Schließungspläne der Galeria-Karstadt-Kaufhof-Kette

Was wird aus den Bremer Warenhäusern?

Nummer drei: das Karstadt-Sporthaus. Fotos (3): KUZAJ
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Nummer drei: das Karstadt-Sporthaus.

Bremen – Es geht ans Eingemachte. Es geht um die Zukunft. Die Corona-Krise hat die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhaus in eine äußerst schwierige Lage manövriert. Der Generalbevollmächtige Arndt Geiwitz geht für 2020 von einem Umsatzverlust von einer Milliarde Euro aus. Der vorläufige Sachwalter der Kette, Frank Kebekus, sagte im Interview: „Wir haben allen Beteiligten klargemacht, dass 80 Häuser’ im Feuer’ stehen.“

Soll heißen: 80 der 172 Warenhausstandorte sind von der Schließung bedroht. „Im Idealfall können am Ende vielleicht zwei Drittel weitermachen“, sagte Kebekus der „Wirtschaftswoche“. Dann müssten die Vermieter der Immobilien mitspielen und Zugeständnisse machen. Kebekus weiter: „Es gibt Warenhäuser, die sich nicht profitabel betreiben lassen, selbst wenn das Unternehmen keinen Cent Miete zahlt.“

Außerdem sollen nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi 20 von 31 Karstadt-Sports-Häuser geschlossen werden. Und 64 der 98 Reisebüros. Und für die bestehenden Filialen wird eine Reduzierung des Personals um zehn bis 20 Prozent angekündigt. Düstere Aussichten. Verdi spricht von einem erneuten „Generalangriff gegen die Beschäftigten“.

1902 erbaut: das Karstadt-Haus an der Obernstraße.

Doch welche Filialen fallen durchs Raster? Bislang sind noch keine konkreten Details durchgesickert. In Bremen gibt es mit dem 1902 eröffneten denkmalgeschützten Karstadt-Haus an der Obernstraße und dem Kaufhaus im früheren „Horten“-Gebäude gegenüber noch zwei Standorte. Hinzu kommt die „Sporthaus“-Filiale. Dass alle drei Häuser erhalten bleiben, scheint unwahrscheinlich. In der Belegschaft herrscht jedenfalls mal wieder Unruhe. Wut hat sich aufgestaut. „Der Österreicher“, wie der Eigentümer der Kette, Rene Benkö, unter der Hand genannt wird, hat keine guten Karten in der Belegschaft. Und Chefmanager Stephan Fanderl erst recht nicht. „Die Schieflage der Warenhäuser haben nicht die Beschäftigten verursacht, sondern vorrangig das Management“, sagt Orhan Akman, Verdi-Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel.

Mit markanten „Horten“-Kacheln: die Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filiale an der Papenstraße.

Viele Bremer fühlen mit. „Die Angestellten müssen mal wieder alles ausbaden“, sagt ein Passant, der schon als Kind vor Jahrzehnten „nach Karstadt hin“ gegangen ist“, wie es so schön im bremischen Deutsch heißt. Und weiter: „Karstadt gehört in die Stadt.“ Die Warenhäuser in den Städten gelten als Ankerstandorte, als Schlüssel für Frequenz und für die Ansiedlung von weiteren Einzelhandelsbetrieben. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund sagte: „Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant.“ Doch es gibt auch andere Stimmen: „Warenhäuser sind Auslaufmodelle, die sind nicht mehr zeitgemäß“, sagt eine junge Frau, Anfang 20. Und weiter: „Alles hat seine Zeit.“

Die Unternehmensleitung hat die Gewerkschaft zu Verhandlungen über einen Sanierungsvertrag aufgefordert. Am Montag, 25. Mai, steht eine Informationsveranstaltung auf der Tagesordnung. Bei Verdi heißt es: „Die Karten müssen offen auf den Tisch.“

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