Bunker: Einst Zufluchtsort – heute begehrte Herberge und Übungsraum für laustarke Bands

Wohnen hinter dickem Beton

Einst Zufluchtsort im Zweiten Weltkrieg, heute beliebt als ungewöhnliches Zuhause: Bunker in Bremen.

Bremen - Von Irena Güttel(lni) · Baulärm hallt durch die Roonstraße in Bremen. Ein Zaun sperrt den Hochbunker in der Mitte der kleinen Nebenstraße weiträumig ab. Große Löcher klaffen in der Fassade. Das Ende des Luftschutzraums „F 56“ naht.

Allerdings wird der hässlich-graue Klotz aus dem Jahr 1941 nicht abgerissen. Er wird umgebaut. Dort, wo Menschen während des Zweiten Weltkriegs in Angst ausharrten, sollen schicke Eigentumswohnungen in bester Lage entstehen. Bahnhof, Bürgerpark und das hippe Ostertorviertel befinden sich in Laufnähe.

Noch gleicht das Haus Nummer 26 einem Rohbau. Doch bis Ende des Jahres sollen die Bewohner einziehen können. Sieben Wohnungen mit einer Wohnfläche von 100 bis 150 Quadratmetern sind geplant, dazu Dachterrassen, Balkone und ein Garten. Dafür müssen die Bauarbeiter Fensterlöcher in den mehr als einen Meter dicken Stahlbeton schneiden, Zwischenwände ziehen und Decken verkleiden. „Man muss es so machen, dass es nicht so wirkt wie in einem Bunker“, erläutert Architekt Rainer Mielke.

Wie es sich in so einer Immobilie wohnt, weiß er aus eigener Erfahrung. Ende der 90er Jahre kaufte er einen Bunker im begehrten Stadtteil Schwachhausen und baute diesen um. „Ein Bunker birgt viele Möglichkeiten, aber auch viele Eigenheiten. Man muss eine Menge berücksichtigen“, erzählt Mielke. Dieses Wissen nutzt er jetzt für seinen Beruf. Der Bunker in der Roonstraße ist bereits der fünfte, den er und sein Kollege Claus Freudenberg gestalten. Demnächst sollen weitere außerhalb der Hansestadt folgen.

49 Hochbunker stehen dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz zufolge im kleinsten Bundesland. Im Vergleich: In einem Flächenstaat wie Niedersachsen, der zehnmal so groß ist wie Bremen, sind es 54. Dass in der Hansestadt noch so viele dieser Schutzräume erhalten sind, erklärt sich Thomas von Seggern von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) so: „Bremen gehörte nach dem Krieg zur amerikanischen Besatzungszone. Die Briten und Russen haben alle Bunker zertrümmert, den Amerikanern waren sie ziemlich egal.“

Rund 220 Hochbunker sind deutschlandweit noch im Besitz des Bundes, 27 davon in Bremen und 34 in Niedersachsen. Diese will die BImA in den kommenden Jahren nach und nach verkaufen. Je nach Lage kosten sie zwischen 25 000 und 500 000 Euro. „Wir werden jeden Bunker los“, sagt von Seggern. „Vor allem bei denen in guter Lage sind die Leute hinterher.“

In manchen beliebten Wohngebieten ist der Bunkerkauf mittlerweile die einzige Möglichkeit, ein Grundstück zu erwerben. „Es gibt Firmen, die tragen die Bunker komplett ab“, weiß Seggern. Und es gibt Liebhaber wie Mielke und Freudenberg.

Zurzeit stehen wieder zwei Hochbunker in Bremen zum Verkauf. Die Architekten haben jedoch kein Interesse. „Die Lage ist nicht so gut. Da lohnt sich der Umbau nicht, weil der Verkaufspreis das nicht hergibt“, sagt Mielke. So wird aus ihnen wahrscheinlich das, wofür die meisten genutzt werden: ein Lagerraum oder eine Garage. Auch zum Krachmachen eignen sich die Bunker hervorragend. Weil durch die meterdicken Stahlbeton-Mauern kein Ton nach draußen dringt, nutzen Bands sie gerne als Probenräume. In Findorff gibt es seit etwa einem halben Jahr einen solchen Musikbunker.

WWW.

bundesimmobilien.de

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