Udo Jürgens begeistert rund 8 000 Fans bei seinem Bremer Konzert / Aufmunternd und kritisch

Ein zeitloser Entertainer

Begeisterte seine Fans in Bremen: Udo Jürgens. ·

Bremen - Von Viviane Reineking - Liebesschwüre, ein gut aufgelegter Vollblutmusiker und ein fulminant aufspielendes Orchester begeisterten am Montagabend in der ÖVB-Arena (Stadthalle). Udo Jürgens besingt auf seiner Tour den „ganz normalen Wahnsinn“. Und der reicht von der unbekannten großen Liebe bis zu den „Superstars“.

Gerade setzt der 77-Jährige an, eine „Hymne auf die Liebe“ anzustimmen, da schallt es aus dem Publikum bestens hörbar durch die Arena: „Udo, ich liebe Dich!“ Jürgens, ganz charmanter Entertainer, ist nicht um eine passende Antwort verlegen: „Ich singe das hier für Dich, hörst du?“ Eine Halbzeit lang hielt es die Zuschauer auf den Plätzen, nach der Pause stürmten die – vorwiegend weiblichen Fans – vor die Bühne, um „ihrem“ Udo ganz nahe zu sein.

Doch zurück zum Konzertbeginn: Es geht etwas verhalten los. Der Österreicher selbst singt hinter dem samtigen Vorhang den Countdown. Es folgen Lieder vom aktuellen Album, überwiegend sind es Balladen. Dabei sind natürlich Liebeslieder („Dafür brauch ich Dich“ und „Die Frau, die ich nie traf“). Aber die zahlreichen Fans schätzen an Udo Jürgens eben auch Stücke mit ernstem Hintergrund. Texte, die Mut machen: „Zum Abheben braucht man Gegenwind“, weiß Jürgens. Und die Songs, die gesellschafts- und medienkritisch Klimawandel, Wirtschaftskrise und Vertrauensverlust („Der ganz normale Wahnsinn“) sowie hochaktuell den „gläsernen Menschen“ thematisieren („Du bist durchschaut“).

Wunderbar sein ironischer Hinweis in „Alles ist so easy“ auf die Anglizismen in der deutschen Sprache: „Wir plaudern nicht, wir chatten, wir fliegen nicht, wir jetten“ – und das kontrastreich kombiniert mit rhythmischen Südseeklängen. Jürgens singt auch über den Spagat zwischen Sehnsucht und Gewissen und philosophiert „Wer nicht verliert, hat den Sieg nicht verdient“. Auch alte Hits packt der Entertainer aus, stark verkürzt in Form von kurzweiligen Medleys, die die Halle zum Beben bringen. Einige der Zuschauer, ist zu hören, hätten sich hier etwas mehr erhofft. Auch wenn Jürgens von Beginn an ein wenig angeschlagen wirkt, mit kräftiger Stimme und unglaublicher Bühnenpräsenz zieht er die nach Angaben des Veranstalters rund 8 000 Zuschauer in der fast ausverkauften Arena mit. Dabei kann er sich auch auf seine beeindruckenden Bühnenpartner verlassen: das Pepe-Lienhard-Orchester, das Chor-Quartett „The Voices“, der Gitarrist Francis Coletta sowie eine russische Star-Geigerin.

Blumen, zahlreiche sich ihm entgegenstreckende Hände und Standing Ovations zeigen: Udo Jürgens ist schlichtweg zeitlos. Während ein Mittvierziger die alten Lieder besser, die neuen noch gewöhnungsbedürftig findet, lässt sich eine begeisterte Zuschauerin entlocken: „Dieser Mann müsste unsterblich sein!“

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