Zmorrod trainiert palästinensische Kinder

Gefährliches Spiel auf der Straße

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Fadi Zmorrod begleitet als Trainer zwölf palästinensische Jugendliche beim Jugendzirkusfestival in Bremen.

Bremen - Von Charlotte Morgenthal. Fadi Zmorrod (34) begleitet als Trainer zwölf palästinensische Kinder und Jugendliche beim internationalen Zirkusfestival in Bremen. Insgesamt 80 Jugendliche aus sechs Nationen sind hier dabei. Zmorrod hat 2006 gemeinsam mit seinem Bruder und einer belgischen Zirkusaktivistin die „Palästinensische Zirkusschule“ gegründet. Sie unterrichten insgesamt mehr als 200 Kinder und Jugendliche in Birzeit und anderen Städten wie Jenin, Hebron, Ramallah und im Al-Fara-Flüchtlingslager.

Was sind die Herausforderungen der Zirkusarbeit in Palästina?

Fadi Zmorrod: Zum einen leiden die Kinder unter der Besetzung, zum anderen aber auch unter der Kultur. Die Kultur gibt den Kindern nicht viel Platz. Generell haben Jungen mehr Rechte als Mädchen. Aber auch die Jungen werden gedrängt, zum Mann zu werden, bevor sie überhaupt ihre Kindheit leben konnten. Beide müssen sich in einer bestimmten Art und Weise verhalten. Wir hatten Eltern, die ihre 13-jährige Tochter nicht mehr zu uns geschickt haben, weil sie ihre Periode bekam. Es sei zu riskant, Akrobatik zu machen, sagten sie. Ich gehe dann zu den Eltern, aber ich habe keine Macht über die Familie, wenn der Vater „Nein“ sagt. Die Menschen wissen oft nicht, was ein Zirkus ist. Sie kennen nur die Bilder aus dem Fernsehen, wo Frauen im Bikini auf einem Trapez stehen.

Wie kam es zur Gründung der Zirkusschule?

Zmorrod: Ursprünglich wollte ich als Kunststudent mit den Kindern malen und zeichnen, um ihnen zu helfen sich auszudrücken. Aber für die meisten ist es sehr schwer, sich ruhig hinzusetzen. Ich hatte das Gefühl, dass sie die ganze Energie und Wut, die sie haben, auch mal rauskriegen müssen. Es gibt aber kaum Plätze für sie zum Spielen, nur die Straße – und die ist gefährlich. Kinder wollen spielen, sie mögen den Risikofaktor und die Herausforderung. Der Zirkus kann das alles bieten, ohne dabei jemandem wehzutun. Die Kinder bekommen einen Raum, wo sie Vertrauen, Respekt, Koordination und Konzentration lernen. Der Zirkus ist aber auch ein Werkzeug, um die Risse zu überwinden, die durch unsere Gesellschaft gehen.

Wie lösen Sie die kulturellen Probleme?

Zmorrod: Wir unterrichten beide Geschlechter getrennt und fangen dann langsam an, sie gemeinsam zu trainieren, beispielsweise gemeinsam zu jonglieren. Langsam ist dann ein Wandel möglich. Wir hatten einen Achtjährigen, der nicht auf die Schultern eines 14-jährigen Mädchens klettern wollte. Er sei doch der Mann, hat er gesagt. Schließlich hat er es doch ausprobiert und erstaunt festgestellt, dass es geht.

Wie sieht der Alltag eines Zirkus-Trainers in Palästina aus?

Zmorrod: Ich stehe früh auf, um von Jerusalem aus durch die Checkpoints zu kommen. Die Hälfte meiner Energie ist dann schon weg, wenn ich endlich ankomme. Dann besteht der Tag aus Workshops, wir arbeiten auch in Flüchtlingslagern. Jeden Tag bin ich in einem anderen Dorf, um zu unterrichten.

Wovon träumen Sie?

Zmorrod: Mein Traum wäre es, die Grenzen und Blockaden, die uns in dieser Welt trennen, aufzuheben. Ich wünsche mir mehr Bewegungsfreiheit und mehr Freiheit zum Denken und zum Träumen.

epd

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