Neue Ausstellung

„Wohnen³“ im Bremer Hafenmuseum: Ideen für erschwinglichen Wohnraum

Wie lässt sich bezahlbarer Wohnraum schaffen, der auch Qualitätsansprüchen genügt? Um Fragen wie diese dreht sich die Ausstellung „Wohnen³“ im Hafenmuseum (Speicher XI) in der Bremer Überseestadt.
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Wie lässt sich bezahlbarer Wohnraum schaffen, der auch Qualitätsansprüchen genügt? Um Fragen wie diese dreht sich die Ausstellung „Wohnen³“ im Hafenmuseum (Speicher XI) in der Bremer Überseestadt.

Bremen – Wie wollen wir wohnen? Eine Frage, auf die es viele Antworten gibt. Antworten, die zuweilen von äußeren Umständen bestimmt werden. In der Stadt zum Beispiel ist Platz knapp und teuer. Wie lässt sich bezahlbarer und zugleich guter Wohnraum bauen? Um diese Frage kreist eine neue Ausstellung im Bremer Hafenmuseum (Speicher XI), die den mathematisch anmutenden Titel „Wohnen³“ trägt.

Die Ausstellung, die bis zum 3. Juli 2022 dauert, vereint nationale und internationale Beispiele, so Jörn Tore Schaper vom Bremer Zentrum für Baukultur (BZB, ebenfalls im Speicher XI zu Haus). BZB und Hafenmuseum haben die Ausstellung gemeinsam mit dem Mariann-Steegmann-Institut konzipiert. Beiträge von Künstlern fügen den architektonischen Lösungen eine weitere Dimension hinzu.

Wer in die Ausstellung kommt, sieht aber erst einmal: Lehm. Lehm, Rohwolle und gebrauchte Fensterscheiben hat die Künstlerin Folke Köbberling zu einer buchstäblich raumgreifenden Installation verarbeitet. Gleich nebenan: eine Million Baumaterialmuster und Farbtafeln aus dem Archiv eines aufgelösten Architekturbüros. Neues oder Gebrauchtes? Wie gehen wir mit den Ressourcen um? Die künstlerischen Arbeiten werfen bautechnische Fragen auf.

Mit vorgefertigten Elementen flexibel bauen

Viele Materialmöglichkeiten, wenig Platz – wie lassen sich die vergleichsweise wenigen Räume, die Städte bieten, für neuen – und erschwinglichen – Wohnraum nutzen? Auch so eine Frage. Antworten darauf präsentieren die Ausstellungsmacher nicht allein mit Zahlen und Zeichnungen, mit Technik und Theorie, sondern zugleich mit Bildern und „weichen“ Kriterien, die auch zum Wohn-Thema gehören: Atmosphäre, Behaglichkeit, Raumklima. Und: Versorgungsmöglichkeiten, Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Dinge eben, auf die Menschen achten, wenn sie eine Wohnung suchen.

Die in der Ausstellung „Wohnen³“ zusammengeführten Beispiele zeigen auch, dass die Antworten auf die in vielen urbanen Räumen gleichen Fragen doch ortsabhängig recht unterschiedlich ausfallen können. Im weitgehend luxussanierten Manhattan will die Stadtverwaltung auch Mittel- und Geringverdiener halten – ein Weg zum Ziel: Mikrowohnungen in zentraler Lage.

Kompakt und mit hoher „Nutzungsdichte“ ist auch an der Vorgartenstraße in Wien gebaut worden, hier mit vielen Gemeinschaftsflächen auf engem Raum. Flexibilität in Planung und Nutzung ist ein wiederkehrendes Element in der Ausstellung; ebenso die Vorfabrikation. Sie senkt Konstruktionskosten und Bauzeit, das freut Bauträger und Investoren. Beliebt ist es auch, Bewohner in Planungen einzubeziehen.

Drei Ausstellungs-Beispiele stammen aus Bremen

Gestaltung, Material, Infrastruktur – auf diesen Dreiklang kommt es an. Drei der 15 in „Wohnen³“ präsentierten Beispiele stammen aus dem Bundesland Bremen – die Bremerhavener Anlage „Im Engenmoor 14“, das „Blauhaus“ (inklusives Wohnen und Arbeiten) in der Überseestadt und der „Bremer Punkt“ der Gewoba. Das Hausmodell „Bremer Punkt“ wurde erdacht als Lückenschluss in und zur Aufwertung von bestehenden Quartieren. Zugleich soll der flexibel planbare „Bremer Punkt“ Raum für zeitgenössische Wohnformen schaffen – die Palette reicht von der Single-Wohnung bis zum Mehr-Generationen-Haushalt. Der Wohn-Würfel lässt aus vorgefertigten Elementen Individualität entstehen.

Bleibt die Frage, die das Wohn-Thema ins Hafenmuseum kommt. Kuratorin Anne Schweisfurth: „Das Hafenmuseum liegt an der Grenze zwischen der Überseestadt als neuem Quartier mit enormer Bautätigkeit und Walle als gewachsenem Arbeiterstadtteil, in dem der Verdrängungsprozess längst begonnen hat. Ich würde mich freuen, wenn die Ausstellung dazu beiträgt, die Strategien für bezahlbares Wohnen ernsthaft auszuloten.“

Das Hafenmuseum öffnet dienstags bis sonntags in der Zeit von 11 bis 18 Uhr. Es gilt die 2G-Regel.

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