Landgericht Bremen kommt bei Aufklärung nur schleppend voran

Mordprozess: Zähe Suche nach Beweisen

Magere Beweislage: Im Verfahren gegen einen 24-Jährigen (r.) kann die Kammer des Bremer Landgerichts kaum auf Zeugenaussagen bauen.
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Magere Beweislage: Im Verfahren gegen einen 24-Jährigen (r.) kann die Kammer des Bremer Landgerichts kaum auf Zeugenaussagen bauen.

Bremen – Stück für Stück rekonstruiert das Bremer Landgericht den Fall einer 25-Jährigen, die von ihrem eigenen Mann mit 14 Messerstichen ermordet worden sein soll. Doch bei der Aufklärung des Falls kann die Kammer kaum auf Zeugenaussagen bauen – es gibt schlicht niemanden, der außer der Getöteten und dem Angeklagten im Oktober 2020 in der gemeinsamen Wohnung anwesend war. Diese Hürde wurde auch am Dienstag wieder deutlich.

Drei Zeugen hatte das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Björn Kemper geladen, ein Mann wurde nach der Aussage einer Feuerwehrfrau (36) gleich wieder ausgeladen. Zu wenige Erkenntnisse erwartete sich das Gericht von seinem Bericht.

Und auch die Ausführungen der Oberbrandmeisterin und ihres Kollegen (32) brachten kaum neue Informationen in diesen bislang recht undurchsichtigen Fall. Beide waren nach eigener Aussage am Tattag, dem 27. Oktober vergangenen Jahres, zur Wohnung des Paares nach Bremen-Nord gerufen worden. „Gewaltbereiter Täter“ lautete der Einsatzbefehl. Zusammen mit einem Notarzt fanden die Einsatzkräfte eine Frau in der Wohnung vor, die bereits „deutliche Todesanzeichen“ aufgewiesen habe.

Die Leichenstarre hatte bereits eingesetzt, ein standardmäßig durchgeführtes Elektrokardiogramm (EKG) wies auf nicht mehr vorhandene Herzaktivitäten hin.

Mordprozess: Ehefrau mit 14 Messerstichen getötet?

Während der Angeklagte in einer ersten Aussage bei der Polizei von einem Stich gesprochen hatte, geht Oberstaatsanwältin Nadine Hartmann von 14 Stichen aus, die der Mann der 25-Jährigen zugefügt haben soll. Von hinten habe der Angeklagte in Hals, Nacken und Rücken gestochen, die Frau verblutete kurz darauf.

Vermutlich war die durch die Ehefrau angedrohte Trennung Grund für die Attacke, die Hartmann als heimtückischen Mord wertet. Beweissicher konnte dies bislang nicht nachgewiesen werden – es fehlen Zeugen. Und auch der Angeklagte kann bislang kaum zur Aufklärung beitragen.

Wie bereits bei vergangenen Verhandlungstagen wirkte der 24-Jährige äußerst apathisch, blickte immer wieder mit aufgerissenen Augen um sich, weinte und zitterte stark. Ansprachen seines Verteidigers, Rechtsanwalt Thomas Holle, nahm der Mann augenscheinlich kaum wahr, so dass Holle – wiederholt – um Unterbrechung bat. „Mein Mandant hat keine Kraft mehr“, sagte Anwalt Holle. Eine seit kurzem medikamentöse Einstellung des Angeklagten hat demnach wohl nur bedingt Erfolg, wie der Verhandlungstag am Dienstag zeigte. Womöglich war der schlechte Zustand des Mannes auch darauf zurückzuführen, dass er seine Medikamente zu spät bekommen hatte. Der für 10.30 Uhr vorgesehene Beginn musste um eine Stunde verschoben werden. Man hatte schlicht vergessen, dem Mann seine Tabletten zu geben.

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