Zeugen im „Ultra“-Prozess erscheinen nicht oder helfen kaum weiter / Widersprüche und Erinnerungslücken

Viel erzählen, nichts sagen

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Mediengruppe Kreiszeitung

Bremen - Von Steffen Koller. Widersprüche, Erinnerungslücken oder einfach wegbleiben: Was sich im Prozess gegen drei Werder-„Ultras“ unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung seit Wochen vor dem Landgericht Bremen abspielt, wird langsam zur Zerreißprobe für alle Beteiligten. Zeugen erscheinen nicht, können plötzlich nichts mehr zur Sache beitragen oder setzen sich ins Ausland ab.

„Da kann ich nichts zu sagen.“ Es ist genau diese Art von Zeugenaussage, die das Verfahren gegen Valentin S. (22), Georg S. (22) und Daniel M. (23) zur Zeit zu einem Prozess werden lässt, der bei vielen nur noch Kopfschütteln hervorruft. Die Zeugen, darunter auch Opfer von Prügelattacken, sind unter anderem nicht auffindbar – und werden es für das Gericht auch vorerst bleiben. So wie im Fall eines Mannes, der sowohl an einer Bushaltstelle geschlagen worden sein soll als auch im Viertel als wichtiger Zeuge für die Staatsanwaltschaft infrage kommt. Er hat sich nach Polen abgesetzt, ist zu Gesprächen nicht bereit. Der Kammer bleibt nichts anderes übrig, als nur seine polizeiliche Vernehmung zu verlesen.

Gestern dann der vorläufige Höhepunkt in einer Kette von fragwürdigen Zeugen. Zwei Männer betreten den Saal 218, sie waren schon vergangene Woche vorgeladen. Einer sagt, er habe seine Freundin zum Zahnarzt begleiten müssen und hätte deshalb nicht erscheinen können. 100 Euro Ordnungsgeld verhängt das Gericht gegen den Mann, der im Juli 2014 eine Schlägerei beobachtet hatte und sogar selbst attackiert worden sein soll. Zwei Flaschen Wodka habe er getrunken, erinnern kann er sich an kaum etwas. Der andere, ebenfalls ein Freund des Opfers, nimmt entscheidende Aussagen, die er bei der Polizei getätigt hatte, zurück. In regelmäßigen Abständen heißt es von ihm: „Da kann ich nichts zu sagen.“ Der Vorsitzende Richter Manfred Kelle nimmt es mit Galgenhumor. „Das steht heute ja zeugentechnisch unter keinem guten Stern“, merkt er an, nachdem ein weiterer Zeuge nicht erscheint. Sogar ein Polizist, der aussagen soll, ist nicht erreichbar. Anwalt Horst Wesemann resümiert, seinem Mandanten Valentin seien diese drei Taten nicht nachzuweisen, zu anderen Fällen wolle sich Valentin in den kommenden Tagen äußern.

Bei Daniel M., der in zwei Fällen angeklagt ist, könnte es nächste Woche bereits ein Urteil geben, sagt Richter Kelle. Nach dem Verlauf des Prozesses deutet vieles auf einen Freispruch hin.

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