Drachenboot-Cup auf dem Werdersee: Dröhnende Rhythmen und Texte im Takt

„Wir machen das zum Spaß“

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Die Trommel setzt ein. Das Findorffer Team mit dem Namen „Angst-Punks featuring Dorfgegner“ fährt auf die Rundstrecke mit 2 000 Metern – und kommt am Ende als erste Crew ins Ziel.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Trommel-Dröhnen in unterschiedlichen Rhythmen. Ein Wort-Wirrwarr. Sechs Boote rauschen nebeneinander durchs Wasser. Vorne ein Trommler, hinten der Steuermann, der die 16 bis 20 Paddler kräftig anfeuert. Drachenboot-Fahrten sind ein echtes Spektakel.

Die „Bremen Draggstars“ luden am Wochenende zum 14. Mal zum Bremer-Drachenboot-Cup. Auf dem Werdersee gingen 1 500 Paddler in 57 Teams an den Start. Tausende von Zuschauern haben die Rennen verfolgt.

Trommler muss schreien, weil das Instrument nicht zu hören ist

Jedes der jeweils sechs Boote kriegt einen eigenen Rudertakt vorgegeben. Das macht allerdings, im Gegensatz zum ersten Eindruck, nicht die Person hinter der Trommel. Die guckt vielmehr auf die erste Bank – und übernimmt den Schlagrhythmus von den beiden an vorderster Stelle sitzenden Paddlern. Doch das reicht nicht, um den so wichtigen Paddelrhythmus in der kräftigen Geräuschkulisse durchzusetzen. „Die Paddler hören ihre Trommel nicht“, sagt die Organisatorin Katja Riemers. „Darum schreit der Trommler auch einen Text im Rudertakt, zum Beispiel ,Hammerhart!‘ oder ,Hau drauf!‘ oder auch Zahlen.“ Der Steuermann hat keine leichte Aufgabe, denn das Steuer sitzt an der Außenseite des Bootes. Er muss zudem aufkommende Gewichtsunterschiede ausgleichen.

Auf der 250-Meter-Distanz halten sich die Bremer „Weser-Pinkies“ wacker. Während die anderen Teams gemischt sind, gehen bei ihnen nur Frauen an Bord.

Action beim Zeitrennen

„Pink-Paddler“-Teams gibt es international. Sie werden von Frauen gegründet, die Brustkrebs haben oder hatten. Mehrere Studien zeigen eine stark positive Wirkung des Drachenbootsportes während und nach solchen Behandlungen. Das soll vor allem an der besonders gleichmäßigen Paddelbewegung liegen. Die Gruppe trainiert einmal in der Woche.

„Das eine super Übung. Nach Brustkrebsoperationen fühlt man sich immer so ungleich, weil man die operierte Seite immer schont. Dagegen hilft das Paddeln“, sagt Marie Rösler von der Bremer Krebsgesellschaft.

Zu den Attraktionen des Drachenboot-Cups zählt auch das Zeitrennen auf einem Rundkurs. Immer wieder ein Countdown. Die Boote starten im Abstand von zehn Sekunden. Dauernd kommt es zu Überholmanövern. Der Paddel-Takt geht wieder durcheinander.

An vierter Stelle, also 30 Sekunden nach dem ersten Starter, legt das Team mit dem Namen „Angst-Punks featuring Dorfgegner“ los. Dabei handelt es sich um Familien aus Findorff. Das bunt gemischte Team geht am Ende der 2000 Meter als erstes durchs Ziel. Ein Erfolg, obwohl die Findorffer nicht trainiert haben. „Man ist danach 15 Minuten kaputt. Im Moment zieht es etwas im Arm. Aber das ist gleich wieder vorbei“, sagt Thomas Sauermann aus dem Team. „Wir machen das zum Spaß. Wir haben ordentlich Bier dabei.“

Außen überholen kostet eine Bootslänge

Die Tui-Betriebssportgruppe „Tui Draxx“ aus Hannover, vertreten in der vierten Bundesliga, kommt nach dem Rennen an Land. Einer nach dem anderen steigt aus dem Boot. Die Fahrer bilden nacheinander eine Reihe und strecken die Hände aus. Jeder der aussteigt, klatscht alle Hände ab. Das Team wirkt munter.

Michael Schneider atmet kräftig durch und wirkt kurz nach dem Rennen wieder fit. „Das Verfolgungsrennen macht immer Spaß. Wir hatten etwas Pech bei den Wendemanövern. Wir haben dabei oft überholt und mussten immer außen fahren. Das kostet jedes Mal eine Bootslänge. Wir haben insgesamt bestimmt sechs Bootslängen verloren“, sagt er.

Der Drachenbootsport kommt aus China. Er wird sowohl Leistungssport als auch reines Freizeitvergnügen betrieben. In Deutschland gibt 100 organisierte und 2000 nicht organisierte Teams mit 35.000 Sportlern, heißt es beim Drachenboot-Cup.

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