CORONA Geschäfte zu, Märkte offen / Kritik an vollen Bahnen

„Wir werden Sie vermissen!“

Schotten dicht – im Bereich Schüsselkorb/Sögestraße war am Mittwochmorgen sichtbar weniger los als sonst. Foto: KUZAJ

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Heruntergelassene Rollläden hier, Gitter vor den Schaufenstern dort – deutlicher könnte das Bild nicht sein. Viele Geschäfte haben seit Mittwoch geschlossen, um die Corona-Ausbreitung zu verlangsamen (Stand 18. März: 75 Infizierte). In der Bremer Innenstadt sind deutlich weniger Menschen unterwegs als sonst an einem Wochentag. Die leere Innenstadt, sie wirkt ein wenig wie an einem Sonntag – nur mit Blumen- und Wochenmarkt. Und ohne die gelöste Stimmung.

Auch die Musik fehlt, die Musik von der Bürgerpark-Tombola – die sonst um diese Jahreszeit zum City-Leben gehört wie das Zwitschern der Vögel zum Frühling. „Wir können nur warten und hoffen“, sagt Tombola-Geschäftsführer Dietmar Hoppe. „Nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt“ bleibe die Tombola – eingestuft als öffentliche Veranstaltung – nun bis Sonntag, 19. April, geschlossen. Damit fällt erst einmal etwa ein Drittel der üblichen Losverkaufszeit weg.

Und der Verkauf hatte bereits gelitten – zunächst wegen des Wetters. Hoppe: „Es war schon Hardcore mit den Orkantiefs im Februar. Mit dem März-Beginn war‘s dann brutal, da schlug Corona schon voll durch.“ Das sei dann auch nicht mehr durch den Losverkauf in Einkaufscentern aufzufangen gewesen. Die Tombola gilt als wichtiger Pfeiler für die Finanzierung des Bürgerparks.

Während die Losbuden und Gewinnausgaben geschlossen sind, erblüht auf dem Liebfrauenkirchhof der Blumenmarkt in voller Frühlingspracht. Es sind auch Kunden da. Doch über allem liegt eine gedämpfte Stille, ein Schleier der Zurückhaltung – wie auch über den Ständen des Wochenmarkts wenige Schritte weiter auf dem Domshof. Verkauf an der frischen Luft, keine Enge wie im vollen Supermarkt, keine Einkaufswagen, die angefasst werden müssen – einiges spricht in diesen Tagen für den Marktbetrieb.

Am Fischstand hat sich eine Schlange gebildet. In normalen Zeiten wäre sie kürzer, jetzt aber halten die meisten Menschen (per Augenmaß) den empfohlenen Sicherheitsabstand ein. Niemand drängt sich in die Lücken hinein. Frischer Fisch ist gefragt. Gute Wünsche gibt‘s vom Händler gratis dazu: „Bleib schön gesund!“

Gesundheit und Vorsicht sind überall ein Thema. „Bitte vermeiden Sie derzeit das unnötige Berühren unserer Produkte“, heißt es in einer Confiserie. Lesestoff gibt es auch in den geschlossenen Geschäften. Fast alle haben Botschaften an die Kundschaft ins Schaufenster gehängt. Und oft lautet die Botschaft, doch bitte mal in den Online-Shop zu schauen. Zuweilen sind die Aushänge emotional gehalten. „Wir sind traurig“, heißt es an einer Stelle. Und andernorts: „Wir schließen leider vorübergehend. Wir werden Sie vermissen!“ Geschlossen sind auch die Kaufhäuser, die ja inzwischen zum gleichen Konzern gehören. Im Karstadt-Haus aber bleibt die Rewe-Lebensmittelabteilung im Untergeschoss geöffnet, sie ist über einen separaten Eingang zu erreichen. Ebenso ist‘s bei Galeria Kaufhof – auch hier ist der Edeka-Markt im Untergeschoss geöffnet.

Noch in Betrieb sind auch die Busse und Bahnen der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Und das soll auch so bleiben, weshalb das Angebot ab Mittwoch um etwa 25 Prozent reduziert wurde – um das Personal zu schützen (und eine Reserve zu bilden). Und auch, weil weniger Menschen in Bussen und Bahnen fahren. Am ersten Tag des Sonderfahrplans kam es aber auch zu Problemen mit einigen sehr vollen Fahrzeugen, in denen Fahrgäste kaum eine Chance hatten, auf Distanz zu gehen – so am frühen Morgen in der Bahnlinie 1.

Mit der Reduzierung des Angebots folge man den Pandemiestufen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), so BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer. Zudem seien Fahrgastströme im Moment schwer planbar. „Stündlich passiert etwas Neues.“ Ab Donnerstag sollen in Spitzenzeiten zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt werden, so voraussichtlich auf den Linien 1, 4 und 6.

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