Das Focke-Museum ist „Redewendungen auf der Spur“

„Wir schaffen das!“

„Mein Name ist Hase!“ An vielen Stationen geht das Focke-Museum Redewendungen auf die Spur. Die titelgebende Redensart geht auf den Heidelberger Studenten Victor Hase zurück, der anno 1854 vor Gericht einen Kommilitonen nicht verpfiff, sondern nur seinen Namen angab. Foto: KUZAJ

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Wie sieht es aus bei Hempels unter dem (sprichwörtlichen) Sofa? Das ist jetzt im Schwachhauser Focke-Museum zu erfahren. Dort wird am Sonntag, 10. November, um 11.30 Uhr die Ausstellung „Mein Name ist Hase! Redewendungen auf der Spur“ eröffnet. Sie dauert bis zum 5. Juli 2020.

Die Schau ist eine Übernahme aus dem Museum für Kommunikation in Nürnberg. Das Focke-Museum hat sie um eine „Sprichwörter-Werkstatt“ ergänzt, die Besucher animieren soll, sich kreativ mit Redewendungen auseinanderzusetzen – beispielsweise mit dem Zeichen stift. Wie sieht ein Hund aus, der in der Pfanne verrückt wird? Bitte zeichnen Sie!

Auch neben der „Werkstatt“ setzt die Ausstellung auf das Mitmachen, das Mitdenken, das Mitspielen. „Es gibt viel zu bewegen und viel anzufassen“, sagt Dr. Rolf-Bernhard Essig. Der Germanist, Buchautor und Sprichwort-Experte hat die Schau kuratiert.

Ziel sei es, „Menschen jeden Alters“ zu erreichen. Dafür müsse die Ausstellung so zugänglich wie möglich sein. Und zugleich – Zitat – „für Klugscheißer so interessant wie möglich“. Im Aufbau erinnert die Schau mit ihren Stationen an einen mittelalterlichen Jahrmarkt – etliche Redewendungen beziehen sich auf Alltagsgegenstände aus jener Zeit. Eine Kandare ist ebenso zu sehen wie ein Notnagel. Und, ja, einen Pranger gibt es auch: Besucher dürfen sich selbst an den Pranger stellen – und Selfies machen.

Fachleute schätzen, dass es etwa 300 000 Sprichwörter und Redensarten in Deutschland gibt. Knapp 150 davon werden in der Ausstellung erklärt. „Es gibt keine Sphäre ohne Sprichwörter und Redewendungen“, sagt Kurator Essig. „Das geht durch jeden Berufs-, durch jeden Bildungsstand.“ Wobei Sprichwörter auch (bürgerliche) Erkennungszeichen seien. „Man kann mit ihnen auch Bildung vortäuschen.“

Sprachexperten unterscheiden Sprichwort, Redewendung und geflügeltes Wort. Sprichwörter sind einprägsame Sätze in zumeist gehobener Sprache, die in der Regel einen lehrhaften Charakter haben – und deren Urheber unbekannt ist. Wie bei den formelhaft feststehenden Redewendungen, die ohne Moral oder Lehre auskommen. Geflügelte Worte sind gleichsam allgemeingültig und omnipräsent gewordene Zitate und Aussprüche – etwa aus der Bibel, aus der Weltliteratur, aus Filmen. Goethes „Faust“ ist die Quelle etlicher geflügelter Worte. Filme wie „Casablanca“ aber auch. Und die TV-Sketche und Kinofilme des Humoristen Loriot!

In ihrem breiten Ansatz schlägt die Ausstellung – ganz automatisch oder wie von Geisterhand – einen Bogen von historischen Ursprüngen bis in die Gegenwart. Obamas „Yes, we can!“ ist ebenso ein Thema wie Merkels „Wir schaffen das!“. Aus einem vollkommen anderen kulturellen Zusammenhang stammt „Ich habe leider kein Foto für Dich“ („Germany‘s next Topmodel“). Von Merkel bis Klum, von Krethi bis Plethi, von Hinz bis Kunz: Jeder von uns verwendet Tag für Tag etwa 100 Redewendungen, sagt Essig. Und das meist, ohne groß darüber nachzudenken. „Sie machen die Sprache interessanter und lebendiger.“

Bleibt die Frage, wie es denn nun bei Hempels unterm Sofa aussieht? Nun, im Museum liegen dort ein Löffel, ein Schuh, ein Teddybär. Klassische Unordnung eben. Dazu passt, dass die Herkunft dieser Redensart nicht eindeutig geklärt ist.

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