Bremen muss Fachkräfte binden

Handelskammer: „Wir brauchen Steuerzahler“

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Die Familie Jacobs plant Umbaumaßnahmen in der Obern- und Langenstraße. Das Johann-Jacobs-Haus ist nach dem Auszug von „Fossil“ und anderen Mietern bereit für den Abriss. Auch das Gebäude links daneben soll verschwinden.

Bremen - Von Jörg Esser. Die Handelskammer fordert Perspektiven. Und setzt ehrgeizige Ziele. Bremen und Bremerhaven sollen wachsen – in der Hansestadt von rund 565.000 (2016) auf 625.000 und in der Seestadt von 113.000 auf 130.000 Einwohner bis zum  Jahr 2030. „Wir brauchen Steuerzahler, nicht so sehr Steuerverwender“, sagt Präses Harald Emigholz. Und weiter: „Der Trend der Netto-Abwanderung von Fachkräften ins Umland muss gestoppt werden.“

Die Kammer hat am Montag ihren Jahresbericht präsentiert und diesen unter das Motto „Positionen, Projekte, Perspektiven“ gestellt. Und: es läuft gut. Die bremische Wirtschaftsleistung wächst kräftig. „Die Konjunktur gibt positive Signale für unser Bundesland“, sagt Emigholz. Im ersten Halbjahr 2017 sei das reale Bruttoinlandspordukt im Zwei-Städte-Staat um 3,5 Prozent gestiegen. Der Zuwachs lag damit deutlich über dem Bundesschnitt (2,0  Prozent). Bremen profitiere von den steigenden Exportzahlen (der Exportanteil an der Wirtschaftsleistung liegt jenseits der 60 Prozent) und der boomenden Weltwirtschaft. „Es gibt starke Impulse vor allem aus dem Dienstleistungssektor“, sagt auch Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenquote sei hingegen kaum gefallen und lag 2017 mit 12,2 Prozent noch weit über Bundesschnitt (5,7). Das heißt: Bremen schafft Arbeitsplätze für die Region. Die Einpendlerquote steigt weiter an.

Und der Trend droht sich fortzusetzen, sagt Emigholz. Die SPD/CDU-Landesregierung in Niedersachsen wirbt mit kostenlosen Kita-Plätzen. „Wenn wir nicht mitziehen, wandern noch mehr junge Familien ab.“ Womöglich zieht es auch weitere Unternehmen ins Umland. Schließlich hat der rot-grüne Senat die Gewerbesteuer-Hebesätze für zwei Jahre auf 470 Punkte heraufgesetzt. „Das ist standortschädlich“, sagt Emigholz. „Und Gift für die Ansiedlungspolitik.“ Bremen habe jetzt Gewerbesteuersätze auf Hamburger Niveau, stehe aber mit dem Umland in Konkurrenz. Und da bewegen sich die Sätze von 380 bis 450 Punkten.

Fehlende Flächen für neue Unternehmen

Der Hansestadt fehle es zudem an Flächen für ansiedlungswillige Unternehmen. Die Kammer fordert laut Fonger, dass Bremen einen Vorrat von 150 Hektar sofort vermarktbarer Gewerbeflächen schaffen solle. Außerdem solle Rot-Grün die Zielmarke für Wohnungsbauten auf 2500 Einheiten pro Jahr erhöhen.

Und Bremen solle die Chancen nutzen, die das Innenstadtkonzept birgt. In den vorliegenden Strukturmaßnahmen stecke eine Gesamtinvestitionssumme von mehr als einer Milliarde Euro, so Emigholz. Im Jahr 2025 könnte die City ganz anders aussehen, heißt es.

Der Präses verwies auf das Großprojekt „City-Gate“ am Hauptbahnhof, auf die Umbaupläne der Familie Jacobs in der Obernstraße und der Langenstraße, auf den Wegzug der Sparkasse von der Innenstadt in den Technologiepark an der Uni und die Neuordnung des Areals am Brill, auf den Verkauf des Lloydhofs und die Pläne des Investors „Denkmal neu“ sowie die Pläne des Bremer Unternehmers Kurt Zech für „die Neugestaltung des kommerziellen Herzens unserer Stadt“, der unter anderem den Abriss des Parkhauses Mitte und den Aufbau eines City-Galerie-Projekts beinhaltet.

„Die Projekte bergen Potenzial für neues Denken“, sagt Emigholz. „Sie müssen zügig und konzentriert umgesetzt werden.“

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