Zeuge übt scharfe Kritik am Vermieter des Gebäudes

Harms-Prozess: „Er wollte ihn loswerden“

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Jahrelang hatte Hans Eulenbruch (links, rechts sein Anwalt Erich Joester) Streit mit seinem Vermieter. Es ging um das marode Harms-Gebäude und die Sanierungskosten. Sein Anwalt in dem Streitfall sagte am Dienstag vor dem Landgericht über den Vermieter: „Er wollte ihn loswerden.“

Bremen - Von Steffen Koller. Die Beweisaufnahme im Prozess um das Großfeuer bei „Harms am Wall“ am Landgericht Bremen neigt sich dem Ende zu. Im Fokus am Dienstag: der Vermieter der Immobilie, die im Mai 2015 komplett zerstört wurde.

Der Anwalt (49), der den ehemaligen Geschäftsführer und Angeklagten Hans Eulenbruch (64) im früheren Prozess um Mietstreitigkeiten vertrat, zeichnet kein gutes Bild vom Eigentümer des Hauses. Dieser habe Eulenbruch loswerden wollen.

Es ist der 6. Mai 2015, als Hans Eulenbruch eine erfreuliche Nachricht erreicht. Im Prozess gegen seinen Vermieter hat das Oberlandesgericht (OLG) zu seinen Gunsten entschieden. Endlich hat er Gewissheit, und ein langer Rechtstreit scheint zu Ende zu sein. Der 64-Jährige hat sich seit Jahren mit seinem Vermieter über das marode Gebäude gestritten. Es geht vor allem darum, wer die Kosten für die umfangreiche Sanierung im oberen Bereich des Hauses zu tragen hat. 

Als Vermieter des Gebäudes ist der Eigentümer dafür verantwortlich. „Sie können sich einen Sekt aufmachen. Das Ding ist durch“, sagt der Anwalt damals zu seinem Mandanten, wie er sich nun vor Gericht erinnerte. Doch es kommt anders, ganz anders, an diesem 6. Mai.

Gegen 21.30 Uhr überfallen ihn, so Eulenbruchs Version, zwei Maskierte, rauben Bargeld, sperren ihn in die Toilette ein und legen Feuer im Modehaus. Kurz bevor das Gebäude komplett in Flammen steht, kann sich Eulenbruch befreien und flieht nach draußen.

Soweit die Aussage des wegen Versicherungsbetrugs, schwerer Brandstiftung und Vortäuschens einer Straftat angeklagten 64-Jährigen. Geht es nach der Staatsanwaltschaft, waren es Eulenbruch und der ebenfalls angeklagte Thomas M. (53), die den Raub vortäuschten und später Feuer legten, um Geld für zerstörtes Inventar von der Versicherung zu kassieren.

Das jetzige Verfahren bedrohe seine Existenz, betonte Eulenbruch mehrfach. Doch begonnen habe die Geschichte schon viel früher, erzählte sein damaliger Anwalt jetzt als Zeuge vor Gericht. 2012 war der Jurist beauftragt worden, Mängel in den Harms-Geschäftsräumen aufzulisten. Mängel, die ihn „schockierten“ – und Eulenbruch zwangen, Teile der Verkaufsflächen zu schließen.

„Es roch nach Schimmel, Löcher waren in der Decke, das Wasser floss förmlich die Wände runter“, so der Anwalt. Zuständig für die Beseitigung war der Vermieter, der sich, so der 49-Jährige, aber „strikt geweigert“ habe. Eulenbruch, der zu diesem Zeitpunkt einen günstigen Mietvertrag hatte (vier Euro pro Quadratmeter), sollte, so der Zeuge, auf Drängen des Vermieters diesen Vertrag entweder aufgeben oder Teile des Gebäudes abtreten. Eulenbruch weigerte sich, die Sache geht vor Gericht.

Bei einem Termin soll sich der Besitzer der Immobilie „unsachlich und beleidigend“ verhalten haben. Während einer Verhandlung habe er gesagt: „Ich lasse das Gebäude lieber zehn Jahre leerstehen, als es Herrn Eulenbruch zu überlassen.“ Für den Anwalt ist klar: „Der Herr wollte den Vertrag unbedingt loswerden. Er wollte ihn (Eulenbruch, d. Red.) loswerden.“ Das OLG entscheidet, dass der Vermieter die Sanierungskosten von 220.000 Euro zu tragen hat. Am selben Abend brennt das Gebäude nieder. Durch die komplette Zerstörung des Hauses ist der Mietvertrag hinfällig, hätte das Gebäude wieder aufgebaut werden können, wäre der Vertrag weiter in Kraft geblieben.

Gehört wurde eine weitere Lippenleserin. Die 82-Jährige ist seit ihrem elften Lebensjahr taub und war 27 Jahre Ausbilderin für Gebärdensprache. Sie zeigte sich sicher, auf einem Video der beiden Angeklagten im Geschäft ein paar Wochen vor dem Brand bei Thomas M. die Worte „Ich glaube, das wird nichts.... Kamera“ erkannt zu haben.

Für das Gericht, so deutete es die Vorsitzende Richterin an, seien die „entscheidenden Zeugen“ gehört worden. Am Dienstag, 6. Dezember, ist der Vermieter als Zeuge geladen.

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