Elmar Kleinert über Zukunftsperspektiven

Bremer Flughafen-Chef: „Wir müssen nach Sicht fliegen“

Elmar Kleinert mit dem Terminal des Flughafens im Hintergrund.
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Elmar Kleinert wechselte Mitte 2018 von der Spree an die Weser und ist seither Geschäftsführer des Bremer Flughafens.

Elmar Kleinert ist seit Mitte 2018 Chef des Bremer Airports. Er sagt unter anderem: „Das Fliegen wird auch in Zukunft ein Wachstumsmarkt sein.“

Bremen – Der Flugverkehr ist zu Beginn der Pandemie nahezu zum Erliegen gekommen. Auch am Bremer Airport ging fast nichts mehr. Derzeit erholt sich die Branche. Im Oktober zählte der Flughafen im Neuenlander Feld rund 125 000 Passagiere, im Oktober 2019 waren es 247 580. Über Zahlen und Zukunftsaussichten äußert sich Bremens Flughafen-Chef Elmar Kleinert im Interview.

Die Passagierzahlen von Juli bis Oktober lassen im Flugverkehr einen Aufwärtstrend erkennen. Wie ist derzeit die Situation am Bremer Flughafen?

Es geht langsam wieder aufwärts. Die Oktober-Zahlen liegen nur noch 50 Prozent unter dem Vergleichswert von Oktober 2019. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Bremen liegt damit über dem Bundesschnitt, aber dennoch haben wir und die anderen Flughäfen noch einen weiten Weg vor uns.

Ist der Airport auf dem Weg zurück in die Normalität?

Der Weg zurück ist steinig. Die verkehrliche Erholung fällt flacher aus, als es Branchenexperten und ich erwartet haben. Wir sind mit dem Thema Corona noch nicht durch. Jetzt steigen die Infektionszahlen und es gibt schon wieder den medialen Ruf nach Maßnahmen.

Wann wird der Luftverkehrsmarkt und damit auch der Bremer Airport wieder das Vorkrisenniveau erreichen?

Das Fliegen wird auch in Zukunft ein Wachstumsmarkt sein. Nicht 2024, sondern erst 2025 oder 2026. Außerdem gibt es jede Menge politischen Gegenwind. Es wird über eine Kerosinsteuer, über die Besteuerung von Flugbenzin diskutiert. Es gibt Bestrebungen, der Bundespolizei Flächen auf den Flughäfen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Und es gibt Pläne, die Kosten für Sicherheitskontrollen nicht mehr zu deckeln. Die nächsten beiden Jahre werden wichtige Weichenstellungen bringen. Das heißt: Wir müssen sehr solide planen und nach Sicht fliegen.

Wichtige Weichenstellungen

Stichwort politischer Gegenwind. Sind Inlandsflüge Auslaufmodelle?

Von Bremen aus geht es derzeit nach Stuttgart, Frankfurt und München. Das wird auch so bleiben, bis die Bahn echte Alternativenanbieten kann, in zeitlicher und qualitativer Hinsicht. Heute ist der Trip von Bremen nach Stuttgart per Bahn eine Tagesreise. Um komplett Strecken aus der Luft auf die Schiene zu bringen, reicht es nicht, einen zusätzlichen Waggon an den ICE zu hängen. Die Flüge nach Frankfurt am Main und München sind vor allem Zubringerlinien. Am Schalter in Bremen werden die Koffer aufgegeben. Und es läuft. Wer seinen Anschlussflug verpasst, wird automatisch auf den nächsten umgebucht. Wenn sich der Zug zum Terminal verspätet, wird es komplizierter. Niemand trägt den Schaden. Das sind viele kleine Fallstricke. Ein generelles Aus für Inlandsflüge wird so schnell nicht kommen und nicht funktionieren.

Gibt es neue Ziele im Winter und dann im Sommer?

Passagiere gehen über Brücken in den Flieger: Am Bremer Airport steigen die Fluggastzahlen langsam wieder.

Im Winterflugplan fliegt Eurowings täglich nach Mallorca, Trade Air zweimal wöchentlich nach Pristina, Sundair wöchentlich nach Beirut, Teneriffa, La Palma, Corendon nach Antalya und Izmir. Und im Sommer geht es unter anderem nach Hurghada. Sundair weitet sein Angebot aus. Und fliegt von Bremen aus zweimal pro Woche Kos, viermal Kreta, dreimal Rhodos, zweimal Fuerteventura und dreimal Antalya an.

Corona kostet 80 Vollzeitstellen

Die Kurzarbeit am Flughafen läuft Ende des Jahres aus. Wie viele Mitarbeiter waren betroffen und wie viele Arbeitsplätze hat Corona gekostet?

Vor der Pandemie hatten wir umgerechnet 440 Vollzeitstellen. In der Zwischenzeit haben wir das Personal durch Altersteilzeitregelungen und per Abfindungen auf 360 Vollzeitstellen reduziert. In Kurzarbeit war zunächst ein sehr hoher Teil der Belegschaft. Jetzt sind es 15 bis 30 Prozent je nach Tochterunternehmen. Und es betrifft beispielsweise das Controlling, die Finanzabteilung und die immer noch gering ausgelastete Abfertigung.

Lassen sich die Verluste durch Corona beziffern? Und gibt es Geld von Bund und Land zurück?

Für 2020 weisen wir einen Verlust von 27 Millionen Euro aus. 7,5 Millionen kommen vom Bund und Land als Erstattung der Vorhaltekosten im ersten Lockdown zurück. Es gab ja weiter medizinische Flüge, Organtransporte. Weitere Verluste werden durch eine Kapitalerhöhung von 17 Millionen Euro gedeckelt. Für 2021 hat das Land einen Betriebsmittelkredit bewilligt. Damit ist unsere Liquidität bis Mitte 2022 gesichert. Es gibt Pläne, die Rückzahlungen des Kredits durch eine weitere Kapitalerhöhung aufzufangen.

Und jetzt steuert der Bremer Airport eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz an...

Wir wollen den Airlines zukünftig Biokerosin als Treibstoff anbieten. Wir haben eine gebrauchte Anlage aus Tegel erworben und errichten hier derzeit ein Lager. Biokerosin produziert 60 Prozent weniger Kohlendioxid pro Tonne. Mit Details gehen wir im ersten Halbjahr 2022 an die Öffentlichkeit.

Elmar Kleinert: Zur Person

Elmar Kleinert, Jahrgang 1961, ist seit Juli 2018 Geschäftsführer des Bremer Flughafens. Zuvor war er fünf Jahre lang als Geschäftsleiter „Operation“ bei der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg für die Flughäfen Schönefeld und Tegel zuständig. Davor war der gebürtige Paderborner von 2009 bis 2013 Chef des Flughafens Paderborn/Lippstadt.

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