42-Jähriger wegen Tötung der Lebensgefährtin vor Gericht / Geständnis und Erinnerungslücken

„Er wusste genau, was er getan hat“

Bremen - Von Judith Christiansen · Wegen Totschlags an seiner Lebensgefährtin steht ein 42-jähriger Bremer seit gestern vor dem Bremer Landgericht. Der Mann gesteht die Tat, behauptet aber, sich an den Tatverlauf nicht mehr zu erinnern. „Das war in dem Moment nicht ich, der auf sie eingestochen hat“, sagte der Mann zum Prozessauftakt.

Mit einem Küchenmesser stach er am 10. September vergangenen Jahres mehrere Male auf die Frau ein. Sie starb noch am Tatort in Lesum. Die Frau wollte ihren Lebensgefährten verlassen. Sie habe ihm gesagt, dass sie erst zu ihm zurückkehren werde, wenn er sich einer psychiatrischen Behandlung unterzogen habe, sagte der 42-Jährige. Zwölf Jahre war das Paar zusammen.

Der Angeklagte steht zum ersten Mal vor Gericht. „Wie geht es Ihnen?“, fragt der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann. „Beschissen“, antwortet der Bremer. Angeblich liebt er seine Freundin immer noch. „Ich begreife das bis heute nicht“, so der Angeklagte über seine Tat. „Ich kann das nicht erklären.“

Das Paar habe sich in den Monaten vor dem schicksalhaften Tag viel gestritten. Es sei darum gegangen, dass der Mann nur zu Hause herumgesessen habe und nichts unternehmen wollte. Das sei nicht immer so gewesen, es habe auch Zeiten gegeben, in denen er jeden Tag gekocht habe. Aber gearbeitet hat der 42-Jährige schon lange nicht mehr. Wegen seiner Depression ist er in Frührente. Außer seiner Lebensgefährtin hat der Mann anscheinend keine Bekannten. Die Frage des Richters, ob er Freunde habe, verneint der Bremer. Mit seiner Familie habe er sich schon 2006 zerstritten.

Am 10. September kam das spätere Opfer gemeinsam mit einem Arbeitskollegen nach Hause. Es wollte ihre Katzen abholen und dann zu ihrer Mutter gehen. Den Kollegen habe sie zur seelischen Unterstützung mitgebracht, nicht weil sie Angst gehabt habe, so die Einschätzung des 29-jährigen Kollegen. Er kam mit ins Haus. Als die Frau ging, um ihre Sachen zu packen, habe der 42-Jährige den 29-Jährigen gebeten zu gehen. „Geh jetzt ’raus oder ich vergess’ mich“, soll er gesagt haben. „In dem Moment habe ich mir noch gar nicht groß Gedanken gemacht. Erst als die Tür zugegangen ist und er den Schlüssel umdrehte, hatte ich ein komisches Bauchgefühl“, beschreibt der 29-Jährige. Kurze Zeit später schon habe er die Hilfeschreie seiner Kollegin gehört. Er habe geklopft und geklingelt. Dann habe der 42-Jährige die Tür aufgemacht. „Er fragte mich, ob ich die Polizei gerufen habe. Er hatte ein blutiges Messer in der Hand.“ Der 29-Jährige sagte gestern, dass der Angeklagte die ganze Zeit ruhig und gefasst gewirkt habe. „Ich hatte nie den Eindruck, dass er irrsinnig war“, meint er. „Ich hatte den Eindruck, dass er wusste genau, was er getan hat.“

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