Gedenkstunde im Rathaus / Böhrnsen fordert „Bereitschaft zum Widerspruch“

„Es wurde hingenommen“

Der „Kinder- und Jugendchor im Viertel“ sang gestern Abend bei der Feierstunde zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in der Oberen Rathaushalle. ·
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Der „Kinder- und Jugendchor im Viertel“ sang gestern Abend bei der Feierstunde zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in der Oberen Rathaushalle. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Wir müssen bereit sein zum Widerspruch gegen Unrecht – auch, wenn es uns nicht selbst betrifft.“ Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) blickte in seiner Rede zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus gestern Abend auch in die Gegenwart.

„Wir müssen Rassismus und Antisemitismus bekämpfen, wo immer sie sich zeigen.“ Die Demokratie in der Weimarer Republik sei nicht zuletzt an der gleichgültigen Haltung vieler Menschen gescheitert, so der Bürgermeister bei der Gedenkstunde in der Oberen Rathaushalle. In eben diesem Punkt sieht er den Bogen in die Gegenwart. „Die tiefere Bedrohung der Demokratie kommt von der Gleichgültigkeit, dem Nicht-Ernstnehmen, dem Wegschauen“, sagte Böhrnsen vor weit mehr als 200 Gästen.

Ehrengast der Bremer Feierstunde zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus war die Kinderpsychologin und Autorin Batsheva Dagan, 1925 als Izabela Rubinstein in Lodz, Polen, geboren. Die Überlebende von Auschwitz setzt sich dafür ein, Kinder möglichst frühzeitig über Nationalsozialismus und Shoa zu informieren. „Je früher, desto besser“, hatte sie zu unserer Zeitung gesagt. Viele ihrer Erfahrungen drückt sie auf besonders eindringliche Weise in Gedichten aus.

Böhrnsen hatte Batsheva Dagan in die Obere Rathaushalle geleitet. „Wir freuen uns sehr, dass Sie nach Bremen gekommen sind und zu uns sprechen.“

Für eine musikalische Begleitung der Gedenkstunde am 68. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz sorgte der „Kinder- und Jugendchor im Viertel“. Schüler der Kooperativen Gesamtschule Stuhr-Brinkum lasen aus dem „Erinnerungsbuch für die als Juden verfolgten Einwohner Bremens“.

Der nächste Jahrestag folgt noch in dieser Woche. Am 30. Januar von 80 Jahren kamen die Nationalsozialisten an die Macht. „Hitler wurde die Macht übertragen“, sagte Böhrnsen. „Das sogenannte Dritte Reich kam nicht wie ein Schicksalsschlag über die Deutschen.“

Und wieder spielte – auch – die Gleichgültigkeit eine Rolle. Der Bürgermeister: „Die Menschen nahmen es hin, dass man Nachbarn holte und sie einsperrte. Die Konzentrationslager waren bekannt – auch in unserer Stadt. Die Schreie der im KZ Mißler in Findorff Gefolterten waren in der Nachbarschaft zu hören.“

Das Bremer Programm zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus reicht einmal mehr über Wochen. Bis in den März hinein gibt es Lesungen und Ausstellungen, Diskussionen und Stadtrundgänge, Filme und Vorträge.

Zum Filmprogramm zählt unter anderem Eike Besudens Dokudrama über die Familie des Bremer Kaufmanns Julius Bamberger (1880 bis 1951), der als jüdischer Bürger Bremens verfolgt, bedroht und ins Exil getrieben wurde. Termin: Heute, 18 Uhr, im „City 46“ an der Birkenstraße.

Unter dem Titel „Nicht schon wieder ‚Nie wieder‘“ spricht Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, am Donnerstag, 31. Januar, an der Bremer Universität (Hörsaal GW1). Sein Thema: die „deutsche Erinnerungskultur zwischen Pathosformeln und kritischem Geschichtsbewusstsein“ (16 Uhr).

Das komplette Programm ist auf der Internetseite der Landeszentrale für politische Bildung zu finden.

http://www.lzpb-bremen.de

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