Zufallsfund eines Mechanikers

Sechs Männer wegen Drogenschmuggels vor Gericht

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Murat D. (vorne links), Mauro F. (weißes Hemd) und Muhhidin B. (im Hintergrund) werden in den Gerichtssaal geführt. Im Gegensatz zu den drei anderen Angeklagten sitzen die drei Männer in Untersuchungshaft.

Bremen - Von Steffen Koller. Telefonüberwachung, ein ausgetauschtes Paket voll mit Kokain, Lauschangriffe: Vor dem Landgericht Bremen wurde am Mittwoch ein Prozess gegen sechs Männer im Alter von 40 bis 55 Jahren fortgesetzt, denen Handel mit und Einfuhr von Betäubungsmitteln „in nicht geringer Menge“, wie es im Gesetz heißt, zur Last gelegt wird.

Gering ist die Menge wahrlich nicht, und dass die Männer überhaupt auf der Anklagebank sitzen, ist auf die Arbeit von Zollfahndern zurückzuführen. Einer von ihnen gab jetzt Einblick in das Vorgehen der Behörde.

779 Kilo Kokain mit einem Verkaufswert von rund 21 Millionen Euro – so viel sollen die Männer in unterschiedlicher Tatbeteiligung über den Bremerhavener Hafen nach Deutschland geschmuggelt haben – oder dies versucht haben. Über mehrere Monate ging das illegale Geschäft gut, im März 2017 flogen die Angeklagten auf. 

Wie die Zollfahnder den mutmaßlichen Schmugglern letztlich auf die Schliche kamen, berichtete ein 49-jähriger Beamter, der beim Zollamt Hamburg für den Bereich Organisierte Kriminalität zuständig ist. Von September bis Dezember 2014 beschlagnahmten demnach Zollbeamte zwischen 600 und 650 Kilo Kokain, jedoch gingen den Beamten auch rund 1. 100 Kilo durch die Maschen.

Telefonüberwachungen von mehr als 100 Anschlüssen

Trotzdem gelang es den Fahndern, Verbindungen zwischen den einzelnen Lieferungen offenzulegen und so an die mutmaßlichen Drahtzieher zu gelangen. Schnell stießen der 49-Jährige und seine Kollegen laut seiner Aussage auf den Namen „der Schneider“, der während abgehörter Telefonate oft gefallen sei. Die Beamten leiteten Telefonüberwachungen von mehr als 100 Anschlüssen und Lauschangriffe ein und stießen dabei auf ein ganzes Netz von Schmugglern, Abnehmern und Hintermännern.

Ausschlaggebend sei dabei eine Lieferung aus dem März 2017 gewesen. In einem Kühlaggregat versteckt, hätten die Männer versucht, 48 Kilo Kokain nach Deutschland zu schmuggeln, sagte er aus. Da das Aggregat aber kaputt ging und ein Mechaniker auf den Defekt aufmerksam wurde, entdeckte dieser die Drogen. Er informierte den Zoll, und Ermittler tauschten das Kokain aus – inklusive Abhörtechnik, die die Beamten letztlich auf die Spur vom Mitangeklagten Mauro F. brachten.

37 Verhandlungstage angesetzt

Mauro F., Techniker auf dem Terminal und mit einer Zugangskarte ausgestattet, wurde observiert und beim Übergabeort zusammen mit Muhiddin B., dem „Schneider“, festgenommen. Er gilt für die Beamten als Kopf der Bande, Mitangeklagter Bektas K. soll seine rechte Hand gewesen sein, so der Beamte, der auch allen anderen Angeklagten ihre Aufgabenbereiche zuschreiben konnte. Demnach soll Murat D. einer der Abnehmer gewesen sein, Garip D. hingegen einer der Mitorganisatoren von konspirativen Treffen. Ramazan E. habe nach Erkenntnissen des Zolls als „Vermittler zum Abnehmer“ fungiert. Die Käufer hätten dabei 27 000 bis 28 000 Euro je Kilo Kokain bezahlt, der Einkaufpreis pro Kilo habe etwa 5 000 Euro darunter gelegen, sagte der Beamte.

Ob sich all dies bewahrheitet, will die Kammer bis spätestens April 2018 klären. Bis dahin sind weitere 37 Verhandlungstage geplant. Der Prozess wird am Mittwoch, 11. Oktober, fortgesetzt.

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