Gewoba eröffnet Neubauprojekt in Findorff

Passivhaus auf 55 Pfählen

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Peter Stubbe (l.) und Joachim Lohse schneiden das Kuchenmodell des Neubaus an. Im Hintergrund steht das Original. 

Bremen - Ein Neubau für Klimapioniere und das Ergebnis einer europaweiten Zusammenarbeit: Nach 18 Monaten Bauzeit ist das Passivhaus der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba in Findorff an der Kissinger Straße fertig. Der barrierefreie Neubau biete 16 Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen mit geringen Heizkosten, heißt es.

Das Bauprojekt hat eine etwas wilde Vorgeschichte. Früher stand hier ein Gewoba-Wohnhaus auf einer Torf-Linse, also einem kleinen Moorgebiet, das nicht hinreichend tragfähig für eine Bebauung ist. „Wir mussten das Haus schnell evakuieren. Es fing an zu zerbröseln. Dabei hat uns die Polizei geholfen“, sagt Peter Stubbe, Vorstandsvorsitzender der Gewoba, bei einem Festakt zur Fertigstellung. Die Torflinse wurde zum Teil abgetragen, aber die Hauptsicherung für den Stand des neuen Gebäudes sind 55 Pfähle aus Stahlbeton. „Sie haben etwa 40 Zentimeter Durchmesser und reichen 15 Meter tief in feste Schichten“, sagt Bauingenieur Nils Sattler. 

Das Passivhaus bezieht die Heizenergie aus Solarzellen auf dem Dach. „Dazu kommen geeignete Fenster, eine sehr gute Dämmung und eine spezielle Ausrichtung des Hauses“, sagt Sattler. „Lediglich zwischen Dezember und März muss etwas Fernwärme zugeführt werden.“ Man komme aber mit einem Siebtel bis Achtel des Jahresankaufs aus. „Die Erfahrung zeigt, dass es drei bis vier Jahre dauert, bis die Benutzer merken, wie sie mit der Heizung und Lüftung umgehen müssen“, sagt Stubbe. „Hier gibt es eine automatische Luftzirkulation. Die Mieter müssen also nicht jeden Tag stoßlüften, was wir sonst empfehlen.“ 

„Wenn es nicht gefällt, ist Brüssel nicht schuld“

Es werde wohl einige Zeit dauern, bis man zur Entwicklung der Nebenkosten etwas sagen kann. Die dürften niedrig sein. Von den durchschnittlichen Heizkosten von 53 Cent pro Quadratmeter ließen wahrscheinlich 50 Prozent einsparen, so Stubbe. Das Investitionsvolumen für den Neubau lag bei 4,5 Millionen Euro, alles aus Eigenmitteln. „Das Haus entstand ohne jede Förderung. Wenn es nicht gefällt, ist Brüssel nicht schuld“, sagt Stubbe. Die Quadratmeter-Miete für die Wohnungen liegt bei zehn Euro. Die Wohnungen haben sehr sichere Eingangstüren.

Die Fenster im Erdgeschoß sind aus Dreifach-Glas. „Da muss man mit einem Hammer ziemlich lange gegenschlagen, bis man hindurchkommt“, sagt Ingenieur Sattler. Die Fenstergriffe sind abschließbar. Eine aufwendige Küche ist eingebaut. Joachim Lohse, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr (Grüne), sieht in dem neuen Bau gleich einen doppelten Grund zur Freude. „Es ist neuer Wohnraum entstanden, der in Bremen dringend gebraucht wird, und es wurde etwas für den Klimaschutz getan.“ Das Bauprojekt entstand im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes „BuildTog“ („Building Together“) und in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern im Rahmen des europäischen Wohnungswirtschaftsnetzwerks „Eurhonet“. Das Netzwerk hat einen Mehrfamilienpassivhaustypus entwickelt, der an regionale Besonderheit anpassbar ist, heißt es.

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