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Zaun statt Gitter: Auffrischungsarbeiten am Bremer Roland

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Von: Thomas Kuzaj

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Ein Bauzaun umgibt den Bremer Roland gegenwärtig – das schmückende Gitter, das ihn normalerweise umgibt, ist beim Maler in der Werkstatt.
Ein Bauzaun umgibt den Bremer Roland gegenwärtig – das schmückende Gitter, das ihn normalerweise umgibt, ist beim Maler in der Werkstatt. © Kuzaj

Bremen – Nanu, was ist denn da am Roland los? Bremens bürgerliches Freiheitssymbol, Wahrzeichen und Weltkulturerbe steht hinter einem Baustellenzaun. Anpassung an das Erscheinungsbild weiter Teile der Bremer Innenstadt? Nein, bloß eine Vorsichtsmaßnahme. Denn das Gitter, das den Roland üblicherweise umrahmt, wird gegenwärtig neu gestrichen.

Und dazu mussten die Gitterelemente demontiert werden, wie ein Sprecher der Senatskanzlei im Rathaus (das gemeinsam mit dem Roland auf der Welterbeliste steht) erklärt. „Lediglich die Zaunpfosten werden vor Ort gestrichen, da sie fest im Denkmal verankert sind.“ Damit das Standbild nun aber nicht unten herum quasi „nackt“ und schutzlos dasteht, wurde der Zaun aufgestellt. Bis etwa Mitte März dürfte das auch noch so bleiben.

Das Roland-Gitter bekommt nach fast 40 Jahren erstmals einen frischen Anstrich. Bevor es aufgestellt worden war, hatte der Roland tatsächlich für einige Jahrzehnte schutzlos auf dem Marktplatz gestanden! Das so schützende wie schmückende Gitter, es war vor wenigen Jahrzehnten nicht immer selbstverständlich.

Lilien und Speerspitzen für den Ritter Roland

Vor wenigen Jahrhunderten schon. Ein schmiedeeisernes, mit Lilien und Speerspitzen verziertes Gitter umgab den Bremer Roland einst. Es stammte aus der Zeit um 1800. Doch als der Roland im September 1939 aus Luftschutzgründen zunächst eine mit Sand gefüllte Holzverschalung bekam, die wenig später durch einen gemauerten Splitterschutz ersetzt wurde, da wurde das historische Gitter abgebaut.

Nach dem Krieg, als Bremens Freiheitssymbol tatsächlich wieder frei auf dem Marktplatz stand, wurde das Gitter nicht ersetzt. Es galt als verschollen. Die spitzen Knie des Ritters Roland, sie lagen nun frei. Bis 1983/84 eine gründliche Roland-Restaurierung folgte. Da waren die Bremer schon so vorsichtig mit ihrem Roland geworden, dass sie ihm den Kopf abnahmen, um ihn vor Wind, Wetter und weiteren Umwelteinflüssen zu schützen. Der Originalkopf des Rolands steht seither im Focke-Museum in Schwachhausen. Auf dem Marktplatz blickt der Roland mit einer Kopf-Kopie in Richtung Dom.

Bremer Roland: Größte freistehende Statue des deutschen Mittelalters

Im Zuge der Arbeiten von 1983/84 hatte der Ritter der bremischen Freiheit sein Schutzgitter zurückbekommen, sorgsam rekonstruiert nach dem Vorbild des Zauns aus der Zeit um 1800. Und eben dieses Gitter wird dieser Tage aufgefrischt. Finanziert wird die Maßnahme aus Spenden, die Rathaus-Besucher in eine Sammeltruhe geworfen haben.

Der im Jahr 1404 errichtete steinerne Roland gilt als eine der ältesten und repräsentativsten Rolandstatuen – Statuen, die einst als Symbol (bürgerlicher) Freiheit und Marktrechte auf Marktplätzen in Mitteleuropa errichtet wurden, und zwar unter Bezug auf eine historische Persönlichkeit, einen Paladin (Begleiter) von Kaiser Karl dem Großen, wie es in der Senatskanzlei heißt. Und: „Der Roland in Bremen soll deutlich machen: Der Kaiser ist Gründer der Stadt, er hat ihr Rechte und Privilegien verliehen.“ Bremens Roland, die größte freistehende Statue des deutschen Mittelalters, ist 5,55 Meter hoch; die Säule vom Sockel bis zum Baldachin misst 10,21 Meter. Bald wird der Ritter wieder von seinem schmückenden Gitter umgeben sein – und nicht bloß von einem Bauzaun.

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