Theaterschiff reißt mit „Wetten, dass?“ das Publikum von den Sitzen

Zeitreise auf Thommys Sofa

Plötzlich der Star: Aus Heiner ist Thommy (Markus Weise, 2.v.r.) geworden. Die anderen hofieren und verwöhnen ihn: Waldemar (Andreas Eckel, v. l.), Peter (Theodor Reichhardt), Babsi (Johanna Haas) und Anna (Corinna Buchholz). Foto: THEATERSCHIFF BREMEN

Bremen - Von Martin Kowalewski. Das Ensemble tanzt, dann fallen alle auf die Knie und führen ihre Hände wie zum Gebet über dem Kopf zusammen. Auf der Leinwand im Hintergrund erscheint Thomas Gottschalk. Die Premiere von „Wetten, dass? – Topf, die Watte quillt“, einer durchweg lustigen Hommage an die Fernsehshow „Wetten, dass“, riss das Publikum am Donnerstagabend auf dem Theaterschiff mit.

Einigkeit in der Verehrung: Da verwundert es nicht, dass Heiner (Markus Weise), eine Aushilfe bei der Showproduktion, ins Träumen kommt. Er ist Mädchen für alles und wird sehr unhöflich von Aufnahmeleiter Peter (Theodor Reichhardt) mit Handlangeraufgaben durch die Gegend gescheucht.

Eine träumerische Szenerie beginnt. Heiner singt „Dreams are my reality“, die Crew tanzt um ihn herum, er bekommt eine Perücke aufgesetzt, lockig wie bei Gottschalk. Er setzt sich in der Hektik kurz vor Showbeginn und schläft ein. Als er aufwacht, erkennt ihn keiner mehr. Er ist Thommy, bekommt Sekt und Pralinen überreicht. Plötzlich wird er von Kostümbildnerin Anna (Corinna Buchholz) hofiert, für die Heiner doch immer geschwärmt hatte.

Die Show beginnt. Entertainer Thommy guckt zunächst sehr schüchtern durch die Tür zur Bühne. Heiner wird zum coolen Entertainer und trifft Gottschalks markanten Plauderton authentisch. Doch da ist noch ein Problem: Die Stars und Wettgäste sind weg. Das Team muss einspringen. Das Stück entfaltet einen humorvollen Blick auf Stars der „Wetten, dass …“-Ära.

Anna kommt zum Beispiel als Cher. Ihr Auftritt mit „If I could turn back time“ ist mehr als körperbetont und sie nutzt das „Wetten, dass…“-Sofa für sehr einladende Posen. Der Gesichtsausdruck ist aufreizend und strahlt kühle Professionalität aus. Während des Interviews zieht sie gelegentlich ihr Gesicht mit der Hand zurecht. Corinna Buchholz, die ihr Debüt in ihrer Heimatstadt Bremen hat, zeigt in der Übertreibung, was an Cher witzig ist – ein echtes Original!

Wie bei der Fernsehshow gibt es auf dem Theaterschiff auch eine Saal- und eine Außenwette. Die Außenwette findet auf dem Deck des Theaterschiffs statt. Auf der Leinwand erscheint Udo Lindenberg, mit seiner vollen Coolness und überzeugender Stimme, gespielt von Markus Weise. Udo passt nur auf, während der Wettkandidat (Andreas Eckel) mit einem Strohhalm eine große Hüpfburg erfolgreich aufpustet. Weise schlüpft noch in eine dritte Rolle: Otto. Er kann alle Faxen des ostfriesischen Originals und erntet mit „Hänsel und Gretel“ Szenenapplaus und begeistertes Stampfen.

Andreas Eckel, bekannt durch Krimiserien im Fernsehen, spielt Waldemar, Kameramann seit den Anfangstagen, ein uriger älterer Herr, der bei erotischen Tanzszenen die Hände gefühlvoll vor seinem Bauch bewegt.

Die Wetten sind vielfältig. Anna und Maskenbildnerin Babsi (Johanna Haas), die auch eine solide Romina Power darstellt, kommen als schrilles Jung-DJ-Paar, um zu beweisen, dass das Publikum 999 Songs weitersingen kann. Ein Bagger wird auf Eier gestellt und ein Hund sucht Spielzeuge danach aus, wie sie heißen. Der Schwabe Andreas, gespielt von Babsi, versucht am Quietschen des Stiftes herauszuhören, wer unterschreibt. Heino unterschreibt mit einem kurzen, rauen Knarzen.

Am Ende steht der Saal. „Es war wunderbar“, sagt Marcus Meckes (51) aus Osterholz-Scharmbeck. „Es war eine Zeitreise in meine Kindheit.“ Er habe sich an viele Szenen erinnert und die Stars seien schon gut getroffen. Ebenfalls im Publikum ist Hildburg Weise (67), Mutter von Markus Weise. Sie sagt, ihr Sohn habe als Kind davon geträumt, die Moderation von Gottschalk zu übernehmen. Träume werden wahr.

Spielplan

„Wetten dass...?“ steht zunächst bis 8. Februar 2020 auf dem Spielplan des Theaterschiffs. Ab März ist das Stück dann in der Komödie Kassel zu sehen, die zum Theater-Imperium von Theaterschiff-Käpt’n Knut Schakinnis zählt. Karten für die Vorstellungen auf dem Theaterschiff an der Tiefer gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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