Bürgerpark verliert bei Sturm 100 Bäume

Bremer Bürgerpark: „Xavier“ macht Kleinholz 

+
Einen Baum hat Sturm „Xavier“ ausgerissen, drei Bäume sind hinüber: Bürgerparkdirektor Tim Großmann mustert die Wurzel einer riesigen Eiche. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein umgestürzter Baum, drei Treffer. Eine riesige Eiche unweit der Parkallee hat der Sturm „Xavier“ vor einer Woche einfach aus dem Boden gerissen. Die gewaltige Wurzel liegt am Wegesrand. Der Baum ist bereits zersägt. Die Reste liegen auf der anderen Seite. Eine mittelgroße Eiche dahinter ist durch den fallenden Baum so schwer beschädigt worden, dass sie gefällt werden muss. Einer dritten Eiche hat es die Krone zerschlagen. Auch sie ist nicht zu retten.

100 Bäume sind dem Sturmtief „Xavier“ im Bürgerpark zum Opfer gefallen. 60 kippten um, 40 wurden so schwer beschädigt, dass sie gefällt werden müssen. Immerhin ist der Park seit Dienstag wieder begehbar.

Etwas entfernt zerlegen vier Männer eine Buche, die nach dem Sturm lose über dem Gehweg hing. Das Holz wandert in einen Häcksler. Wo man hinguckt – Sturmschäden. Nur wenige Stellen sind unbeschädigt. An anderen Stellen haben die Windböen richtig Kleinholz gemacht. Traurig ist ebenfalls das Schicksal einer riesigen Eiche nahe dem Torfhafen. Den 150 Jahre alte Baum aus dem Erstbewuchs brach „Xavier“ einfach ab.

Schaden von mehr als 100.000 Euro

Der Schaden belaufe sich auf 100.000 bis 150.000 Euro. „Wir müssen gucken, wer die Kosten übernimmt. An dieser Stelle bitten wir die Freunde des Parks natürlich auch um Spenden“, sagt Großmann. Der Verkauf des Holzes wird nicht viel einbringen. Es ist zersplittert und für die Möbelindustrie unbrauchbar. Darum wird es als Brennholz enden.

Die Arbeiter im Bürgerpark räumen auf und stellen andere Aufgaben zurück. Fremdfirmen müssen helfen. „Wir haben einen Hubsteiger kommen lassen, um lockere Äste aus den Baumkronen zu holen“, berichtet Großmann. Das ist teuer. 15 bis 20 Leute sind immer im Einsatz. Erst in sechs bis acht Wochen wird der Park ganz aufgeräumt sein.

„Schlimmster Sturm seit 20 bis 30 Jahren“

„So etwas wie den Sturm ,Sebastian‘ vor drei Wochen planen wir einmal im Jahr ein. Aber ,Xavier‘ war der schlimmste Sturm, den wir seit 20 bis 30 Jahren hatten“, sagt Bürgerparkdirektor Tim Großmann. Immerhin wurden keine Menschen verletzt, obwohl schon Stunden nach dem Sturm wieder Schaulustige in den Park kamen und trotz Warnung gefährliche Bereiche betraten.

Die Tiere und Gehege hatten Glück. Es fiel auch kein Baum ins Wasser. Das war bei „Sebastian“ anders. „Da ist ein Baum im Wasser gelandet. Wir mussten einen Autokran kommen lassen“, erzählt Großmann. Allerdings hat „Xavier“ an einem Betriebsgebäude einen Dachschaden angerichtet. Zunächst waren nach „Xaviers“ Besuch zahlreiche Wege in Bremens grüner Lunge durch umgekippte Bäume blockiert. „Es dauerte bis Freitagvormittag, bis wir wieder in alle Bereiche des Parks gehen konnten“, sagt Großmann. Einige Baumbereiche bleiben weiter abgesperrt. Sie sind gefährlich. „Wir kennen den Park genau und wissen, wo was zu tun ist. Wir haben aber eine Karte mit kritischen Schäden jenseits der Wege angelegt, die sonst vergessen werden könnten“, sagt Großmann.

Keine Sicherheitsmaßnahmen ableitbar 

Leider, so der Direktor, ließen sich aus den Erfahrungen mit „Xavier“ keine Sicherheitsmaßnahmen für die Zukunft ableiten. „Man kann da nicht viel tun. Es war nicht eine Baumart besonders betroffen, auf die man zukünftig verzichten könnte. Man kann die Bäume auch nicht so aufstellen, dass sie einen derartigen Sturm besser überstehen würden“, sagt Großmann.

Noch schwerer getroffen wurde der Bürgerpark am 13. November 1972. An diesem Tag fegte der Orkan „Quimburga“ über Bremen hinweg. Erstmals seit der Sturmflut von 1962 wurde in Bremen Katastrophenalarm ausgelöst. Der Bürgerpark verlor 1 000 Bäume. Im Land Bremen tötete „Quimburga“ sechs Menschen.

Wasserläufe und Seen

Als eine der wenigen fast vollständig erhaltenen gartenkünstlerischen Schöpfungen des 19. Jahrhunderts zählt der Bürgerpark zu den bedeutendsten Landschaftsparks in Deutschland. Seit seiner Entstehung im Jahr 1866 wird der Bremer Bürgerpark fast ausschließlich privat finanziert.

Mit der Gründung des „Comités für die Bewaldung der Bürgerweide“ begann 1865 die Geschichte des Bremer Bürgerparks. 1866 wurden dem „Comité“ 76 Hektar zugewiesen, sechs Jahre später weitere 60 Hektar. Zusammen mit dem Stadtwald hat „Bremens grüne Lunge“ nun eine Größe von 202 Hektar. 1872 ging aus dem „Comité“ der Bürgerparkverein hervor.

Das Park Hotel in der Grünanlage entstand zwischen 1953 und 1956. Zweck des Bürgerparks ist es, den Stadtbewohnern einen Ort der Ruhe und Begegnung zu bieten. Der Park ist mit Wasserläufen und kleinen Seen durchzogen, die den Wald auflockern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Weniger Senioren und mehr Suiten: Flusskreuzfahrten-Trends

Weniger Senioren und mehr Suiten: Flusskreuzfahrten-Trends

Klappe zu, Hardtop tot: Cabrios setzen wieder aufs Stoffdach

Klappe zu, Hardtop tot: Cabrios setzen wieder aufs Stoffdach

Blubbernd und alkoholfrei: Kombucha selber machen

Blubbernd und alkoholfrei: Kombucha selber machen

Das sind die Luxus-Karren der Stars

Das sind die Luxus-Karren der Stars

Meistgelesene Artikel

Träume werden wahr – Weserhäuser in der Überseestadt

Träume werden wahr – Weserhäuser in der Überseestadt

Zusätzliche Busse und Bahnen fahren für Freimarktbesucher

Zusätzliche Busse und Bahnen fahren für Freimarktbesucher

Polizei mit großem Aufgebot auf dem Freimarkt-Gelände

Polizei mit großem Aufgebot auf dem Freimarkt-Gelände

Schwarzfahrer festgenommen: Fahrten im Wert von mehr als 5.000 Euro erschlichen

Schwarzfahrer festgenommen: Fahrten im Wert von mehr als 5.000 Euro erschlichen

Kommentare