt, zeigt sich auf dem PC das Bild, das er mittels KI vom Laden entwirft.

Das Projekt Knowledge4Retail hat sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt

Das Ergebnis des dreijährigen Projekts „Knowledge4Retail“ soll eine öffentlich zur Verfügung gestellte Basisplattform mit Technologien zur Erzeugung digitaler Zwillinge von Einzelhandelsgeschäften sein, die auch kleine und mittelgroße Firmen ohne hohe Kosten implementieren und auf deren Basis Software-Firmen weitere Anwendungen maßschneidern können. So soll ein wirtschaftliches Ökosystem entstehen. Das Bremer Projekt setzte sich mit 15 weiteren unter 130 Bewerbern durch.

Derweil übt „Donbot“. Bevor er loslegt, muss der Roboter aber rausfinden, wo er sich selbst im Laden befindet. Dafür hat er zwei Laser-Scanner. Zunächst sind eine Menge roter Pfeile um ihn herum auf seinem Computerabbild zu sehen, mögliche andere Positionen. Nach ein paar Bewegungen sind sie verschwunden. Der Roboter nimmt sich mit einem Greifarm eine Packung Wasch-Tabs und stellt sie in ein anderes Regal, allerdings noch sehr langsam. „Für KI ist das schwer, was für uns leicht ist, zum Beispiel etwas zu greifen. Die Evolution hatte Hunderte von Millionen Jahren, um das zu realisieren“, sagt Beetz. Wenn das aber erst einmal gelernt sei, gehe es schneller.

Jonas Reiling vom Pilotanwender DM sagt: „Für uns ist es eine neue Generation von Datensystemen.“ Möglicherweise ließen sich auch Logistikabläufe mit solchen Datensystemen effizienter gestalten.

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