Ausstellung bis 19. August

Die Terrakotta-Armee erobert die Bremer Überseestadt

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Mit Streitwagen und Pferden: Terrakotta-Soldaten im BLG-Forum in der Überseestadt. Natürlich stehen die Figuren still. Für bewegungsähnliche Effekte sorgen die Licht-Spielereien der Ausstellungsmacher.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Die Terrakotta-Armee kommt aus 71640 Ludwigsburg. Dort jedenfalls sitzt die Firma, die ein Tourneeprojekt betreut, das jetzt nach Bremen kommt – eine Wanderausstellung über die Terrakotta-Armee.

Ab Freitag, 18. Mai, ist sie im BLG-Forum in der Überseestadt (Nähe Speicher XI) zu sehen. Und die Armee bleibt bis zum 19. August. Zuletzt war die Schau in Dresden gezeigt worden. Auf Tour ist sie schon seit 2002 – wobei sie sich stets verändert hat. 

Seit 2015 arbeitet die Kunsthistorikerin Jaana Klumpp für die Ausstellung, die den Untertitel „Das Vermächtnis des Ewigen Kaisers“ trägt. Sie ist gewissermaßen die Armeeführerin, die Terrakottafiguren hören auf ihr Kommando. Klumpp hat ein neues Konzept entwickelt, möchte kulturelles Wissen vermitteln und lässt aktuelle Forschungsergebnisse einfließen.

2.200 Jahre Reise in die Vergangenheit

Eine Zeitreise soll sie sein, diese Schau, die da in den vergangenen acht, neun Tagen im BLG-Forum aufgebaut worden ist. Es geht gut 2.200 Jahre in die Vergangenheit. Qin Shi Huang Di (259 bis 210 v. Chr.), Gründer der Qin-Dynastie sowie des chinesischen Kaiserreichs, wollte etwas Bleibendes mitnehmen in die Welt der Toten – seine Welt nämlich, nicht mehr und nicht weniger. Das Grab galt den Chinesen in jener Zeit als Wohnstätte der Seele.

Aus diesem Denken heraus entstand im Zentrum Chinas eine monumentale Grabanlage, an deren Bau – von 221 bis 210 v. Chr. – mehr als 700.000 Arbeiter mitgewirkt haben sollen. Zu dieser kaiserlichen Unterwelt gehören unter anderem Pferde aus Ton – und etwa 8.000 Soldatenfiguren, die Terrakotta-Armee eben. 

Grab so groß wie Manhattan

Mit einer Fläche von 56 Quadratkilometern ist die Grabanlage ungefähr so groß wie Manhattan. Dennoch war das „achte Weltwunder“ für lange Zeit praktisch in Vergessenheit geraten. Oder jedenfalls aus dem Fokus. Die Lage war bekannt. Der vollständige Inhalt nicht.

Bis 1974. Da wollten chinesische Bauern einen Brunnen bauen – und stießen bei ihren Bohrungen zufällig auf Tonfragmente. So kam die Terrakotta-Armee zum Vorschein. Seit 1987 steht die Mausoleumsanlage auf der Weltkulturerbeliste der Unesco.

Die Entdeckung gilt als größter archäologischer Fund des 20. Jahrhunderts. Bis heute ist allerdings erst ein Viertel davon ausgegraben worden; das eigentliche Grabmal wurde noch gar nicht geöffnet. 

Repliken statt Originale

Die Chinesen wollen sich Zeit lassen. Und dafür gibt es gute Gründe. So sind die Ton-Soldaten „kaputt, wenn sie gefunden werden“, sagt Kuratorin Klumpp. „80 bis 300 Einzelstücke. Es dauert etwa ein Jahr, sie zusammenzusetzen. Diese Originale sind viel zu fragil, um sie zu transportieren.“

Rekonstruktion eines chinesischen Brennofens, in dem die Figuren hergestellt wurden. - Foto: Kuzaj

Das sei der Grund, weshalb in der Ausstellung auch keine Originale zu sehen sind – sondern nur Kopien. Die Repliken, das betonen die Organisatoren, entstehen in Werkstätten an der Ausgrabungsstelle. „Von Hand und nach alten Brennmethoden“, so die Kuratorin.

150 Terrakotta-Krieger-Kopien sind im BLG-Forum zu sehen, hinzu kommen 100 weitere Repliken aus der kaiserlichen Grabwelt – Tierdarstellungen zum Beispiel. In zehn Räume ist die Ausstellung aufgeteilt, zur historisch-kulturellen Einführung gibt‘s ganz am Anfang einen Film. Im zentralen Raum mit einer Krieger-Massenszene setzen Lichteffekte farbige Reizpunkte.

Farbe blätterte schnell ab

Apropos Farbe. Die Krieger waren bunt in das kaiserliche Grab gekommen. Werden sie heute ausgegraben, bröselt die Farbe innerhalb weniger Minuten ab – eine chemische Reaktion des Lacks, der als Grundierung dient. Aspekte, über die die Ausstellung auch informiert. Und so lässt sie den Besucher nicht mit der Terrakotta-Faszination allein, sondern löst auch das Bildungsversprechen ein.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10 bis 18 Uhr (Kassenschluss: 17 Uhr). Erwachsene zahlen 15 Euro, Kinder neun Euro. Familienkarte: 40 Euro.

Der Weg zur Armee - die Anreise

In die Überseestadt zu kommen, das ist oft mit größeren (Verkehrs-) Problemen verbunden – Staus sorgen täglich für Ärger. Die Ausstellungsorganisatoren empfehlen Besuchern der Terrakotta-Armee, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. 

Zu erreichen ist die Ausstellung mit der BSAG-Buslinie 20 und mit der Straßenbahnlinie 3 – Zieleingabe in der VBN-„Fahrplaner-App“ ist für den Bus die Haltestelle „Speicher XI“ und für die Bahn die Station „Waller Ring“. Bahnfahrer müssen dann noch einen kleinen Fußmarsch auf sich nehmen. 

Bei Vorlage eines tagesaktuellen VBN-Tickets erhalten Besucher auf den Preis der Erwachsenen-Eintrittskarte zwei Euro und auf das Familienticket vier Euro Rabatt, so ein Sprecher des Verkehrsverbunds.

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