Spezialtechnik und Personal aus Niedersachsen 

Zehn-Zentner-Bombe in Bremen mit Hochdruck entschärft

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Unterstützung aus Niedersachsen bekam die Bremer Polizei am Dienstag beim Entschärfen der fünften Bombe in der Überseestadt: Markus Gesk (Hannover, l.) und Andreas Rippert vor einem speziellen Wasserschneidegerät.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Wieder ist der Bereich der Überseestadt um die Baustelle „Löwenhof“ zur Geisterstadt geworden. Der Grund ist eine amerikanische Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Zum fünften Mal war Kampfmittelräumdienst der Polizei an der Baustelle. 

Diesmal wurde er von Kollegen aus Niedersachsen unterstützt. Ab 12 Uhr begannen am Dienstag 80 Minuten der Stille, eine lange Zeit, um eine Bombe unschädlich zu machen. Das schwierige Unterfangen gelang. 120 Polizeibeamte waren für die Absperrmaßnahmen im Einsatz.

Der Sprengkörper ist vorne und hinten mit Zündeinrichtungen versehen. Die Entschärfung ist in diesem Fall besonders schwierig, denn die Bombe ist stark deformiert. „Wir wissen nicht mal, ob vorne ein Zünder drinsteckt oder nur ein Ersatzstück“, sagt Sprengmeister Andreas Rippert, dessen Kollege Thomas Richter ebenfalls im Einsatz ist. Ersatzstücke, provisorischer als Zünder, können gefährlich werden, da sie mittels unterschiedlicher Übertragungsleitungen zur Explosion führen können. Vergleichsweise einfach zu entfernen sei ein Aufschlagszünder am Heck der Bombe. Der wird als erstes herausgenommen.

Vorne muss dann vorsichtig um die Zündeinheit herumgeschnitten werden. Dafür ist aus Hannover ein spezielles Wasserschneidegerät an den Fundort gebracht worden. „Wir brauchen das etwa einmal im Jahr. Wir können das nicht vorhalten. Nicht, weil es 300.000 Euro kostet, sondern weil man vier Personen als Personal dafür bereithalten muss. Diese sind nötig, um das Gerät zu bedienen“, sagt Rippert. Und so bekommt Bremen am Dienstag zudem personelle Unterstützung aus Niedersachsen.

Maschine arbeitet mit 680 bis 700 Bar

Darunter ist auch Markus Gesk vom niedersächsischen Kampfmittelräumdienst. „Wir brauchen dieses Gerät etwa fünfmal im Jahr. Es schneidet mit einem Gemisch aus Wasser und Sand mit einem Druck von 680 bis 700 Bar“, erklärt er. Ein Bar entspricht dem Druck einer Erdatmosphäre. „Die Maschine wird vor der Bombe aufgebaut. Wir bleiben dann während des Vorgangs 300 Meter entfernt“, sagt er. Das Team findet außerdem Schutz durch ein Gebäude und ein Dach. Die Arbeit der Maschine wird über einen Bildschirm gezeigt. Daneben steht ein Kästchen, die Steuereinheit. Mit einem Hebel lässt sich der Strahl steuern. Die Bombe liegt so, dass der Zündmechanismus einfach abfällt. Dieser entpuppt sich später als Ersatzstück.

Rippert vermutet, dass diese Bombe bei schweren Angriffen im August 1944 abgeworfen wurde. Von den fünf auf der Baustelle gefundenen Bomben seien zwei amerikanischer und drei britischer Herkunft. „Das zeigt schon, dass sie aus verschiedenen Angriffen stammen“, sagt Rippert.

Schon der fünfte Bombenfund an der Baustelle

Es ist bereits die fünfte Bombe, die bei den Arbeiten auf der Baustelle gefunden wurde. Die Baustelle liegt laut Rippert in einem Areal, das im Zweiten Weltkrieg ein lohnendes Zielgebiet war, ein Hafengebiet nahe der Innenstadt, den Weserbrücken und dem Weserbahnhof. Das Besondere an dem Fundort sei auch, dass die Bomben zusammen mit einer erheblichen Menge an Kriegsschutt unter die Erde kamen.

Ein Radius von 400 Metern rund um die Bombe wurde evakuiert. 1.500 Menschen mussten das Gebiet verlassen. Straßenbahnen mussten pausieren, der Zugverkehr nach Oldenburg wurde eingestellt. Die Stephanibrücke, die B 6 und ein Teil der Weser mussten gesperrt werden. Außerdem durften Flugzeuge den Gefahrenort nicht überfliegen.

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