Prozess um Bruder-Mord in Huchting:

Mit dem Zugriff gezögert

Bremen - Von Nina Seegers. Der 63-jährige Angeklagte, der des Mordes an seinem Bruder angeklagt ist, hat gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Mehrere Polizeibeamte, die an dem Einsatz beteiligt gewesen waren, wurden als Zeugen vernommen.

Seit Anfang Januar muss sich der mutmaßliche Täter, der als psychisch krank gilt, vor dem Bremer Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am Morgen des 15. Juli gegen 8 Uhr seinen 70-jährigen Bruder in sein Wohnhaus gezerrt zu haben und im Keller auf ihn mit diversen Tatwerkzeugen eingestochen und eingeschlagen zu haben. Das Opfer starb noch am Tatort.

Zum ersten Mal wurden in dem Prozess gestern Nachmittag Zeugen vernommen. Vier Polizeibeamte schilderten, was sie von dem Tattag in Erinnerung hatten. Ein Polizist berichtete, dass zunächst die Ehefrau des Angeklagten gegen 5.30 Uhr die Polizei telefonisch alarmiert habe, da ihr Mann randaliere. Er leide an psychischen Störungen und halte sich für den „Sohn Gottes, den Erlöser“, soll die Ehefrau dem Polizeibeamten erklärt haben. Als der Beamte mit einem Kollegen am späteren Tatort eintraf, habe der Mann bereits geschlafen. „Da sich keine akute Situation darstellte, sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass es nicht erforderlich ist, den Beschuldigten in Augenschein zu nehmen“, sagte der Zeuge. Gegen 8 Uhr ging dann ein zweiter Anruf bei der Polizei ein; die Ehefrau des Opfers erklärte, dass der Angeklagte ihren Mann nach einem Streit im Keller festhalte. Das Haus des Angeklagten wurde daraufhin von Polizeibeamten und dem Sondereinsatzkommando umstellt und beobachtet. Kurz vor 9 Uhr sei den Beamten bekannt gewesen, dass eine Person eine andere mit Waffen bedrohe, dass der Hausbesitzer seinen Bruder im Keller quäle, erklärte gestern ein weiterer Polizeibeamter. Sein Auftrag sei es gewesen, das Kellerfenster abzusichern. Von da aus habe er gehört, wie ein Stimme sagte: „Ich bin Satan und ich werde Euch alle erlösen“. Gegen 10 Uhr habe er dann einen lang gedehnten Hilfeschrei vernommen.

Den Prozessbeteiligten konnten nicht nachvollziehen, warum die Polizei an jenem Tag nicht viel früher eingeschritten ist; der Zugriff erfolgte um 11.40 Uhr, also zweieinhalb Stunden, nachdem die Beamten das Haus umstellt hatten. Diese Frage treibt auch den Sohn des Verstorbenen um, der vor Gericht als Nebenkläger auftritt. Er wirft der Polizei vor, zu lange gewartet zu haben.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 7. Februar, um 9.15 Uhr fortgesetzt.

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