Zeit für Hund und Katz’

Tierheim Bremen verdoppelt in der Corona-Krise seine Vermittlungszahl

Ein Energiebündel, aber auch ganz schön verschmust: Bracke-Mischling „Romeo“ mit Tierpfleger Yannik Schäfer.
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Ein Energiebündel, aber auch ganz schön verschmust: Bracke-Mischling „Romeo“ mit Tierpfleger Yannik Schäfer.
  • Martin Kowalewski
    vonMartin Kowalewski
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Bremen – Drei Monate musste das Bremer Tierheim in Findorff wegen der Corona-Pandemie schließen. Seit einigen Tagen ist es wieder geöffnet, der Lockdown beendet. Unterm Strich brachte die Ausnahmesituation dem Tierheim auch Gutes: So wurden zwischen dem 1. März und dem 31. Mai 303 Tiere vermittelt werden – etwa doppelt so viele wie die 156 Vermittlungen im Vergleichszeitraum des Vorjahres, sagt Pressesprecherin Gaby Schwab.

Im Home-Office und ohne Urlaubsfahrt hätten die Interessenten viel Zeit gehabt, sich an ein neues Tier zu gewöhnen und die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, vermutet Schwab. Am häufigsten vermittelt wurden Katzen, gefolgt von Hunden und weiteren Kleintieren. Bei Exoten wie Bartagamen wirkte sich die ungewöhnliche Situation nicht aus. Es waren eher die kuscheligen Tiere gefragt. Corona hat es geschafft: Das Tierheim hat Platz wie sonst nie. Zur Zeit seien nur gut 300 Tiere da, so Schwab. „Sonst sind es zu dieser Zeit 500 bis 600 Tiere.“

Der Gang durch das Tierheim ist ungewohnt. Viele Zwinger sind leer. Nur 17 Hunde stehen zur Vermittlung – statt wie üblich 45 bis 50. Etwa 120 Katzen sind da, davon sind etwa 60 vermittelbar. Der Rest ist noch zu jung. Viele sehr junge Katzenmütter sind dabei, mit ihrem Nachwuchs, den sie teilweise im Alter von acht bis neun Monaten geboren haben. Angesichts der Kastrationspflicht wundert das Schwab. Dennoch: Die insgesamt gute Lage freut sie. Die Sprecherin wünscht sich für jedes Tier ein Zuhause. „Am schönsten wäre ein leeres Tierheim“, betont sie.

Terminabsprachen

Sehr gute Erfahrungen habe das Haus während der aufgezwungenen Schließzeit mit der Vermittlung nach Terminabsprachen gemacht. So erfolgte der Erstkontakt zwischen Tieren und Interessenten nicht im Trubel der Besuchszeiten und nicht auf den beiden Seiten der Zwingerabsperrung, was gelegentlich zu viel Gebell geführt habe. Etwa, wenn viele Menschen vor den Käfigen standen. Die Interessenten, die erst den Steckbrief der Tiere im Internet lasen, trafen in Ruhe auf die neuen potenziellen Mitbewohner.

Tierpfleger Yannik Schäfer (26), zuständig für die Hunde, beschreibt, wie dies idealerweise aussieht: „Es ist viel entspannter, wenn die Interessenten einen Termin mit der Hundetrainerin machen und diese und den Hund im Grünen treffen. Die Hunde benehmen sich da ganz anders.“ Schäfer und Schwab wünschen sich eine Fortsetzung der Telefonvermittlung und damit eben auch solcher Erstbegegnungen. Aktuell finden Telefonvermittlungen wegen reduzierter Öffnungszeiten statt.

Energiebündel „Romeo“

Schäfer spielt mit dem Bracken-Mischling „Romeo“, Jahrgang 2012 und seit einem Jahr im Tierheim. „Romeo“ ist ein echtes Energiebündel. Ein nicht ganz einfacher Hund, der seine Näpfe und auch Decken gerne mal verteidigt, aber auch eine sehr verschmuste Seite hat, wenn man ihn nicht unter Druck setzt, erzählt Tierpfleger Schäfer.

Corona brachte für die Hunde weitere Vorteile. „Wir haben das Hundetraining intensiviert“, sagt Schäfer. „Es wäre gut, wenn wir das beibehalten könnten. Man kann sich so intensiver mit den Problemen auseinandersetzen.“

Auch die Unterstützer des Tierheims haben mit vielen Kleinspenden in der Corona-Krise geholfen, denn mit den Veranstaltungen sind auch die Einnahmen weggefallen. So brachte sonst der Charity-Lauf im April 4000 bis 5000 Euro Einnahmen, sagt Schwab. Der „Tag der offenen Tür“ im Juni entfällt, soll aber nach Möglichkeit ab Herbst nachgeholt werden – eine Veranstaltung, die jeweils bis zu 3000 Besucher anlockt.

35 Mitarbeiter

Zur Zeit arbeiten 35 Angestellte im Tierheim. Wegen Corona sind von den 60 bis 70 Ehrenamtlichen nur etwa 20 als Gassigeher aktiv. Verzichtbares entfällt. Das Tierheim öffnet aktuell mittwochs von 16 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 10 bis 13 Uhr. Es ist telefonisch erreichbar unter 0421/351133 (montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 13 Uhr). Adresse: Hemmstraße 491.

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