Wissenschaftler entwickeln Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben

Mobil bis ins hohe Alter

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Das von Bremer Forschern mitentwickelte Dreirad, ein sogenanntes „Tricycle“.

Bremen - Von Viviane Reineking. Bernd Krieg-Brückner ist es ein persönliches Anliegen, das ihm sehr am Herzen liegt. Auch deshalb koordinierte er, obwohl bereits im Ruhestand, ein europäisches Projekt, in dem Wissenschaftler intelligente Technologien entwickelten – um Menschen auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Ein Rollator, der seinem Nutzer den Weg weist, ein Rollstuhl, der automatisch Hindernissen ausweicht – Kern des Projekts „Assam“ (Assistance for safe Mobility) war eine an den späteren Anwendern orientierte Entwicklung von Komponenten, mit denen sich Mobilitätshilfen nachrüsten lassen. Vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen koordiniert, arbeitete ein Zusammenschluss aus wissenschaftlichen Einrichtungen, Herstellern und Sozialverbänden aus Deutschland, Spanien und den Niederlanden an Assistenzsystemen, die schon in naher Zukunft vor allem älteren Menschen mit Beeinträchtigungen das Leben erleichtern sollen.

Eine ältere Dame auf dem Bremer Marktplatz: Ihr mit Navigationsgerät und einem speziellen Hinterrad ausgestatteter Rollator weist ihr den Weg zum Ziel.

Zu den entwickelten Komponenten gehört dem DFKI zufolge zum Beispiel eine Navigationshilfe, die sich mit Hilfe eines Tablet-PCs unter anderem an einen handelsüblichen Rollator anbringen lässt, sowie ein elektrisches Rad, das an die Stelle eines herkömmlichen Hinterrades montiert wird. Während das Rad die Geschwindigkeit des Rollators misst, leitet die Navigationshilfe dem Bremer Forschungsinstitut zufolge sicher zum gewünschten Ziel. Zudem sei die Routenplanung so ausgelegt, dass tückische Untergründe wie Kopfsteinpflaster und Schotterböden möglichst vermieden würden.

Die intelligenten Räder bieten zudem Hilfestellung in unebenem Gelände: Sie unterstützen laut DFKI das Gehen auf ansteigenden Wegen und bremsen den Rollator automatisch ab.

Auch das Seh- und Hörvermögen lässt im Alter häufig nach. Für die Betroffenen haben die Forscher elektronische Handgriffe entwickelt, die sie „iHandlebars“ (intelligente Lenker) nennen. Durch Vibrationen oder Lichtsignale am jeweiligen Griff weiß der Nutzer, in welche Richtung er gehen muss.

Während des Projektes testeten Endnutzer aus verschiedenen Ländern die Komponenten auf ihre Praxistauglichkeit. Prof. Dr. Bernd Krieg-Brückner: „Anwender in Spanien konnten sich in einem Park mit abschüssigen Wegen sicher bewegen. Das war ihnen vorher zu gefährlich. So haben sie eine ganz neue Mobilität erfahren können. Ein schöner Erfolg“, findet der pensionierte DFKI-Wissenschaftler.

Seit 20 Jahren forscht Krieg-Brückner mit seiner Arbeitsgruppe an intelligenten Rollstühlen. Ein Fahrassistent mit speziellen Sensoren ermöglicht es nun, die Umgebung zu erkennen und Hindernissen auszuweichen. In kartierten Innenräumen kann das gewünschte Ziel mit einem Rollstuhl per Sprachkommando angesteuert werden.

Zu den Ergebnissen des Projektes gehört auch ein neuartiges „Tricycle“: Das Dreirad hat vorne zwei Räder und hinten eines, welches elektrisch angetrieben ist. So können Nutzer einen Hang etwa leichter hoch- und einen Abhang sicherer herunterfahren. Zielgruppe seien zum einen ältere Menschen, zum anderen kann sich Krieg-Brückner das Gefährt auch als Transportrad vorstellen. Vorne ließe sich zum Beispiel ein Koffer, Pizza oder Post transportieren, auch ein Kindersitz könne befestigt werden, so der Wissenschaftler.

„Mein Ziel, mein persönlicher Antrieb ist es immer gewesen, die Dinge so weit zu treiben, dass sie tatsächlich auch in der Industrie und beim Endanwender ankommen. Ein sehr langer und beschwerlicher Weg.“ Aufgrund der hohen gesellschaftlichen Relevanz aber ein lohnenswerter: „Wir hoffen, dass unsere Systeme in Zukunft dazu beitragen, dass Menschen trotz körperlicher oder kognitiver Einschränkungen selbstbestimmt leben können“, sagt der passionierte Bremer Wissenschaftler.

Für die Markteinführung des elektrischen Rollators laufen Krieg-Brückner bereits Verhandlungen mit einem Anbieter. Das „Tri-

cycle“ möchte ein spanischer Partner als Alternative zum E-Rad anbieten. In folgenden Projekten wollen die Forscher die Komponenten nun weiterentwickeln.

www.assam-project.eu

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