Diskussionsstoff bei der 90. Umweltministerkonferenz im Bremer Park Hotel

Der Wolf und die Weiden

Umweltministerin Svenja Schulze und Umweltsenator Joachim Lohse im Park Hotel. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Wölfe, Schafe und Ziegen, Insekten – sie alle waren Thema bei der 90. Umweltministerkonferenz, die am Freitag im Park Hotel (Bürgerpark) zu Ende ging. Den Vorsitz hatte turnusgemäß Bremens Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne). Neben den Ländervertretern war auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) mit von der Partie. Nicht alle Themen wurden an den drei Konferenztagen harmonisch diskutiert.

Der Wolf zum Beispiel. Wie soll Deutschland mit der wachsenden Population umgehen? Da gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Ein „schwieriges Thema“, so Schulze. Ziel müsse ein einheitlicher Umgang in ganz Deutschland sein. Aber was, wenn er dem Menschen zu nahe kommt? Oder Schaf- und Ziegenherden gefährdet, die Heideflächen, Deiche und Almen schützen. Könnten diese Flächen nicht mehr „beweidet“ werden, gingen Lebensräume verloren, so Marcel Huber (CSU), bayerischer Staatsminister für Umwelt.

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Seine Bremer Kollege Lohse sagte, nötig sei eine rechtliche Klärung, in welchen Fällen Wölfe abgeschossen werden dürften. „Allen ist vollständig klar, dass der Wolf streng geschützt ist“, betonte Lohse und ergänzte: „Wir freuen uns, dass er wieder da ist.“ Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) sieht es so: „Maßgabe kann nicht sein, dass wir die Weide- und Nutztierhaltung umstellen. Das, was wir beschlossen haben, reicht mir nicht aus. Es müssen rechtliche Grundlagen geschaffen werden, um den Wolf auch töten zu können.“ Und: „Es geht um Rechtssicherheit für die Bereiche, in denen wir handeln müssen.“

Vor diesem Hintergrund ist eine Protokollerklärung zu sehen, der sich die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen anschlossen – jene Länder, in denen die meisten Wölfe vorkommen. Mit Unterstützung des Saarlandes setzen sie sich für eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes ein, mit der die im EU-Recht enthaltenen Spielräume für Abschüsse „vollständig“ genutzt werden. Bundesumweltministerin Schulze sagte, ein Abschuss müsse die absolute Ausnahme bleiben.

Auch deutlich kleinere Lebewesen waren ein großes Konferenzthema – Stichwort: Insektensterben und Insektenschutz. „Wir brauchen dringend Maßnahmen“, so Lohse. Ministerin Schulze kündigte ein Aktionsprogramm des Bundes für 2019 an. „Die Gesamtmenge der Insekten und die Vielfalt der Arten ist in Deutschland dramatisch zurückgegangen.“ Zu den Ursachen zählt sie „weniger Lebensraum“, einen „zu hohen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft“ und „Lichtverschmutzung“ (zu viel künstliches Licht in Stadt und Land bei Dunkelheit). Lies, Minister in einem Bundesland mit starker Landwirtschaft: „Wir brauchen Lösungen mit der Landwirtschaft gemeinsam.“

Lösungen werden auch gesucht, was die Reduzierung von Plastikmüll angeht, der im Wasser und damit in den Meeren landet. Dabei geht es auch um kleine Plastikpartikel in Reinigungsmitteln und Kosmetik. Lohse: „Man merkt das manchmal gar nicht, was im Shampoo oder in der Zahnpasta drin ist.“ Bayerns Minister Huber warnte unterdessen davor, Kunststoff per se zu verdammen und verwies auf „medizinische Anwendungen“ und „hygienische Dinge“: „Nicht jedes Teil aus Plastik ist schlecht.“

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