Schwefelbad schützt Pfeifen

Wissenschaftler präsentieren Maßnahmen gegen Bleikorrosion an Kirchenorgeln

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Die Arp-Schnitger-Orgel in Freiburg/Elbe: Korrosion zerstört die historischen Bleipfeifen.

Bremen - Historische Kirchenorgeln gelten als unersetzbares Kulturgut. Doch sie sind bedroht, Korrosion zerstört die jahrhundertealten Bleipfeifen der Orgelinstrumente. Wissenschaftler der Bremer Materialprüfungsanstalt am Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien (Leibniz-IWT) und des Arp-Schnitger-Instituts für Orgel und Orgelbau der Hochschule für Künste (HfK) Bremen haben in einem Projekt Gegenmaßnahmen entwickelt. Jetzt präsentierten sie Ergebnisse des Projekts.

„Orgeln sind das Klanggedächtnis einer vergangenen Zeit und stellen ein unwiederbringliches Zeugnis ästhetischer und stilistischer Traditionen ihrer jeweiligen Entstehungszeit dar“, sagt der Projektleiter Dr. Herbert Juling. Der Material- und Korrosionsforscher am Leibniz-IWT hat mit seinen Kooperationspartnern zwei Jahre lang Untersuchungen an sechs betroffenen Kirchen in Belum, Marienhafe, Osteel, Freiburg/Elbe, Celle und Rumbeck durchgeführt. „Dabei standen klimatische Messungen, Untersuchungen der Entwicklung von Bleikorrosion sowie des im Orgelbau und der Restauration verwendeten Holzes im Vordergrund“, sagt eine IWT-Sprecherin. Unterstützt wurden die Wissenschaftler dabei von vier Orgelbauern.

„Es gibt Probleme mit der Luftfeuchtigkeit in den Kirchen“, sagt Juling. „Man muss diese unterhalb eines gewissen Wertes halten, um Korrosion zu vermeiden oder zumindest den Verlauf zu verlangsamen.“ Die während des Projekts erfassten Daten über Temperatur und Luftfeuchtigkeit ergaben nunmehr, dass ein entscheidender Faktor für das Klima die absolute Luftfeuchtigkeit ist. Denn die Kirchen seien heutzutage besser wärmeisoliert, würden aber zu selten gelüftet. „Dadurch wird es im Inneren der Kirche zu feucht“, sagt der Materialforscher. Abhilfe können hier automatisierte Lüftsysteme schaffen, die die Lüftung anhand der absoluten Luftfeuchtigkeit steuern. Aber auch reguläres Querlüften oder Dauerlüften bieten eine Verbesserung der Werte.

Bereits in einem vorangestellten Pilotprojekt wurde die Essigsäure, die von in der Restauration verwendeten Eichenhölzern abgesondert wird, als zentrale Ursache für die Korrosion der Bleipfeifen betrachtet. Mit einem einfachen Testverfahren, dem „Oddy-Test“, konnte die Emission der Essigsäure einzelner Hölzer aufgezeigt werden. „Unser Ziel in diesem Projekt war es, Maßnahmen zu entwickeln, die jeder Orgelbauer auch in seiner Werkstatt umsetzen kann“, sagt Juling. Die Untersuchungen der Wissenschaftler ergaben zudem, dass durch eine Beschichtung der Hölzer mit Kalk die austretende Säure neutralisiert werden kann. In einem Laborexperiment baute Juling mit seinen Partnern Teile der Orgel nach, um Messungen unter authentischen Bedingungen vorzunehmen. Sein Fazit: Richtig umgesetzt, kann die Essigsäureemission durch eine Beschichtung mit Kalk um mehr als 90 Prozent gesenkt werden.

Ein weiterer Ansatz zum Schutz der Pfeifen bildet eine nachträgliche Passivierung des Bleis durch den Einsatz von Schwefelsäure. „Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Korrosion weitestgehend verhindern lässt, wenn man frisches Blei mit Schwefelsäure behandelt“, sagt Juling. Ein Bad in Schwefelsäure könnte zukünftig also ein Weg sein, um die Pfeifen immun gegen die Korrosion zu machen. Die Anwendung in der Praxis soll zeigen, welche Maßnahmen im Orgelbau umgesetzt werden könnten und wo nachgebessert werden müsse. 

je

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