Sendesaal feiert seinen 60. Geburtstag / Decke schwebt an Federn

Wunderwerk der Akustik

Die Geschäftsführerin des Vereins „Freunde des Sendesaals“, Carolin Reuther, steht mit Peter Schulze vom Vorstand auf der Bühne im Sendesaal. ·
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Die Geschäftsführerin des Vereins „Freunde des Sendesaals“, Carolin Reuther, steht mit Peter Schulze vom Vorstand auf der Bühne im Sendesaal. ·

Bremen - Von Elena ZelleDie Inneneinrichtung ist genau wie vor 60 Jahren: 247 hellblau gepolsterte Stühle, Fischgrätenparkett, drei Stufen, die auf die Bühne führen. Nur dort hat sich etwas verändert: An der Wand ist auf der Bühne ein Quadrat zu sehen, ein paar Nuancen heller als der Rest. Dort stand früher, bis sie durch Synthesizer ersetzt wurde, die Orgel.

Der Sendesaal gehörte zum Studio-Komplex von Radio Bremen und wurde am 23. Dezember 1952 eröffnet. Die Bauweise schirmt den Sendesaal gegen alle Außengeräusche ab. In den 50ern bekam das eine größere Bedeutung, denn durch den damals neuen UKW-Rundfunk wurde das Radioprogramm rauschärmer – Störgeräusche fielen dadurch wesentlich mehr ins Gewicht. „Von welchem Gebäude kann man schon sagen, dass man nicht hört, wenn draußen ein Hubschrauber landet?“ sagt Peter Schulze, langjähriger Musikredakteur und Produzent bei Radio Bremen. Heute ist er Vorsitzender des Vereins „Freunde des Sendesaals“. Er ist bereits seit 50 Jahren mit dem Sendesaal verbunden, 1963 hatte er dort seine erste Aufnahme, mit einer Schüler-Band. Erreicht wurde die Abschirmung nach außen durch die sogenannte „Haus-in-Haus-Bauweise“: Dabei wurden zunächst die äußeren Mauern errichtet, Fußboden, Seitenwände und die Decke des inneren Sendesaals wurden anschließend eingehängt und schweben an Federn. Eine schmale Wendeltreppe führt zwischen den beiden Wänden auf die Decke der inneren Schale unter das Dach des Außengebäudes. Auf rechte Winkel oder parallel verlaufende Wände hat man zugunsten des besseren Klangs verzichtet. „Manche versuchen, sich durch ein stylisches, äußeres Design ein Denkmal zu errichten, beim Sendesaal ist das anders: Er wird durch seine Funktionalität und Zweckmäßigkeit zum Denkmal“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins „Freunde des Sendesaals“, Carolin Reuther. Seit 2009 steht der Saal unter Denkmalschutz, aus zwei Gründen, wie der Leiter des Bremer Landesamtes für Denkmalpflege, Georg Skalecki, weiß: „Zum einen hat der Sendesaal und auch der Sender eine allgemeine historische Bedeutung, denn er wurde im Rahmen des Demokratisierungsprozesses von den Amerikanern nach dem Krieg gegründet. Er steht für die Geschichte des Rundfunks in Bremen“, sagt Skalecki. „Zum anderen ist es die Architektur. Der Sendesaal ist ein Wunderwerk der Akustik und eine großartige Ingenieurleistung.“

Bis Dezember 2007 betrieb Radio Bremen den Saal: Konzerte mit internationalen Stars, unzählige Musikaufnahmen und Live-Hörspiele standen auf der Tagesordnung. Der Saal sei fast 270 Tage im Jahr ausgelastet gewesen, sagt Schulze. Bis Radio Bremen Rundfunk und Fernsehen an einem Ort vereinen wollte und 2007 in das neue Funkhaus im Faulenquartier zog. Der Kampf um den Verkauf und den drohenden Abriss des Sendesaals begann im Jahr 2002, erst 2009 fand sich schließlich ein Käufer, der bereit war, ihn zu erhalten. Der restliche Studiokomplex wurde von der Residenz-Gruppe um Rolf Specht zu einer Reha-Klinik umgebaut. Seitdem betreibt der Verein den Sendesaal. Als den schönsten Moment in der Geschichte des Sendesaals empfindet Schulze die Wiedereröffnung im März 2009. Er steht im Saal und sagt: „Das wäre alles abgerissen worden, das ist völlig irrsinnig.“ · lni

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