„Mein Kunst-Stück“ mit Rosa Jaisli: „Kommunizierende Gefäße“

Wunderschöne Transparenz

Rosa Jaisli arbeitet gern mit Alabaster, der optisch an Marmor erinnert. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Kommunizierende Gefäße“ heißt Rosa Jaislis Skulptur, die sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es ist ein Tableau aus Alabasterstein. Die Oberfläche besteht aus einer architektonisch anmutenden Anordnung von Schalen, Becken, Gängen und Treppen. „Es ist mein jüngstes Werk“, sagt Rosa Jaisli. „Es ist etwas ganz Eigenes und hat mich über ein Jahr begleitet.“

Die runden Gefäße, in fast allen Kulturen ein Symbol für Mutterschaft und Fruchtbarkeit, liegen auf verschiedenen Ebenen. Sie sind ganz unterschiedlich miteinander verbunden. Die Skulptur könne einen an eine urbane Architektur erinnern, sagt die Künstlerin – an Gemeinschaft, Zusammenleben, Verständigung oder daran, etwas zu teilen. Seine Vorgänger ähnelten eher Ruinenstädten oder zerfallenen Pueblos, den Siedlungen der Ureinwohner des heutigen Südwestens der USA.

Vergangenheit mit der Zukunft verbunden

In „Kommunizierende Gefäße“ hat Jaisli die Vergangenheit mit der Zukunft verbunden. „Es ist ästhetisch modern. Ich wollte einen positiven Gedanken hinzufügen“, so die gebürtige Chilenin. Alabaster, ein natürliches Gipsgestein, verfüge über eine wunderschöne Transparenz. Jaisli. Haptisch erinnere es an Haut. Man findet das Mineral in eiförmigen Brocken, die zentnerschwer sein können. Die Steinscheibe, aus der die Bildhauerin ihre „Kommunizierenden Gefäße“ herausgearbeitet hat, ist ein Endstück mit der naturbelassenen rauen Rückwand.

Neben den jüngsten Arbeiten stehen in Jaislis Atelier abstrakte Skulpturen aus Alabaster und Terracotta, Bauten aus Lehm und aus Papier geschlitzte Motive alter Meister. Auf die Kunst kam Jaisli als absolute Quereinsteigerin. Während sie an ihrer Doktorarbeit in Ökonomie schrieb, traf sie immer wieder auf einen Bildhauerkurs vor der Unibibliothek. Als sie den Kursleiter ansprach, wurde sie gleich zu einer Exkursion nach Spanien eingeladen. Es ging zu einem Alabastersteinbruch und die Südamerikanerin dolmetschte für ihre Gruppe. Jaisli, die bis dahin lediglich ein paar Möbel für ihr Jugendzimmer gestaltet hatte, begann zu bildhauern. „Die Transformation der Materie, die direkte Sichtbarkeit der Veränderung, begeisterte mich“, freut sich Jaisli noch heute über die Begegnung. „Bildhauerei wächst aus den Händen. Das kannte ich von der Wirtschaft nicht“, sagt sie und lacht.

Mut für Neues haben

Die Herausforderung in der Kunst sei es, Ausdauer zu beweisen und die Kommunikation mit der Außenwelt nicht zu verlieren. Gleichzeitig dürfe man nicht immer bei seinem „gleichen Kram“ bleiben und müsse Mut für Neues haben.

Ihr Atelier besucht Jaisli täglich von 10 bis 15 Uhr, außer wenn sie Kurse gibt, in Projekten mit Kindern arbeitet oder in der Weiterbildung unterrichtet. Da aber alles im gleichen Metier stattfindet, machen ihr die Arbeiten Spaß.

Ob wir Kunst brauchen? – Kunst sei wie Essen und Trinken, sagt die Wahlbremerin. „Wir brauchen den ästhetischen Genuss.“ Felsenzeichnungen, kleine Schmuckstücke und Skulpturen zeugten von diesem Bedürfnis bei unseren prähistorischen Vorfahren. „Das versuche ich auch“, sagt Jaisli, „ich esse, ich trinke und ich schaffe Kunst zur Befriedigung meiner ästhetischen Vorstellungen.“

Zu den Künstlern, die für Jaisli besonders bedeutend sind, zählen die baskischen Bildhauer Jorge Oteiza (1908–2003) und Eduardo Chillida (1924–2002). Beide beschäftigten sich mit dem Thema Leere in der Bildhauerei, das heißt den Auspaarungen oder durch die Form einer Skulptur entstehenden Innenräume. Wenn Jaisli jemandem ein Objekt als Botschaft schicken sollte, dann ginge eine Skulptur an Amnesty International: „Sie leisten wichtige Arbeit. Das Thema Menschrechte wird immer wichtiger.“

Noch bis zum 13. November präsentiert Jaisli im Syker Vorwerk die Ausstellung „Künstlerische Konzepte und Visionen“.

Mehr zur Serie „Mein Kunst-Stück“

Katharina Berndt: „Witterungen“

Rudolph Bauer: „Natura morta“

Ursula Jaeger: „Arche“

Christine Vogelsang: „Rosa“

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