Kinderschutzzentrum unterstützt Familien

„Wir sind Schatzsucher“

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Monika Diemer ist mit ihren Händen in eine große Puppe geschlüpft. Puppen und Rollenspiele helfen Kindern, denen es schwerfällt, über Erlebtes zu reden. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Mit fünf Jahren wird Paul von seinem Schwimmlehrer sexuell missbraucht. Er landet bei der Beratung des Kinderschutzzentrums Bremen. Glücklicherweise hat er viel Rückhalt durch seine Familie. Heute, zehn Jahre später, ist Paul wieder in der Beratung. Diesmal hat er selbst – nicht seine Eltern – angerufen.

Er steckt in der Pubertät und hat das Gefühl, die Vorfälle von damals mit Fachleuten besprechen zu wollen. Ein durchaus typischer Fall im Kinderschutzzentrum, das Kinder vor sexueller, physischer und psychischer Gewalt sowie Vernachlässigung schützen soll. Die Fachleute beraten auch Angehörige und Leute, die beruflich sowie privat mit Kindern zu tun haben. Das Zentrum besteht seit 35 Jahren.

„Damals haben Pauls Eltern viel für ihren Sohn gemacht. Heute gucken wir, was er selber daran noch klären will und wo ihm der Vorfall heute, in seiner Pubertät, Schwierigkeiten macht“, erklärt Carsten Schlepper, Vorsitzender des Kinderschutzbundes, dem Betreiber des Zentrums.

"Wir unterstützen, wo wir können“

Auch ein anderer Fall hat es in sich. Eine Frau hat vier Kinder, aber zwei hat das Jugendamt ihr schon weggenommen. Die anderen zwei möchte sie unbedingt gewaltfrei erziehen. „Dabei stößt sie aber täglich an ihre Grenzen. Wir unterstützen, wo wir können“, sagt Kathrin Moosdorf, Geschäftsführerin des Zentrums. Meistens werde die Mutter aggressiv, wenn sie zu viel Stress habe. „Wir versuchen rauszukriegen, auf welche positiven Ressourcen sie zurückgreifen kann“, sagt Psychologin Jana Rump, eine von drei Beratungskräften.

Wichtig sei zudem, Unterstützer in ihrem Umfeld zu finden. „Da ist es sinnvoll, mit der Mutter über eine Entbindung von der Schweigepflicht zu sprechen, um andere Personen bei der Hilfe mit einzubeziehen“, so Rump weiter. „Das können Leute aus dem Kindergarten sein, Lehrer oder auch Trainer aus dem Sportverein.“

Es gehe aber bei der Arbeit in dem Zentrum nie darum, Fälle aufzuklären. „Auf keinen Fall dringen Details nach draußen“, heißt es. Ziel sei es, dass es dem Kind besser gehe. „Wir können mit dem Trainer besprechen, wie die Stärken des Kindes gefördert werden können. Dann geht auch der Stress zu Hause zurück“, so die Psychologin.

Ihre Beratungskollegin, die Heilpädagogin und Familientherapeutin Monika Diemer, bringt es auf den Punkt: „Wir sind Schatzsucher, keine Fehlersucher. Man findet immer was Positives.“ Freunde, Nachbarn, ein gutes Familienklima, all das könne helfen. Wenn Kindern das Sprechen über ihre Erlebnisse schwerfällt, hilft eine große Anzahl von Puppen in einem freundlich wirkenden Raum. „Die Puppen sind für uns eine Art Türöffner. Oft greifen sich die Kinder von selbst eine Puppe. Die Älteren, so mit 13 Jahren, nehmen gerne große Handpuppen, in die man mit den Händen schlüpfen kann“, erzählt Diemer. „Auch das Rollenspiel ist dann für das Kind eine Möglichkeit sich auszudrücken, wenn das Sprechen über das Problem schwerfällt.“

2.500 Beratungsgespräche absolvierten Spezialisten des Zentrums im vergangenen Jahr. Die Tendenz ist steigend. 1 500 Beratungen erfolgten telefonisch. Häufigstes Thema ist heute die sexuelle Gewalt. „Die Sensibilität hat da zugenommen, zur Gründung des Zentrums ging es meist um körperliche Gewalt und Vernachlässigung“, sagt Moosdorf.

Kontakt: Kinderschutzzentrum, Humboldtstraße 179, Telefon 0421/240112-10, oder über die Internetseite.

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