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Zech-Pläne in der Bremer City rund ums Parkhaus Mitte scheitern

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Von: Thomas Kuzaj

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Das Schild der historischen Stadtwaage an der Langenstraße glänzt in der bremischen Sommersonne. Mit dem „Balge-Quartier“ – benannt nach dem früheren Nebenarm der Weser – will der Investor Christian Jacobs City und Fluss besser verbinden.
Das Schild der historischen Stadtwaage an der Langenstraße glänzt in der bremischen Sommersonne. Mit dem „Balge-Quartier“ – benannt nach dem früheren Nebenarm der Weser – will der Investor Christian Jacobs City und Fluss besser verbinden. © Kuzaj

Bremen – Von einem „Meilenstein“ für die Entwicklung der Bremer Innenstadt sprach Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) am Donnerstag im Johann-Jacobs-Haus. Dann unterzeichnete sie mit Investor Dr. Christian Jacobs einen Vertrag, der den städtebaulichen Rahmen für das 100-Millionen-Euro-Projekt „Balge-Quartier“ festlegt. Wenig später platzte eine sprichwörtliche Bombe: Die Zech-Pläne rund um das Parkhaus Mitte sind gescheitert.

In der City geht‘s voran, dieses positive Signal sollte von der vor Medienvertretern inszenierten Unterschriften-Zeremonie zum „Balge-Quartier“ ausgehen. Das Aus für die Zech-Pläne überdeckte dies anschließend. Will man es positiv wenden, lässt sich nur sagen: Wenigstens ist die (viele Entwicklungen lähmende) Zeit der Ungewissheit vorbei, was das Riesenprojekt des Unternehmers Kurt Zech angeht.

Vor Jahren hieß es, Zech wolle das Parkhaus Mitte abreißen und stattdessen eine „City-Galerie“ mit 21.000 Quadratmetern Fläche für Einzelhandel, Büros und Wohnungen errichten – und zwar unter Einbeziehung der beiden Kaufhaus-Gebäude Karstadt (gehört Zech) und ehemals Kaufhof (heute „Opti“ und „Saturn“; gehört nicht Zech, sondern der Frankfurter Immobiliengesellschaft DIC Asset AG). Das Projekt galt als Herzstück und Motor der Innenstadt-Entwicklung.

Bremer Senat strebt offenbar Rückabwicklung an: Kein Verkauf an Zech

Nach zwei Jahren Verhandlungszeit stimmte der Senat im April 2019 einem Verkauf des Parkhauses Mitte an Zech zu – für etwa 14 Millionen Euro und vor allem: ohne Ausschreibung. Dem Vernehmen nach war das so möglich, weil Zech den Eindruck vermittelt habe, er werde die Eigentümer des Kaufhof-Gebäudes von dem Projekt überzeugen können. Als Käufer sollte die Gustav-Zech-Stiftung auftreten. Bis heute aber ist sie nicht Eigentümerin des Parkhauses, es gibt nur den Vertrag. Wie nun aus zuverlässiger Quelle zu hören ist, soll sich der Senat in seiner Sitzung am Dienstag, 28. Juni, mit einer Rückabwicklung des Kaufvertrags beschäftigen. Bremen will die Fäden offenbar wieder komplett in die Hand nehmen.

Kompliziert war die Sache von Beginn an. Knackpunkt ist das ehemalige Kaufhof-Gebäude, das mit dem Parkhaus Mitte „verflochten“ ist – die Zufahrt zu den Parkplätzen auf dem Kaufhaus ist nur über das Parkhaus Mitte möglich. Wieder und wieder hieß es, Zech habe sich mit der DIC nicht über einen Preis für das Kaufhof-Gebäude einigen können. Zudem steht das Haus nicht leer, wie vielerorts vermutet worden war. Der Elektromarkt „Saturn“ ist nach dem Kaufhof-Auszug geblieben, das Möbelhaus „Opti Wohnwelt“ schloss im Herbst einen langfristigen Mietvertrag ab – „für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren mit Option zur Verlängerung“, so DIC damals. Durch die langfristige Vermietung – erkennbar keine Zwischennutzung – dürfte der Wert der Immobilie nicht gerade gesunken sein.

Das Parkhaus Mitte wird offenbar nicht mehr an Zech verkauft.
Das Parkhaus Mitte wird offenbar nicht mehr an Zech verkauft. © Kuzaj

Weit gesunken aber ist offenbar im Rathaus die Zuversicht, dass Zech das Dilemma noch auflösen kann – entweder durch eine Übernahme des Kaufhof-Gebäudes oder durch eine wie auch immer gestaltete Zusammenarbeit mit DIC. Im Februar gewährte Bremen Zech eine Fristverlängerung und erklärte zudem, ein Abriss des Kaufhof-Gebäudes sei nicht mehr „zwingend“. In dieser Woche soll es erneut Kontakte zwischen Zech und Senat gegeben haben. Dem Vernehmen nach sei die Zech-Seite dabei von der Vereinbarung abgerückt, für eine Beteiligung der DIC am weiteren Verfahren zum Parkhaus zu sorgen. Womöglich war dies dann der Auslöser dafür, sich nun mit einer Rückabwicklung des Kaufvertrags zu beschäftigen – kurzum: Bremen wird das Parkhaus Mitte nicht an Zech verkaufen.

Parkhaus Mitte soll weiterhin abgerissen werden

Eine offizielle Bestätigung dafür gab es am Donnerstag noch nicht; der Senat will sich erst am Dienstag äußern, heißt es. Auch Zech schwieg am Donnerstag. „Wir haben keine offizielle Nachricht und werden uns dementsprechend vorerst nicht dazu äußern“, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage. Als sicher gilt unterdessen, dass Bremen das Parkhaus Mitte nach wie vor abreißen will. Für eine Neuentwicklung des Areals müsste es eine neue Ausschreibung geben. Erhofft wird ein Impuls für die Bremer Innenstadt.

Ein Impuls, wie ihn auch das „Balge-Quartier“ gibt. Bis voraussichtlich Ende 2024 sind auf etwa 19 000 Quadratmetern Flächen für Einzelhandel, Arbeit, Bildung und Kultur geplant. Schwerpunkt: Gastronomie. Neben dem Johann-Jacobs-Haus und dem Jacobs-Hof bilden die Stadtwaage, der Neubau des „Essighauses“ an der Langenstraße und das Kontorhaus am Markt das Quartier, das die Innenstadt besser mit der Weser verbinden soll. Alle Gebäude werden durchquerbar sein und ebenerdig erschlossen – „demokratisiert“, so nennt es Christian Jacobs.

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