Zukünftige Nutzung ungewiss

„Zeitkapsel“ im Kleinod: Fockes Windkanal wird durch Stiftung gesichert

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Am Modell: Kai Steffen (v.l.) erläutert Georg Skalecki, Marco Fuchs, Jörn Burkert und Florian Klinkow, Leiter des Förderer-Services der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, den Aufbau von Henrich Fockes Windkanal.

Bremen - Ein Kleinod ist gerettet, ein technikgeschichtliches Denkmal, das den Original-Charme der 60er-Jahre versprüht – der Windkanal von Henrich Focke. Die in München lebende Tochter des Luftfahrtpioniers, Sigrid Hopf, hat den „einzigartigen Schatz“ an die im Sommer 2018 von ihr gegründete treuhänderische Stiftung „Focke Windkanal“ übertragen, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) verwaltet wird. „Das ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft“, sagte Mittwoch Professor Dr.  Georg Skalecki, Bremens oberster Denkmalschützer.

Die Treuhandstiftung hat die Immobilie übernommen. Und sie verfolgt das Ziel, das Fluglabor des genialen Tüftlers, das in einem Hofgebäude an der Emil-Waldmann-Straße untergebracht ist, zu restaurieren, zu erhalten und zu pflegen und somit dauerhaft zu sichern. Ein Förderer, der ungenannt bleiben möchte, hat 100.000  Euro Anfangskapital zur Verfügung gestellt. Die Treuhandstiftung ist als Aufbaustiftung konzipiert, ist also offen für weitere Zustiftungen. Die Wohnungsbaugesellschaft Brebau sowie die Luft- und Raumfahrtkonzerne Airbus und OHB, kleinere Player wie AES Aircraft und der Branchenverband Aviaspace haben bereits „nennenswerte Beiträge“ zugesagt.

„Das Labor ist etwas ganz Tolles“, sagt dazu OHB-Chef Marco Fuchs. „Das ist ein Kleinod und eine Zeitkapsel. Wir sind froh dabeizusein.“ Jörn Burkert, Geschäftsführer von AES Aircraft, ergänzt: „Das Modell des Windkanals steht für Ingenieurskunst.“

Umlaufwindkanal wurde 1960 errichtet

Bei dem Objekt handelt es sich um einen von Focke und seinen Söhnen um 1960 errichteten Umlaufwindkanal mit offener Messstrecke. Die technische Grundausstattung ist einfach und effektiv. Ein Elektromotor mit 14 Kilowatt Leistung sorgte für eine bis zu 70  Kilometer pro Stunde schnelle Windsimulation. Mechanische Küchenwaagen dienen zum Messen der wirkenden Kräfte, Ofenrohre steuern den Luftstrom und entsprechend angeordnete Gardinen entziehen ihm seine Verwirbelungen. Bis 1975 forschte Focke hier auf dem Feld der Aerodynamik.

1998 ist dann der Ingenieur Kai Steffen mehr oder weniger durch Zufall in einem schuppenähnlichen Gebäude in einem Hinterhof in Bahnhofsnähe auf die „authentische Hinterlassenschaft“ des Flugpioniers gestoßen. Das Gebäude war in einem katastrophalen Zustand, Gläsdächer kaputt und die Aufzeichnungen Fockes durchnässt und fast unbrauchbar.

Seit 2003 hat Steffen eine halbe Million Euro investiert

Steffen hat das Kleinod vor dem Verfall gerettet, einen Förderverein formiert, der finanzielle Mittel einwirbt und das reichlich heruntergekommene Objekt baulich und technisch aufwendig restauriert hat. 2003 schloss der Verein mit der Focke-Familie einen „vorläufiger Nutzungsvertrag“ bis 2025. Seither hat Steffen nach eigenen Angaben rund eine halbe Million Euro investiert. Geld gab es auch von verschiedenen Stiftungen.

2004 wurde Fockes Windkanal unter Denkmalschutz gestellt. Seit der offiziellen (Wieder-)-Eröffnung am 25.  Februar 2005 hat der Verein Windkanal und Fluglabor für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und außerdem Schülern, Studenten sowie Firmen, Stiftungen und Schiffbaubüros wissenschaftliche Versuche in dem Technikmuseum ermöglicht.

2012 kündigte Sigrid Hopf fristlos den Nutzungsvertrag. 2017 zog der Verein die Notbremse, schloss das Forschungslabor. Seither herrscht Windstille im Windkanal.

Im Windkanal: Olaf von Engeln simuliert aerodynamische Tests. 

Und eben dieser Zustand ist jetzt laut Skalecki nach vielen und langen Gesprächen und Verhandlungen mit der Focke-Erbin überwunden. Gesprächsbedarf besteht weiterhin – jetzt zwischen Denkmalschützern und dem Förderverein um Kai Steffen und seinem Vize Olaf von Engeln. Es geht darum, ein Konzept auf die Beine zu stellen und neue Grundlagen zu schaffen, die eine dauerhafte Öffnung des Technikmuseums vor allem für die Forschung und für die Wissenschaft garantieren.

Verein fühlt sich übergangen

Der Verein jedenfalls fühlt sich übergangen. „Das ist keine gute Grundlage für die Gespräche“, sagt Steffen. Landeskonservator Skalecki zeigt sich zuversichtlich: „Es wird eine einvernehmliche Lösung geben.“ Er ergänzt: „Wir müssen in die Zukunft denken.“

Und dafür seien weitere Zustifter jederzeit willkommen. Um laufende Kosten zu decken, werde ein Stiftungskapital von mindestens 500. 000 Euro benötigt, heißt es.

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