Das Bremer Job-Wunder geht weiter

Wie wird es weitergehen mit dem Bremer Job-Wunder?

BREMEN (kra). Die Arbeitslosigkeit liegt in Bremen zwar weiterhin im zweistelligen Bereich, dennoch tut sich eine Menge auf dem Job-Markt der Hansestadt. Rund 250.000 Menschen stehen bei den Firmen zwischen Farge und Mahndorf, zwischen Oberneuland und Kattenesch in Lohn und Brot. Ein historischer Höchststand.

Aber wie wird es weitergehen mit dem Bremer Job-Wunder? Wie wird sich überhaupt die Wirtschaft der Hansestadt entwickeln. Die Redaktion befragte drei Experten nach ihren Einschätzungen für das kommende Jahr und notierte Erstaunliches. „Es geht weiter spürbar bergauf“, lautete die generelle Meinung. Nur einige wenige Wermutstropfen mischen sich in die Analyse.

Die positivste Einschätzung kommt ausgerechnet vom großen Konkurrenten Hamburg. „Die Warburg-Bank geht weiterhin von einem bundesweiten Wachstum von 2,0 Prozent aus“, sagt deren Chefanalyst, der Bremer Carsten Klude, „und da die Bremer Schlüsselbranchen wie der Automobilbau und die Luftfahrt zyklisch reagieren, wird ihr Wachstum eher über dem Bundesdurchschnitt liegen.“ Schwieriger indes, so Klude, die Situation in der Schifffahrt. Zwar gehe auch er davon aus, dass sich die Weltwirtschaft weiter erhole, und deshalb der Bereich Logistik wachse, und damit die Fracht auf den Schiffen, „aber insgesamt gibt es noch große freie Kapazitäten. In der ganzen Branche wechseln Licht und Schatten.“

Auch Professor Dr. Rudolf Hickel bereitet die Entwicklung in Bremens einstigem Job-Bringer, der Schifffahrt, Sorgen. „Gewiss, die Logistik legt zu. Die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft ist sehr gut aufgestellt, sie wird ihre Frachtrate erhöhen. Aber Schwierigkeiten drohen wegen der Schiffsfinanzierungen weiterhin dem Bankensektor. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Landesbank, die in diesem Segment tätig ist, das Risiko vertragen kann.“ Zu den Gewinnern des kommenden Jahres zählt er die Automobil-Industrie, bei der Luftfahrt ist er sich nicht ganz so sicher. „Gut möglich, dass auf die Standorte mit Flugzeugbau für die Verteidigung Probleme zukommen, das gilt auch für Varrel und Nordenham.“

Die Bremer Lebensmittelbranche, hier speziell die Firmen Beck's und Mondelez, das frühere Kraft-Foods also, habe ebenfalls das Zeug, die Wachstumsraten zu übertreffen. Und auch der Einzelhandel werde von der weiter steigenden Kauflaune profitieren, allerdings nicht der gesamte Handel. „Die Spaltung setzt sich fort,“ so Dr. Hickel, „Großanbieter verzeichnen ein ordentliches Plus, Kleinanbieter stehen vor schweren Zeiten.“

Die Handelskammer indes bleibt bei ihrem Blick in die Zukunft eher verhalten-optimistisch. „Unklar ist uns noch, ob es sich bei der konjunkturellen Seitwärtsbewegung im Industrie-Segment in den vergangenen Monaten nur um eine kleine Delle handelt, oder ob wir noch monatelang mit diesem Phänomen zu kämpfen haben,“ sagt Analyst Andreas Köhler. Für das ganze Jahr gesehen rechne er freilich mit einem Wachstum in Bremen von 1,7 Prozent, was den bundesweiten Erwartungen des Deutschen Handelskammertages entspreche, „auf jeden Fall liegt es nicht darunter“. Ganz vorn bei den Auftragssteigerungen sieht er ebenfalls die Logistik, darüber hinaus werde sich der Einzelhandel dank weiterhin ausgeprägter Konsumlaune positiv entwickeln, und auch der Dienstleistungs-Sektor sende vielversprechende Signale. Das Baugewerbe könne von anziehenden Wirtschaftsinvestitionen profitieren.

Realzuwächse beim Lohn

„Viele Tarifverträge des Jahres 2013 wirken im Jahr 2014 nach,“ sagt Dr. Rudolf Hickel, „beim Nominallohn ist daher ein leichter Anstieg zu erwarten.“ Und da sich eine niedrige Inflationsrate abzeichne, zumal die europäische Zentralbank aus Sorge vor einer Wirtschaftsflaute die Niedrigzinspolitik fortsetze, bestünden gute Chancen sogar auf Reallohnsteigerungen.

Auch in der Handelskammer geht man von Reallohnzuwächsen aus. „Zwei bis drei Prozent mehr in der Lohntüte, das erscheint mir plausibel“, sagt Andreas Köhler. Ebenfalls auf ein Plus von zwei bis drei Prozent legt sich Warburg-Prognostiker Klude fest. „Damit liegt die Steigerung auf Vorjahresniveau, mehr ist angesichts der zuletzt etwas ins Stocken geratenen Konjunktur nicht drin.“

Leichtes Plus bei den Arbeitsplätzen

Auch wenn aus einer der Bremer Schlüsselbranchen, der Luftfahrt, zuletzt keine verheißungsvollen Signale ausgesendet wurden, von Flugzeugbauer Airbus, gehen die vom Sonntags-Tipp befragten Prognostiker trotzdem von einem leichten Zuwachs an Arbeitsplätzen in der Hansestadt aus. „Nichts großes,“ sagt etwa Handelskammer-Analyst Köhler, „wir befinden und ja schon auf einem Höchststand.“ Zumal ohnehin nicht ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stünden. „Die meisten Firmen setzen in diesem Punkt auf die Fortbildung des eigenen Nachwuchses.“ Von außen sei eher kein Zustrom zu erwarten. „Da befindet sich Bremen im Wettbewerb mit anderen Metropolen, da müssen wir weiterhin am Stadt-Image feilen.“

Einen Arbeitsplatz-Abbau erwartet auch Dr. Rudolf Hickel nicht. „Der gegenwärtige Höchststand kann gehalten werden.“ Zu Bewegungen am Arbeitsmarkt komme es dennoch. „Die Prekär-Beschäftigen werden profitieren.“ Zeitarbeiter also genauso wie Geringverdiener. „Der seit Jahren zu beobachtenden Spaltung des Arbeitsmarktes ist mit dem neuen Koalitionsvertrag entgegenwirkt worden. Das sehe ich positiv.“ Bremen profitiere davon besonders.

Carsten Klude erwartet eine „Beschäftigungsquote auf dem Niveau von 2013 mit einer kleinen Grundtendenz nach oben.“ Deutlichere Verbesserungen seien erst 2015 realistisch, dann, wenn die Konjunktur stärker in Schwung gekommen sei. Impulse erwarte er sowohl vom Automobilbau als auch von der Luftfahrt-Industrie. „Die Entwicklung energiesparender Flugzeuge ist ein Riesenthema für die Zukunft.“ Mit Spannung verfolge er die Entwicklung am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. „Wenn mehr Schiffe anlegen, wird die Logistikbranche davon profitieren, auch die Bremer. Fraglich aber, ob der Hafenstandort Bremen seine Stellung behaupten kann, und ob nicht in der Endabrechnung Arbeitsplätze verloren gehen.“

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