Museums-Jubiläum

Würdige Heimat: 50 Jahre Gerhard-Marcks-Haus in Bremen

Moderne Bildhauerei in der klassizistischen Ostertorwache – das Gerhard-Marcks-Haus ist vor 50 Jahren eröffnet worden.
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Moderne Bildhauerei in der klassizistischen Ostertorwache – das Gerhard-Marcks-Haus ist vor 50 Jahren eröffnet worden.

Esel, Hund, Katze, Hahn. So stehen sie da, unten der Esel, ganz oben der Hahn – die Stadtmusikanten am Rathaus. Die Bronzeplastik, 1953 aufgestellt, ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Bremens. Der Bildhauer Gerhard Marcks (1889 bis 1981) ist der Schöpfer dieser Stadtmusikanten-Darstellung. Den Nachlass des Künstlers betreut das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen. Das Museum wird jetzt 50 Jahre alt.

Bremen – Gerhard Marcks, am Kurfürstendamm als Sohn eines Berliner Kaufmanns geboren, betonte seine Herkunft durchaus. Er stamme aus dem „an bildhauerischer Tradition nicht ganz armen Berlin“, formulierte er mit humorgetränktem Understatement in seinem Lebenslauf. Was aber verband ihn so sehr mit Bremen, dass hier schon zu seinen Lebzeiten ein zunächst allein Marcks gewidmetes Museum eröffnet wurde?

Wenn es einen direkten Anknüpfungspunkt gibt, dann ist es: die Arbeit. Denn neben den aus Spenden finanzierten Bremer Stadtmusikanten finden sich weitere wichtige Werke des Künstlers im öffentlichen Raum der Hansestadt. Für Radio Bremen schuf er den „Rufer“, der das Verbreiten von Nachrichten symbolisiert, drei Meter hoch, aus Bronze. Der „Rufer“ stand ab 1967 vor den damals neuen Fernsehstudios des Senders in Osterholz. 40 Jahre später zog er um an die Weser, zum neuen Radio-Bremen-Sitz im Faulenquartier. Ebenfalls aus Bronze: Marcks‘ überlebensgroße liegende Frauenfigur auf dem Theaterberg in den Bremer Wallanlagen, die „Aegina“ von 1966.

Zur Eröffnung erschien ein Katalog.

Ab Mitte der 60er Jahre wuchs auch die Idee, wesentliche Teile von Marcks‘ Lebenswerk an einem Ort zusammenzuführen, in eine Stiftung zu gießen und so der Allgemeinheit auf Dauer zugänglich zu machen. Der Hamburger Kunsthändler Rudolf Hoffmann (1886 bis 1966) gab die Anregung dazu. Marcks, einer der bedeutendsten figürlichen deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts und in der NS-Zeit als „entartet“ diffamiert, entschied sich für Bremen. Im Bremer Senat freute man sich über die Möglichkeit, auf einen Schlag das kulturelle Angebot der Stadt zu erweitern. Neben Marcks und Bremen beteiligte sich der Kunstverein an der Stiftung.

Moderne Skulpturen im klassizistischen Bremer Wachhaus

Am 18. September 1971 wurde das Gerhard-Marcks-Haus in einem der beiden klassizistischen Ostertor-Wachhäuser aus dem Jahr 1825 eröffnet. Ab 1970 war das Wachhaus entkernt und in Zusammenarbeit mit dem Künstler umgebaut und (zur Rückseite hin) erweitert worden. 1990/91 und 2015/16 folgten erneute Erweiterungen und Modernisierungen.

Und die Eröffnung? Krankheitsbedingt habe Marcks damals nicht kommen können, so Bettina Berg, Sprecherin des Museums. Doch er schickte ein Grußwort, in dem er sich bedankte und gestand, dass „ich nie im Leben daran gedacht habe, dass meinen Arbeiten eine so schöne, so würdige Heimat zuteil werden könnte“. Auf Einladung von Bürgermeister Hans Koschnick (1929 bis 2016, SPD) besuchte Marcks das ihm gewidmete Haus, dem er – so Berg weiter – mehr als 200 Plastiken und 2. 000 Zeichnungen als Fundament zur Verfügung gestellt hatte, dann 1972. Das Haus sollte Besuchern ermöglichen, sich allein in Marcks‘ Werk zu vertiefen, hieß es anfangs.

Entwicklung zum Bremer Bildhauermuseum

Der Bildhauer Gerhard Marcks neben dem „Gefallenen“ im Museum.

Der Grundgedanke blieb, doch schon ab Mitte der 70er Jahre wurde der Fokus erweitert. Peu à peu entwickelte sich das Marcks-Museum zum Bildhauermuseum. Es macht die unterschiedlichsten (zeitgenössischen) bildhauerischen Ausdrucksformen sicht- und erfahrbar. „Wir wollen die Besucher durch das überzeugen, was sie selbst sehen und nicht dadurch, dass wir ihnen erzählen, was sie sehen sollen“, sagt Arie Hartog, der Direktor. Nach wie vor betreut sein Haus Marcks‘ künstlerischen Nachlass. Mit etwa 500 Skulpturen, 2. 000 Blatt Druckgrafik sowie 14. 000 Zeichnungen handelt es sich um eine der größten musealen Einkünstlersammlungen im Bereich der klassischen Moderne weltweit. Zu Marcks‘ Nachlass sind jene der Bildhauer Waldemar Grzimek (1918 bis 1984) und Gerhart Schreiter (1909 bis 1974) gekommen.

50 Jahre Gerhard-Marcks-Haus – eine Jubiläumsfeier gibt es aus Pandemiegründen nicht. Noch bis zum 24. Oktober zeigt das Haus Arbeiten des 1959 geborenen holländischen Künstlers Ruud Kuijer. Der programmatische Titel: „Bildhauerei! Was sonst?“

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