Zeuge: „Chaotische Szenen“

Fortsetzung im Prozess um Messerstecherei

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Agron S. (links) und Ditron S. halten sich zu Prozessauftakt Mappen vor ihre Gesichter. Die Männer sind wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Weiter im Bild: Rechtsanwalt Erich Joester (hintere Reihe, links) und sein Kollege Stephan Weinert.

Bremen - Von Steffen Koller. Vor dem Landgericht Bremen müssen sich, wie berichtet, seit Montag drei Männer wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie sollen im Mai bei einer Messerstecherei im Einkaufszentrum „Waterfront“ einen heute 30-Jährigen schwer verletzt haben. Wie die Einsatzkräfte die Situation vor Ort erlebten, schilderten am Mittwoch zwei Polizeibeamte. Sie sprachen dabei von „teils chaotischen Szenen“. Auch zum möglichen Motiv für die Tat äußerten sich die Zeugen.

Äußerst entspannt wirken die Angeklagten, als sie von Justizbeamten in den Verhandlungssaal 218 geführt werden. Als den Brüdern Ditron S. (25) und Agron S. (27) die Handschellen abgenommen werden, schütteln sie mit einem Lächeln ihren Anwälten die Hand, setzen sich dann zu dem ebenfalls angeklagten Abdullah C. (26), der im Gegensatz zu ihnen nicht in Untersuchungshaft sitzt.

Während einer Verhandlungspause unterhalten sie sich angeregt, gestikulieren, lachen. Ihr Blick wandert durch den Raum, einer legt seinen Kopf für kurze Zeit auf die Anklagebank. Nach außen hin wirken die Angeklagten während der Zeugenaussagen eher desinteressiert. Dabei, so sieht es das Strafgesetzbuch vor, drohen den Männern bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

Kaffeebecher und Einkaufstüten auf dem Boden

Wesentlich konträrer zur augenscheinlich entspannten Stimmung der Angeklagten zeigte sich die Situation in den frühen Abendstunden des 20. Mai im Einkaufszentrum „Waterfront“. Als die Einsatzkräfte den Befehl „Person mit Schusswaffe und Messer“ erhielten, mussten sie vom Schlimmsten ausgehen, schildert ein Beamter (24) am Mittwoch vor Gericht. Rund 50 zum Teil für Amok- und Terrorlagen ausgebildete Polizisten, ausgerüstet mit Maschinenpistolen, rasten zur Shopping-Mall nach Gröpelingen.

Mehrere Mitarbeiter einzelner Geschäfte hatten sich da bereits in Hinterzimmern verschanzt, andere liefen fluchtartig und „ganz aufgelöst“ Richtung Ausgang. Kaffeebecher und Einkaufstüten wurden auf dem Boden zurückgelassen, andere Besucher wiederum filmten den Einsatz der Spezialkräfte, berichtet ein weiterer Beamter (36). Als „sehr eindrücklich“ bezeichnet der Zeuge das Geschehen.

Mögliches Motiv

In dieser „chaotischen Phase“ hätten sie auch das mutmaßliche Opfer in einem Lagerraum gefunden. „Blutüberströmt“ habe der Mann dort gelegen, er drückte sich mit einer Hand eine Stichwunde am Bauch ab – und fing kurze Zeit später an, „viele Infos preiszugeben“. So soll der 30-Jährige von einer Personengruppe mehrfach angesprochen und später mit einem Messer angegriffen worden sein.

Die Namen Agron und Ditron S. fielen, wobei er den 30-jährigen Ditron als denjenigen identifiziert haben soll, der zustach. Auch zum möglichen Motiv äußerte sich der Mann und sprach dabei von einem Gerichtsverfahren, zu dem er vorgeladen sei und bei dem es sich um den Diebstahl von Autoteilen handeln soll. Konkreter wurden seine Angaben diesbezüglich wohl nicht, heißt es vor Gericht.

Dies könnte sich bald ändern. Im Verfahren, für das weitere 16 Verhandlungstage angesetzt sind, soll am Freitag, 1. Dezember, das mutmaßliche Opfer vor Gericht aussagen.

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