Wohnungsbau auf Galoppbahn: Rennverein reagiert auf Günthner-Pläne

„Kalt erwischt“

+
Der Vorstand des Rennvereins – Frank Lenk (v.l.), Tonya Rogge und Daniel Krüger vor der alten Tribüne der Galopprennbahn – muss sich mit der neuen Situation zurechtfinden.

Bremen - Von Jörg Esser. Die Ankündigung hat für Schlagzeilen und für Unruhe gesorgt: Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) will in der Vahr bauen lassen – auf der Galopprennbahn. 2018 sollen die Bagger anrollen. „Der Senator hat uns kalt erwischt“, sagt Frank Lenk aus dem Vorstand des Bremer Rennvereins im Gespräch mit unserer Zeitung. „Damit müssen wir jetzt umgehen.“

Der Rennverein hat die Galopprennbahn von der Stadt gepachtet – bis 2020. Doch Bremen hat ein Sonderkündigungsrecht mit einjähriger Frist. Und davon will der Senator Gebrauch machen. Günthner plant, dem Verein in einem Jahr ein Kündigungsschreiben zukommen zu lassen. Das hieße: Spätestens Ende 2017 läuten die letzten Startglocken auf dem Turfgelände.

Lenk, Geschäftsführender Gesellschafter der Marketingagentur Neusta Communications, setzt auf Gespräche. „Das Thema wird uns noch eine Weile beschäftigten.“ Eine Vorstandssitzung des Rennvereins ist für den 11.Januar anberaumt. Und mit der Golf-Range und dem Atlantic-Hotel sind weitere Akteure im Spiel. Auch der Stadtteilbeirat habe sich schon gemeldet, sagt Lenk. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch für den Galoppsport in Bremen werde es eng werden, sagt Lenk. „Wir sind ja nicht blauäugig.“

Die Beweggründe des Senators seien nachvollziehbar. Wohnraum ist eben knapp. Auch in Bremen. Und dass das 300 Hektar große Galopp-Areal in der Vahr eine begehrte Fläche für Wohnbebauung sei, „steht schon lange latent im Raum“, sagt Lenk. „Doch jetzt ist es greifbar.“

Der Rennverein jedenfalls sieht viele Gründe, die Bahn doch noch zu erhalten. Der Galoppsport habe in Bremen eine „riesenlange Tradition“. Um die 150 Jahre. „Wenn so ein Standort auf einmal gecancelt wird, das kann nicht jeder verstehen.“ Das Areal sei zudem so etwas wie „die grüne Lunge der Vahr“. Und die Bahn mitsamt der alten Tribüne sei ein Kulturgut. Schließt man das Areal, „nimmt man vielen Menschen etwas weg“, sagt der Kaufmann. „Das hier ist keine Spielweise für einen elitären Haufen.“

Alternative Flächen in der Stadt für eine Galopprennbahn seien nicht in Sicht. Das Turf-Trainingsgelände in Mahndorf wurde zwar in die Diskussion geworfen. Doch laut Lenk sei es „unwahrscheinlich, dass da was geht“. Auch die Galoppszene sei verunsichert. „Es gibt Anfragen aus ganz Deutschland.“ Die Zahl der Bahnen ist übersichtlich – Hannover, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Hoppegarten. „Bei uns sind die besten Jockeys mit den besten Pferden am Start“, sagt Lenk. „Alle lieben diese Bahn.“

Bremen ist als Finanzier des Galoppsports vor wenigen Jahren ausgestiegen. Die Subventionen wurden gestrichen. Noch 2012 hatte die Bahn einen Verlust von 350000 Euro gemacht. Der Rennverein ging ins Risiko. Und hat laut Vorstand „mit einem neuen Konzept eine gute Entwicklung eingeleitet“. In diesem Jahr sei die „schwarze Null“ fast wieder erreicht worden. Die Tendenz sei positiv. „Und es ist noch Luft nach oben“, sagt Lenk. Auch mit der Zweitvermarktung, also der Vermietung der Flächen für andere Veranstaltungen, laufe es gut. So gebe es Pläne für einen Flohmarkt im Zwei-Wochen-Rhythmus, für ein Jazzkonzert. Und es gibt eine Anfrage aus Finnland für einen „Fun-Run“ auf dem Gelände. „Das alles spricht für den Standort.“

Pferde und Jockeys bleiben zunächst im Einsatz: Für 2016 sind mindestens sechs Renntage geplant. Saisonstart ist am 25.März, Karfreitag. Da ist nirgendwo was los. Aber die Bremer Galopp-Veranstalter haben seit gefühlten Ewigkeiten eine „Sondergenehmigung“.

Das könnte Sie auch interessieren

Haben sich Ihre Fingernägel so verändert? Dann sofort zum Arzt!

Haben sich Ihre Fingernägel so verändert? Dann sofort zum Arzt!

Google Pixel 2 und Pixel 2 XL im Test

Google Pixel 2 und Pixel 2 XL im Test

Pizarros Treffer gegen Werder

Pizarros Treffer gegen Werder

FCB-Trainingsbilder: Vidal im Abschlusstraining dabei

FCB-Trainingsbilder: Vidal im Abschlusstraining dabei

Meistgelesene Artikel

Träume werden wahr – Weserhäuser in der Überseestadt

Träume werden wahr – Weserhäuser in der Überseestadt

Zusätzliche Busse und Bahnen fahren für Freimarktbesucher

Zusätzliche Busse und Bahnen fahren für Freimarktbesucher

Polizei mit großem Aufgebot auf dem Freimarkt-Gelände

Polizei mit großem Aufgebot auf dem Freimarkt-Gelände

Schwarzfahrer festgenommen: Fahrten im Wert von mehr als 5.000 Euro erschlichen

Schwarzfahrer festgenommen: Fahrten im Wert von mehr als 5.000 Euro erschlichen

Kommentare