„Er wusste genau, was er tat“

Mordprozess: Zeuge belastet 36-jährigen Angeklagten schwer

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Der 36-jährige Angeklagte (Mitte) bestreitet, seine Ehefrau umgebracht zu haben. Die Staatsanwaltschaft hingegen ist sich sicher, dass der Mann die 22-Jährige mit 23 Messerstichen umgebracht hat – vor den Augen der drei gemeinsamen Kinder. 

Bremen - Von Steffen Koller. „Ich habe sie getötet, diese dreckige Hündin“: Im Prozess gegen einen 36-Jährigen, dem die Staatsanwaltschaft Mord an seiner Ehefrau zur Last legt, kamen am Mittwoch vor dem Landgericht Bremen weitere Details ans Licht.

Besonders die Aussage eines Nachbarn belastet den Angeklagten schwer. Der 36-jährige Syrer bestreitet, seine 22-jährige Frau in der gemeinsamen Wohnung in Bremerhaven mit 23 Messerstichen getötet zu haben.

Ein paar nette Worte bei der Begrüßung, ein „Hallo“ an der Haustür – zwar habe der 18-jährige Zeuge, der etwa zweieinhalb Monate eine Etage über der Familie wohnte, wenig Kontakt zu dieser gehabt, gegrüßt habe man sich dennoch. Als „sehr ruhig“ beschreibt er das Leben des Angeklagten, der Ehefrau und drei gemeinsamen Kinder am Mittwoch vor der Großen Strafkammer 22. Dieses Bild änderte sich am 13. Oktober 2016 schlagartig, wie er aussagt.

Als der Schüler gegen kurz nach 19 Uhr laute Schreie aus der Wohnung an der Heinrichstraße hörte, ging er nach unten und klopfte an der Tür. Kurze Zeit später soll die 22-Jährige blutüberströmt geöffnet haben, „dann fiel sie auf den Boden und war tot“, schildert der Zeuge das Geschehen, für das sich der Angeklagte seit April wegen Mordes verantworten muss.

Motiv: Eifersucht

Geht es nach Staatsanwalt Oliver Constien, hat der Mann aus Eifersucht 23-mal auf seine 22 Jahre alte Ehefrau eingestochen. Die junge Frau soll kurz vor ihrem Tod einen neuen Lebenspartner kennengerlernt haben, die gemeinsame Hochzeit stand im Raum. Und die Aussagen des Zeugen stützen diese Theorie womöglich. Als er den Angeklagten noch an der Haustür fragte, was dieser getan habe, soll der 36-Jährige geantwortet haben: „Ich habe sie getötet, diese dreckige Hündin.“ Als Grund soll er angegeben haben, er habe „seine Ehre“ wiederherstellen wollen, erinnert sich der Zeuge.

Wie der Angeklagte dabei gewirkt habe, will Vorsitzender Richter Helmut Kellermann wissen – und der Zeuge antwortet: „Es hatte den Eindruck, er freue sich.“ Ob er seelisch krank gewirkt habe, präzisiert der Richter seine Frage. Der Zeuge daraufhin: „Er wusste genau, was er tat.“

Die Frage nach dem Gesundheitszustand

Deutete das Gericht bereits zu Prozessauftakt an, von der Täterschaft des Angeklagten auszugehen und es vielmehr darum gehe, das Motiv zu klären, stellt sich mittlerweile auch die Frage nach dem gesundheitlichen Zustand des Angeklagten. So will sich der 36-Jährige bis heute nur an einen Streit mit seiner Ehefrau und „Blut, viel Blut“ erinnern. Dass die gemeinsamen Kinder womöglich alles mit ansehen mussten und er kurz nach der Tat seinem Bruder eine „Whats-App“-Nachricht schickte, in der er indirekt einräumte, seine Frau getötet zu haben, will er genauso vergessen haben, wie ein Treffen mit einem Dolmetscher.

Der 47-Jährige, der vor Gericht als Zeuge aussagt, wurde kurz nach der Messerattacke zur Polizei bestellt. Dort sollte er für den Angeklagten übersetzen, doch dazu kam es nicht.

Noch auf dem Weg zur polizeilichen Vernehmung soll der 36-Jährige von Krämpfen geschüttelt zu Boden gegangen sein, er habe mehrfach seinen Kopf auf den Boden geschlagen und versucht, sich Haare auszureißen. „Ein wahrer Vulkanausbruch. Ein Kraftakt“, beschreibt es der Zeuge.

Für den Angeklagten scheint das alles skurril zu klingen. Verwundert sagt er nach der Aussage des Mannes: „Den kenne ich nicht. Noch nie gesehen.“

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