Zielgerichtet und entschlossen

Kugelschreiber-Attacke: Anklage fordert mehr als sieben Jahre Haft

Der Angeklagte schwieg bislang beharrlich. Am Freitag hat die Staatsanwaltschaft für den 36-Jährigen eine Haftstrafe von mehr als sieben Jahren gefordert. Foto: Koller

Er hatte die Tat offenbar mehrfach angekündigt – und schlug im Januar letztlich zu: Im Verfahren gegen einen 36-jährigen Kurden, der seiner Ex-Partnerin laut Anklage einen Kugelschreiber ins Auge gerammt hat, beantragte die Staatsanwaltschaft am Freitag vor dem Bremer Landgericht eine mehr als siebenjährige Haftstrafe für den Angeklagten.

Bremen - Nach Würdigung aller Beweismittel gíbt es für Staatsanwalt Florian Maaß „keinerlei Zweifel“, dass der Mann in der Nacht auf den 27. Januar in einem Bus der Linie N 7 seine Ex-Partnerin zunächst in den Schwitzkasten genommen und ihr dann einen Kugelschreiber ins linke Auge gestoßen hat. Zuvor hatte der Kurde türkischer Abstammung der Frau einen Schlag ins Gesicht verpasst – auf dem Weg ins Krankenhaus folgte dann laut Maaß die Attacke mit dem Stift. Nicht nur Videoaufnahmen aus dem Bus, sondern auch Zeugenaussagen und medizinische Gutachten würden diesen Tathergang so belegen.

Lebenslang in ärztlicher Behandlung

Die 33-jährige Syrerin, die seit dem Angriff auf ihrem linken Auge quasi blind ist, überlebte die Attacke, wird aber nach Aussagen eines Augenarztes (wir berichteten) ihr Leben lang in ärztlicher Behandlung bleiben müssen.

Laut Maaß hatte der Angeklagte „die schweren Folgen seines Angriffs genauso gewollt“. Er sei bei seiner Tat „zielgerichtet“ und „bestimmt“ aufgetreten und hatte nach Aussage der Frau mehrfach damit gedroht, sie „blind wie ,Bergen‘ zu machen“ – womöglich eine Anspielung auf eine Säureattacke auf die türkische Sängerin Belgin Sarilmiser alias „Bergen“, die von ihrem Ehemann mit Salpetersäure übergossen wurde und danach auf einem Auge erblindete. 

„Inneres Programm abgespult“

„Es wird mithin deutlich, dass der Angeklagte eine gewisse Affinität zur Blindheit hat“, sagte Maaß. Laut den Zeugenaussagen sei der 36-Jährige bei seiner Tat „sehr entschlossen“ aufgetreten und habe ein „inneres Programm abgespult“. Hätten die Fahrgäste des Busses damals nicht eingegriffen, so die Einschätzung des Staatsanwalts, hätte die Frau sehr wahrscheinlich auch die Sehkraft auf ihrem rechten Auge verloren.

Anders als noch zu Prozessauftakt zur Anklage gebracht, konnten während der Beweisaufnahme „keine ausreichenden Feststellungen“ dahingehend getroffen werden, dass der Mann mit bedingtem Tötungsvorsatz handelte, so Maaß. Von der Tatwaffe, einem „handelsüblichen Kugelschreiber“, gehe zwar eine objektive Gefahr aus, jedoch war dem Mann die abstrakte Gefährlichkeit als „medizinischer Laie“ nicht bewusst gewesen. Der Anklagevertreter beantragte wegen einfacher, gefährlicher und schwerer Körperverletzung eine Haftstrafe von insgesamt sieben Jahren und einem Monat – und bezog sich dabei noch auf eine weitere mutmaßliche Tat des 36-Jährigen.

Weitere mutmaßliche Tat des Angeklagten

So soll der Mann bereits Anfang Dezember 2017 seine einstige Partnerin „äußerst brutal“ zusammengeschlagen haben. Damals, so der Vorwurf, zerrte der Angeklagte die Frau in ihrer Wohnung an den Haaren von Zimmer zu Zimmer, trat und schlug mit Holzlatten und einem Cocktailmixer auf sie ein. Letztlich würgte er sie laut Maaß bis zur Bewusstlosigkeit. Die Tortur soll mindestens 30 Minuten, womöglich sogar eine Stunde gedauert haben. „Äußerst brutal und eine Demütigung für die Geschädigte.“

Am Montag folgen die Plädoyers der Nebenklage und der Verteidigung. Wann das Urteil verkündet wird, steht noch nicht fest.

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