ZMT-Forscher untersuchen Folgen des Meeresspiegelanstiegs für Riffinseln

Wettlauf auf den Atollen

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Thomas Mann (r.) und sein Kollege André Klicpera bei der Forschungsarbeit in Indonesien.

Bremen - Von Viviane Reineking. Bieten Riffinseln wie die Malediven ihren Bewohnern auch in 50 Jahren noch einen Lebensraum oder sind sie bereits im Meer versunken? Forscher des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) in Bremen haben jetzt anhand des Takuu-Atolls im Westpazifik gezeigt, wie sich die Folgen des Meeresspiegelanstiegs bereits heute auf den flachen Inseln bemerkbar machen.

Manche Wissenschaftler sagen für das nordöstlich von Papua-Neuguinea gelegene Atoll mit seiner mehr als tausend Jahre alten polynesischen Kultur voraus, dass die Inselgruppe schon innerhalb der nächsten Jahrzehnte nicht mehr bewohnbar sein wird. Andere befürchten sogar, dass es für die rund 600 Bewohner bereits in zehn Jahren soweit kommen könnte.

Der Meeresspiegel steigt – nach Angaben des ZMT im Schnitt 3,3 Millimeter im Jahr. Davon sind besonders die flachen Riffinseln bedroht, die, wie im Fall der Inseln des Takuu-Atolls, bei Flut nur etwa einen Meter über dem Meeresspiegel liegen. Die Regierung plant bereits, die Bevölkerung des Atolls als sogenannte „Klimaflüchtlinge“ umzusiedeln. Es sind düstere Zukunftsszenarien, doch bislang gibt es nur wenige Studien, die sich mit den sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels auf den Riffinseln beschäftigen.

Der Bremer ZMT-Forscher Dr. Thomas Mann hat nun erstmals die Veränderungen der Vegetationsfläche und der Küstenlinie des Takuu-Atolls seit 1943 untersucht. Dafür hat der Geologe Luftaufnahmen aus dem Weltkrieg und Satellitenbilder ausgewertet. Das Ergebnis: Der Anstieg des Meeresspiegels macht dem Atoll weniger zu schaffen als bislang vermutet. So habe sich die Vegetationsfläche zwischen 1943 und 2012 insgesamt sogar um drei Prozent vergrößert.

„Unsere Daten lassen keine Rückschlüsse darauf zu, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels bei den Takuu-Inseln in den vergangenen 70 Jahren negativ bemerkbar gemacht hat“, so Mann. Allerdings endete das Flächenwachstum 2008 abrupt – zu schnell, um ihn mit dem Anstieg des Meeresspiegels zu erklären. Vielmehr hatte eine Sturmflut große Teile der Küsten abgetragen und laut ZMT zum Schreckensszenario der untergehenden Inseln beigetragen. „Nach solchen Klimaereignissen erholen sich die Inseln jedoch meist wieder, wenn auch nur sehr langsam“, so Mann.

Den Wissenschaftlern zufolge trug auch der Schwund von Strandflächen bei einigen Inseln zum Bild des untergehenden Atolls bei. Die Erklärung der Forscher: Die Bewohner hatten große Mengen Sand abgetragen, um die Häuser der Dorfältesten erhöht zu bauen und zum Schutz vor Sturmfluten einen Schutzwall zu errichten. Statt sanft auf dem seicht abfallenden Ufer abzurollen, treffen die Wellen jetzt mit Wucht auf den Wall, wirbeln den Strandsand auf und reißen ihn ins Meer.

Auch seien Koralleninseln dem Meeresspiegelanstieg nicht hilflos ausgeliefert, sondern dynamisch. Mann: „Die Inseln sind gesäumt von lebenden Korallen, die sich sozusagen in einem Wettlauf mit dem Meeresspiegel befinden. Korallen können bis zu 20 Zentimeter pro Jahr in die Höhe wachsen, ganze Korallenriffe immerhin noch etwa acht Millimeter im Jahr, also durchaus schneller als der derzeitige Meeresspiegelanstieg.“

Ob ein Riff allerdings für den Wettlauf gerüstet ist, hängt vom „Gesundheitszustand“ ab: Es könne nur mithalten, wenn es nicht durch Verschmutzung, erhöhte Wassertemperaturen und zerstörerische Fischereimethoden geschädigt ist. „Die Gesundheit der Korallenriffe ist also ein entscheidendes Kriterium für die zukünftige Stabilität von Atollinseln“, so Mann.

Für die Bewohner von Takuu klingen die Forschungsergebnisse erst einmal positiv und bedeuten, „dass man langsam anfangen könnte in Betracht zu ziehen, dass diese Inseln in 100 Jahren immer noch bewohnbar sind“.

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