Wortgefechte und eine 15-minütige Kaffeepause

Prozess wegen Angriffs auf Polizisten gerät außer Kontrolle

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Khodor S. (rechts) im Landgericht Bremen. Er soll zusammen mit weiteren Familienmitgliedern Polizisten angegriffen und verletzt haben.

Bremen - Von Steffen Koller. Im Prozess gegen fünf Mitglieder einer libanesischen Großfamilie, die nach einer Routinekontrolle in Bremerhaven auf Polizisten eingeprügelt haben sollen, hat am Montag ein Beamter vor dem Landgericht Bremen ausgesagt. Vier Männern und einer Frau zwischen 27 und 38 Jahren wird unter anderem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Es blieb nicht lange ruhig, als die Kammer den 43-Jährigen befragte – und die Richterin sah sich gezwungen, die Verhandlung zu unterbrechen.

25 Jahre arbeite er bereits bei der Polizei, doch diesen Einsatz werde er nicht vergessen, sagte der Beamte. Viele Demonstrationen und Prügeleien im Zuge von Fußballspielen habe er in 16 Dienstjahren auf Hamburgs Straßen erlebt, doch was am 3. Juli 2017 in der Bremerhavener Goethestraße passierte, hat sich ins Gedächtnis des heute 43-Jährigen gebrannt. Als „außergewöhnlich“ bezeichnete der Beamte, was an jenem Nachmittag passierte. Später wurde er deutlicher: „Das war schon heftig.“ Einen „Angriff dieser Vehemenz“ habe er nicht erwartet, dafür klang der Auftrag, eine eingesetzte Streife bei einer Verkehrskontrolle zu unterstützen, zu sehr nach Routine.

Routine sieht anders aus – das zeigen auch mehrere Amateuraufnahmen, die das Gericht am Montag abspielte. Auf den Videos ist zu erkennen, wie die Beamten vor einem Hauseingang stehen. Immer wieder laufen die Angeklagten durchs Bild und schreien die Polizisten an. Im Hintergrund: der 43-jährige Zeuge. Am Boden: der Angeklagte Khodor S., der vom Polizisten mehrfach aufgefordert wird, sich flach hinzulegen. Khodor S. wird der Anweisung nicht Folge leisten, was er später vor einem Haftrichter mit „Knieschmerzen“ begründen wird, so ein Aktenvermerk. Stattdessen boxt der Angeklagte mehrfach in den Bauch des Polizisten und entreißt ihm den Teleskopschlagstock. „Zum Glück hatte ich eine Schutzweste.“ Es folgen Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe mit zerbrochenen Bierflaschen. Einige Beamte müssen später im Krankenhaus behandelt werden.

Fortsetzung am 12. November

Etwas außer Kontrolle geriet auch die Zeugenbefragung vor Gericht. Nach etwa zwei Stunden, Khodor S. hatte da bereits mehrfach die Aussagen des Zeugen kommentiert, raunte er durch den Saal: „Was soll der Scheiß?“ Der Beamte erzähle nur, was zu seinem Vorteil sei und die Richterin gehe „nach ihrer Nase, nicht nach Gesetzen“. Die Vorsitzende Richterin sah sich gezwungen, eine „15-minütige Kaffeepause“ einzulegen, „damit sich alle mal beruhigen.“ Später machte sie klar: „Wenn ich sage, es sollen alle ruhig sein, dann sind alle ruhig.“ Nur unter Prostest kam S. der Anweisung nach. Auch sein Verteidiger hatte da bereits mehrfach versucht, seinen Mandanten zur Besinnung zu bringen – mit eher mäßigem Erfolg.

Khodor S., der sich weiter in Rage redete, sprach dann über den Tattag. „Ich habe nur so reagiert, weil er angefangen hat“, war von ihm zu hören. Die Richterin wertete das als „Teileinlassung“ und räumte dem Angeklagten ein, sich zum Geschehen zu äußern. Doch S. kam dem Angebot nicht nach, was wiederum die Richterin animierte, die Regeln des Gerichts nochmals zu verdeutlichen. „Sie können aussagen, aber nicht kommentieren. Verstanden?“ S. kam dem nach, ob es dabei bleibt, wird der 12. November zeigen. Dann wird der Prozess fortgesetzt.

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