HKK legt Studie zur kieferorthopädischen Versorgung in der Metropolregion vor

Zahnspange: Schick und teuer

Dr. Bernard Braun vom Bremer Institut für Arbeits- und Gesundheitsforschung (BIAG) und Sabine Offermann, bei der HKK für kieferorthopädische Leistungen zuständig. ·
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Dr. Bernard Braun vom Bremer Institut für Arbeits- und Gesundheitsforschung (BIAG) und Sabine Offermann, bei der HKK für kieferorthopädische Leistungen zuständig. ·

Bremen - Von Thomas KuzajZahnspange oder nicht? Kieferorthopädische Behandlungen von Kindern und Jugendlichen sind weit verbreitet, oft teuer und so manches Mal umstritten, was ihren medizinischen Sinn angeht. Die Bremer Handelskrankenkasse (HKK) legte gestern erstmals eine Studie vor, in der es um die kieferorthopädische Versorgung in der Metropolregion geht – aus Sicht der Patienten.

Im Jahr 2011 hat die HKK 1 309 Versicherte (und deren Eltern) angeschrieben, die ihre kieferorthopädische Behandlung 2010 abgeschlossen hatten. 435 Fragebögen kamen zurück, was einer Quote von 33,2 Prozent entspricht. „Für so eine Befragung relativ hoch“, sagt Dr. Bernard Braun vom Bremer Institut für Arbeits- und Gesundheitsforschung (BIAG), Autor der Untersuchung, die Teil der „HKK-Versorgungsforschung“ ist. „Repräsentativ für die Verhältnisse in Bremen und umzu.“ Gibt es eine Überversorgung? Leistungen, die gesundheitlich nicht nötig wären? Diese Fragen standen für Braun – neben anderen – im Fokus. Dass verschiedene Fehlstellungen von Kiefer und Zähnen schon im Kinder- und Jugendalter behandelt werden müssen, ist unbestritten.

Doch: 42,8 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten vor Behandlungsbeginn keine Beschwerden gehabt. 30,1 Prozent wollten „einfach besser aussehen“. Bisweilen gilt es in Cliquen und Klassen als schick, eine Zahnspange zu tragen – je aufwendiger, desto cooler. Laut Gesetz dürfen Krankenkassen eine kieferorthopädische Behandlung nur dann übernehmen, wenn das gesundheitlich notwendig ist. Die HKK weist aber in diesem Zusammenhang auch auf ein Argument des Kieferorthopäden Dr. Knut Thedens hin, Fachreferent der Kassenzahnärztlichen Vereinigung in Bremen. Er sagt, dass die Behandlungen oft präventive Therapien zur Vermeidung späterer Störungen sind. „Die Ästhetik ist lediglich ein Nebenprodukt dessen, was wir tun.“

Braun: „Zahnärzte und Kieferorthopäden sind es, die mehrheitlich eine Behandlung auslösen.“ 89,7 Prozent der befragten Eltern hätten gesagt: „Der Zahnarzt hielt es für notwendig.“ 44 Prozent der Befragten in Brauns Studie waren mit ihrer Behandlung sehr zufrieden, weitere 42 Prozent waren zufrieden.

Kieferorthopädische Behandlungen kosten viel Geld. Betroffene Familien können sich zumeist auf Zusatzkosten einstellen. Die Hälfte der befragten Eltern gab an, für Zusatzleistungen bis zu 500 Euro ausgegeben zu haben. 32 Prozent zahlten 500 bis 1 000 Euro. 15 Prozent 1 000 bis 2 000 Euro. Keine Frage – hilfreich wären Untersuchungen nicht allein aus Patientenperspektive, sondern aus medizinischer Sicht. Gibt es bloß nicht. „Forschung über den Nutzen kieferorthopädischer Behandlungen wäre notwendig“, sagt Bernard Braun denn auch. Das gelte auch für mögliche Spätfolgen: „Wir brauchen gesicherte Kriterien – wie hoch ist das Risiko, wenn ich jetzt nichts mache?“

Damit Patienten etwa bei der Entscheidung über Zusatzleistungen nicht allein auf eine Informationsquelle – den Arzt – angewiesen sind, will die HKK im ersten Halbjahr 2013 ein interaktives Beratungssystem auf ihrer Internetseite einrichten.

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