Zehn Jahre ambulante Kinderhospizarbeit

„Ein Draht nach draußen“

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Katja Hollwedel und Kilian aus Bremen sind ein eingespieltes Team. Die Kinderhospizbegleiterin ist eine von derzeit 56 Ehrenamtlichen beim ambulanten Kinderhospiz in Bremen.

Bremen - „Das Schönste ist, wenn ich merke, er hat Freude am Zusammensein“, sagt Jutta Hagedorn. Die 51-Jährige Bremerin begleitet seit fünf Jahren einen schwerkranken Jugendlichen. Max (Name geändert) hat eine Muskeldystrophie, verliert seit Jahren immer mehr an Kraft. Durch diesen Gen-Defekt saß er mit neun schon im Rollstuhl, nun liegt Max seit einem halben Jahr im Bett. Für Kinder und Jugendliche wie ihn engagiert sich der Verein Kinderhospiz „Löwenherz“ in Bremen seit zehn Jahren ambulant.

Vor wenigen Wochen ist Max 18 geworden, und Jutta Hagedorn hat mit ihm gefeiert. Luftschlagen, Kerzen, Konfetti, Kuchen. Alles ganz normal. „Nach dem Kaffeetrinken haben wir laut Musik gehört und richtig Party gemacht“, erzählt die Kinderhospizbegleiterin. Die Pflege und die ständige Sorge um seinen Gesundheitszustand seien eine große Belastung für die Angehörigen, sagt sie. Die vom Kinderhospizdienst geschulten Ehrenamtlichen entlasten deshalb die Familien. Sie spielen mit Geschwistern, unternehmen etwas mit den erkrankten Kindern und verschaffen den Eltern Zeit zum Durchatmen. Für die kranken Kinder seien sie „ein Draht nach außen“, sagt Hagedorn. Gerade in der Pubertät wollen viele Jugendliche nicht alles, was sie bewegt, mit ihren Eltern bereden.

Die derzeit 56 Ehrenamtlichen des ambulanten Dienstes mit Sitz an der Elsasser Straße in Bremen wurden in einer 120-stündigen Ausbildung auf ihre Arbeit vorbereitet. Für die Familien ist die Begleitung kostenlos. Der ambulante Dienst wird zu einem großen Teil aus Spenden finanziert. Nach Angaben von Leiterin Fanny Lanfermann werden jährlich etwa 40 Familien begleitet, 89 waren es in den vergangenen Jahren. Rund 40 000 Stunden haben Ehrenamtliche in den vergangenen zehn Jahren den Familien des ambulanten Hospizes geschenkt.

Toleranz statt Mitleid – ist den Angaben zufolge ein Kernpunkt in der Arbeit von ambulanten Kinderhospizbegleitern. Die Ehrenamtlichen lernen Wichtiges über verschiedene Krankheitsbilder, Reaktionen in Krisensituationen und die Auswirkungen von Dauerbelastungen auf Familien. Auch der Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod sowie Rituale verschiedener Religionen gehören zum Schulungsinhalt.

Da Familien mit unheilbar erkrankten Kindern nur für vier Wochen im Jahr ins stationäre Kinder- und Jugendhospiz nach Syke kommen können, entwickelte sich seit 2006 die ambulante Kinderhospizarbeit rasant, erzählt Koordinatorin Susanne Claus.

Anlässlich des zehnten Geburtstages der ambulanten Kinderhospizarbeit von „Löwenherz“ lädt der Bremer Verein zu vier Veranstaltungen ein: zu einer Performance von Trauerbegleiterin Chris Paul zusammen mit Clownin Aphrodite am 7. März, 19.30 Uhr, im Theater am Leibnizplatz, zu einem Sommerfest mit dem Blaumeier-Atelier am 11. Juni, 14 bis 18 Uhr, in der Marrin-Luther-Gemeinde, Neukirchstraße 86, zu einem Workshop am 6. August, 10 bis 16 Uhr, bei „Löwenherz“ in Syke, Plackenstraße 19, und einem Vortrag über „Humor in der Pflege und im Leben“ am 14. Oktober, 19 Uhr, ebenfalls in Syke.

Kontakt und weitere Informationen unter Telefon 0421/841 31 55.

gn/epd

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