Zehn Jahre Auswandererhaus / Wandel zum Migrationsmuseum

Bewegende Geschichte

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Der Speisesaal der 3. Klasse auf dem Ozeandampfer „Columbus“ 1929 – nachgebaut im Auswandererhaus in Bremerhaven. Das Museum wurde vor zehn Jahren eröffnet.

Bremerhaven - Von Elisabeth Gnuschke. Martha Hüner war 17 Jahre alt, als sie 1923 Bremerhaven verließ und nach New York auswanderte. Sie arbeitete als Kindermädchen, schickte Geld an ihre Familie in Deutschland. Später heiratete sie in den USA einen Bäcker. Es sind Geschichten wie diese – allesamt real –, die die Besucher des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven faszinieren. Jetzt feiert das Museum, das zu den besucherstärksten in Deutschland gehört, seinen zehnten Geburtstag.

Selbst nach mehreren Besuchen lassen diese echten Lebensgeschichten kaum jemanden kalt. Emotionalität gepaart mit Informationen, das ist es, womit das Museum auch zehn Jahre nach seiner Eröffnung bei den Besuchern punktet, sagt Direktorin Dr. Simone Eick.

Zwei Millionen Menschen (Stand Juni) haben seit Herbst 2005 das Auswandererhaus gesehen. Sie haben „ihren“ Auswanderer von der Kaje am Wasser (wo sich immer mal wieder ein Besucher bei einer der Figuren fürs Anstoßen entschuldigt, weil in der bewusst dunklen Halle Mensch und Puppe nicht immer gleich auseinanderzuhalten sind) aufs Schiff begleitet. Sieben Millionen Menschen sind einst wie Martha Hüner von Bremerhaven aus nach Amerika ausgebrochen.

Das Museum erzählt sehr anschaulich vieles aus 300 Jahren Aus- und Einwanderungsgeschichte. Dicht zusammengepfercht harrten die Menschen damals Wochen unter Deck mit wenig Essen aus, bis sie irgendwann in Ellis Island bei New York ankamen. Die engen Kajüten, die primitiven Waschgelegenheiten, die komfortable 1. Klasse, die Ankunft in den USA und natürlich die einzelnen Lebensläufe der Auswanderer – das alles berührt die Seele der Besucher. Außerdem bekommen sie eine Fülle von Informationen.

„Vor zehn Jahren haben wir mit dem Erlebnismuseum ein neues Konzept ausprobiert, mit Erfolg. Inzwischen hat sich das Haus nach seiner Erweiterung im Jahr 2012 vom Auswanderer- zum Migrationsmuseum gewandelt“, sagt Eick. Ebenfalls sehr persönlich wird seitdem die Geschichte von 15 Einwanderungsgruppen erzählt. Es geht ebenso um den türkischen Nachbarn wie den Italiener aus der Eisdiele nebenan.

236 000 Besucher kamen im ersten vollen Jahr ins Auswandererhaus. Inzwischen hat man sich bei 171 000 Menschen pro Jahr eingependelt, geplant wurde laut Eick mit 170 000. Die Erweiterung um das Thema Einwanderung habe dazu beigetragen, noch einmal eine andere Klientel, insbesondere Studenten, anzusprechen. Ohnehin werde das Thema Migration, wie man täglich in Deutschland sehen könne, immer wichtiger. Daher habe das Museum das Projekt „Forum Migration“ gestartet, das vom Kulturstaatsministerium mit 160 000 Euro unterstützt wird. Es geht um das Erlernen der Sprache, um den Umgang mit Diskriminierung – kurz, ums Miteinander in der Einwanderungsgesellschaft. Eick: „Beide Seiten brauchen Instrumente für den Umgang miteinander an die Hand. Das wollen wir erarbeiten.“ Gezeigt werden soll das Ergebnis ab Winter 2016/17 in einem Raum im Erweiterungsbau, „mit Blick auf den Hafen“, sagt die Direktorin.

Das Museum mit der 3 400 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche sieht Eick, deren Lieblingsort die „Galerie der sieben Millionen“ mit den vielen Schubladen ist, für die Zukunft gut aufgestellt. Dennoch müsse man den Besuchern immer wieder etwas Neues bieten. Dabei denkt Eick vor allem an Sonderausstellungen zu bestimmten Themen. Auch mancher Raum müsse verändert werden. Doch eine komplette Überarbeitung des Auswandererhauses hält sie nicht für notwendig. Eick: „Einiges ist einfach zeitlos, wie die Kaje oder die Galerie.“ Eigentümerin der Immobilie ist übrigens eine städtische Gesellschaft, Betreiberin die „Paysage House 1“.

Der zehnte Geburtstag des Auswandererhauses in Bremerhaven wird am Sonnabend, 8. August, ab 18 Uhr mit einen Fest unter dem Motto „Music & Stories“ begangen. Vier Bands, 20 Vorträge und ein Museumsbesuch werden den Besuchern zum Geburtstagspreis von 5,20 Euro geboten. Die Musik kommt aus Philadelphia, New Orleans, Buenos Aires, Istanbul und Berlin. Die Geschichten stammen aus der Sammlung des Museums. Sie

berichten von mutigen Lebenswegen. Von 18 bis 22 Uhr spielen die „New Orleans Feetwarmers“ Jazz der 20er Jahre im Museumsfoyer. Argentinische Klänge des Duos „Trovero“ erfüllen in der Zeit von 18.30 bis 20.30 Uhr die Dauerausstellung. Im New Yorker Bahnhof Grand Central Terminal (des Museums) spielt von 20 bis 22.30 Uhr der aus Philadelphia stammende und in Berlin lebende Posaunist Tony Hurdle mit seiner Band. Um 23 Uhr wird der New-York-Saal zum Club, wenn die in Berlin und Istanbul lebende DJane Ipek aufspielt. Museumsmitarbeiter erzählen von 18.30 bis 22.30 Uhr Geschichten von Aus- und Einwanderern. Tickets sind an der Museumskasse erhältlich. Eine Geburtstagsparty zum Thema „Amerika“ steigt von 14 bis 18 Uhr im Kindermuseum. Der Eintritt ist frei.

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