Radikalkur an der Strecke Bremen-Hamburg

Baumschnitt am Bahndamm: Das Ziel heißt Sturmsicherheit

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Das fällt ein Stück des Stamms in die Tiefe: Am Herzogenkamp in Horn sind Forstarbeiter damit beschäftigt, die Bäume an der Bahnstrecke radikal zu beschneiden.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Erst die Stürme, jetzt die Radikalkur. Nachdem auch in diesem Herbst Sturmschäden für etliche Beeinträchtigungen im Bahnverkehr gesorgt haben, will die Deutsche Bahn die Gefahr von Störungen durch extreme Wetterlagen nun minimieren.

Sie will „sturmsicherer“ werden, wie ein Sprecher es formuliert. Ein Beitrag dazu: Baumschnitt an der Bahnstrecke Bremen-Hamburg. Es ist ein ziemlich gründlicher Baumschnitt, der dieser Tage am Herzogenkamp in Horn begonnen hat und bis Ende Februar dauern soll. Bis zur Autobahn geht der präventive Kahlschlag – und etwa 240 Bäume sind auf dieser 1,8 Kilometer langen Strecke davon betroffen. 

„23 der Bäume kommen ganz weg“, so Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis am Freitag bei einem Ortstermin in Horn. Für jeden davon stifte die Bahn dem Bürgerpark einen neuen Baum. Denn diese 23 Bäume sind so groß, dass das Baumschutzgesetz Ersatz vorschreibt.

Neuer „Aktionsplan Vegetation“

Bei den etwa 220 übrigen Bäumen „bleiben die Wurzeln drin“. Meyer-Lovis: „Das Grün wächst dann nach.“ Der Radikalschnitt ist Teil des neuen „Aktionsplans Vegetation“ der Deutschen Bahn. Das nachwachsende Grün soll dann auf die Höhe der Oberkante der Lärmschutzwand begrenzt werden.

Baum für Baum gehen die Arbeiten voran. Das Holz wird noch am Einsatzort geschreddert.

Viele Bäume – das ist das Kernproblem – stehen zu nach an den Bahngleisen. Und damit zu nah an den Oberleitungen. Bei einem Sturm landet dann schnell mal so ein Ast auf der Oberleitung – und schon gibt es eine weitere Störung im Bahnverkehr. Der Kahlschlag von Horn soll nun auch dafür sorgen, dass in Sachen Oberleitung erst einmal für drei, vier Jahre Ruhe herrscht, heißt es.

Unter Naturschützern sind die Maßnahmen nicht unumstritten. Während die einen dafür plädieren, nur kranke Bäume zu beseitigen, haben andere mehr Verständnis für die Maßnahmen. Bahnfahren müsse zuverlässiger werden, um attraktiver zu sein, so die Argumentation.

Große Stürme führen zu Ausfällen und Verspätungen

Wie auch immer: „Die Vegetation muss stärker zurückgeschnitten werden als früher“, sagt Bahn-Sprecher Meyer-Lovis. Schon in dieser Herbst- und Wintersaison habe es drei große Stürme gegeben. „Im Herbst 2017 und Anfang des Jahres sorgten schwere Stürme für Zugausfälle oder Verspätungen sowie Schäden an Gleisen und Anlagen in Millionenhöhe. Es werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Beeinträchtigungen für Fahrgäste durch Bäume im Gleis zu reduzieren.“ 

Die Zunahme der extremen Wetterlagen dient der Bahn als Argument für den stärkeren Eingriff in die Vegetation. Die Maßnahmen seien mit den zuständigen Behörden abgestimmt worden, sagt Meyer-Lovis. Einen Monat hat es gedauert, bis alle Genehmigungen für die Arbeiten eingetroffen waren.

„Schwerpunkt der Durchforstung ist es, gezielt instabile Baumarten und Bäume mit kritischen Wuchsformen auch außerhalb der Sechs-Meter-Rückschnittszone zu entfernen, wenn sie für den Bahnbetrieb kritisch werden könnten“, heißt es bei der Deutschen Bahn. Der Sechs-Meter-Rückschnitt entlang der Gleise galt bislang als Standard. Nun geht es also auch darüber hinaus – „immer mit dem Ziel eines verlässlichen Bahnverkehrs“, wie es weiter hieß. Für „verstärkte Inspektionen“ will die Bahn bundesweit neue Mitarbeiter einstellen. Der „Aktionsplan Vegetation“ sei eine „Mammutaufgabe“.

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