Ausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit“ / Zeitzeuge berichtet in Schule

Zerbrochene Überzeugung

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Schulleiter Peter Hons (v.l.), Referendarin Gabriele Viedenz, Zeitzeuge Peter Drauschke und Ralf Altenhof von der Konrad-Adenauer-Stiftung vor den mobilen Stelltafeln.

Bremen - Von Rike Oehlerking. Voller Hoffnung auf ein besseres Leben, mit jugendlicher Zuversicht ausgestattet, verließ er 1963 die Bundesrepublik, um in der DDR seine politische Erfüllung zu finden – und wurde enttäuscht. Neun Jahre später nahm man ihn bei einem Fluchtversuch fest. Das System der DDR brach Peter Drauschke das Herz.

Wie waren die Fluchtmöglichkeiten über das Wasser? Waren nicht eher die ausführenden Menschen als der Kommunismus selbst das Übel? Fragen dieser Art stellten Schüler des Schulzentrums an der Grenzstraße in Walle am gestrigen Vormittag Peter Drauschke. Der Zeitzeuge war zur Eröffnung der Ausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit“ der Konrad-Adenauer-Stiftung eingeladen worden.

Lebendig berichtete er, wie er schon in jungen Jahren zum Kommunisten wurde. Geplagt durch die Nachkriegszeit, wuchs der Wunsch nach einem besseren System. Hoffnung fand der 1945 geborene Hamburger in den Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels. Die sozialistischen Theorien veranlassten ihn und einen Freund 1963 dazu, in die DDR zu gehen. „Schon am ersten Tag hätten wir bemerken müssen, dass hier etwas nicht stimmte“, erinnert sich der 68-Jährige. Hinter der Grenze ließ man die jungen Männer sieben Stunden ohne Wasser und Nahrung warten, bis sie einreisen durften. Anschließend machte der gelernte Textilfacharbeiter bei der Jugendorganisation FDJ Karriere. „Ich war damals vergiftet durch den Kommunismus“, sagt er heute. Doch das Marx’sche Zitat „Das Kriterium der Wahrheit ist die Praxis“ säte in ihm erste Zweifel. Schließlich bestand die Realität der DDR entgegen der idealistischen Vorstellungen aus Unterdrückung und Gewalt.

Im Sommer 1972 gelang ihm die Flucht. Allerdings nur bis Bulgarien, wo er festgenommen und in die DDR zurückgebracht wurde. Dort kam er ins Gefängnis, wurde aber aufgrund einer Amnestie frühzeitig entlassen und durfte schließlich 1973 zu seiner Familie in Hamburg aus der DDR ausreisen.

„Meine damalige Freundin musste drüben bleiben, wir haben uns erst 1990 wiedergesehen“, erinnert sich Peter Drauschke. Nicht nur diese Liebe zerbrach am System, sondern auch Drauschkes politische Überzeugung, die – wie er selbst sagt – einer Liebe glich. Immer wieder erzählt er seitdem von der Zeit, um seine Erfahrungen mit dem Regime zu verarbeiten. „Sonst wäre ich sicherlich auch persönlich daran kaputtgegangen“, betont er.

In der Aula des Schulzentrums zeigen seit gestern 20 Stelltafeln den Unterschied zwischen Idealisierung und Wirklichkeit der DDR auf. „Wir sind an die Schule herangetreten, weil es wichtig ist, dass junge Menschen von der DDR-Zeit erfahren“, sagte Ralf Altenhof von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bremen. Die Schüler waren äußerst interessiert und sprachen lange mit Drauschke. Die 19-jährige Melissa Calisir resümierte: „Das Thema ist sehr wichtig, weil es zeigt, wie sehr Ideologien beeinflussen können. Mir waren die Erzählungen heute eine Lehre darüber, dass ich mich nicht vergiften lasse.“

Die Ausstellung „DDR: Mythos und Wirklichkeit“ ist noch bis zum 15. November in der Aula des Schulzentrums Grenzstraße zu sehen. Schulexterne können sie sich nach Anmeldung in der Verwaltung täglich von 9 bis 14 Uhr anschauen.

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